Internationale Insolvenzprognose 2014: Global besser, Europa immer noch schwierig

Wien (OTS) - - 2014 werden die Insolvenzen weltweit um 1% sinken, zirka 351.000 Unternehmen gehen in Konkurs. Das Wirtschaftswachstum steigt um 3% an.

- Europa hat immer noch harte Zeiten an der Pleitenfront, Österreich ist mit -4% eine der wenigen Ausnahmen.

Global betrachtet verheilen die Wunden der längsten wirtschaftlichen Stagnation seit den 30er Jahren langsam. Die Exportmärkte in wichtigen Schwellenländern und eine gute US-Wachstumsdynamik nähren diese Entwicklung. Die Märkte bleiben jedoch volatil, und weiterhin hängen die Rentabilität und die Zahlungsfähigkeit unzähliger Unternehmen an einem seidenen Faden.

"Was global nach Entspannung aussieht, ist im Detail ein problematischer Befund", erklärt Ludwig Mertes, Vorstand PRISMA Kreditversicherung. Während in Nordamerika (-11%) und im asiatisch-pazifischen Raum (-4%) die Insolvenzen merklich sinken, beobachtet PRISMA in Lateinamerika und in Europa den gegenläufigen Trend. "Deutschland und Großbritannien verzeichnen einen leichten Rückgang, viele andere Länder aber einen kontinuierlichen Anstieg. Europas Wirtschaft triftet auseinander. Besondere Sorgenkinder sind nach wie vor Italien, Spanien, Griechenland, Frankreich, Niederlande und Belgien.", so Mertes.

Die wichtigsten Länderentwicklungen im Vergleich:

Österreich und Schweiz: positive Ausnahmen

Österreich und die Schweiz gehören in Westeuropa gemeinsam mit Großbritannien, Irland und Deutschland zu den positiven Ausnahmen. Erstens ist die Wirtschaft 2013 in beiden Ländern auf dem Wachstumspfad, auch wenn die Wachstumsrate in Österreich auf 0,4% zurückging (+1,7% in der Schweiz). Zweitens ist die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in beiden Ländern positiv - in Österreich ergab sich im Gesamtjahr sogar ein signifikanter Rückgang von minus 9%.

"Zwar waren österreichische Exporteure auch von der Aufwertung des Euro bis 2012 belastet, dennoch profitieren wir von der Nähe zur deutschen Wirtschaft und ihrer Zugkraft", erklärt Mertes. "Die Zahl der Insolvenzen verringerte sich in wichtigen Branchen wie Industrie, Bauwirtschaft, Dienstleistungen, Hotel- und Gastgewerbe. Für 2014 erwarte ich nochmals eine deutliche Senkung um 4%."

Die Schweiz profitiert von großen, exportstarken multinationalen Konzernen wie Nestlé in der Nahrungsmittelindustrie oder Roche in der Pharmabranche. Inlandsnachfrage und Konsum sind robust, die Rolle der Schweiz als unerschütterliche Bastion in turbulenten Zeiten ist unantastbar - wenngleich der damit verbundene starke Franken den Unternehmen auch Probleme macht. Vor diesem Hintergrund und gestützt auf einen positiven makroökonomischen Ausblick erwartet PRISMA für 2014 rückläufige Insolvenzzahlen in der Schweiz (-3%).

Internationale Insolvenzprognose 2014

~ 2012 2013 2014 2012/2013 2013/2014 Westeuropa Irland 1.684 1.347 1.239 -20,0% -8,0% Deutschland 28.297 26.599 25.003 -6,0% -6,0% Großbritannien 30.130 25.912 24.616 -14,0% -5,0% Österreich 6.041 5.497 5.277 -9,0% -4,0% Norwegen 3.814 4.348 4.174 14,0% -4,0% Schweden 7.471 7.845 7.609 5,0% -3,0% Portugal 6.688 6.220 6.033 -7,0% -3,0% Schweiz 4.513 4.513 4.378 0,0% -3,0% Dänemark 5.456 5.074 4.973 -7,0% -2,0% Frankreich 61.086 62.308 61.685 2,0% -1,0% Niederlande 8.616 9.478 9.478 10,0% 0,0% Italien 12.442 13.686 13.686 10,0% 0,0% Finnland 3.476 3.650 3.686 5,0% 1,0% Griechenland 1.400 1.540 1.586 10,0% 3,0% Spanien 7.780 9.725 10.114 25,0% 4,0% Belgien 10.587 11.857 12.332 12,0% 4,0% Luxemburg 1.053 1.095 1.150 4,0% 5,0% Zentral-/ Osteuropa Ungarn 22.389 14.105 13.541 -37,0% -4,0% Polen 941 988 1.018 5,0% 3,0% Russland 10.325 9.809 10.299 -5,0% 5,0% Slowakei 1.054 1.423 1.508 35,0% 6,0% Tschechien 3.764 4.140 4.554 10,0% 10,0% Übersee USA 40.075 35.667 33.527 -11,0% -6,0% Japan 12.124 11.154 10.708 -8,0% -4,0% Kanada 3.236 3.107 3.044 -4,0% -2,0% China 2.650 2.544 2.595 -4,0% 2,0% Quelle: Euler Hermes, PRISMA 1/2014 Frankreich - Deutschland: Die große Kluft ~

Im direkten Vergleich von Deutschland und Frankreich lassen sich die Unterschiede in Westeuropa gut veranschaulichen. Keines der beiden Länder blieb vom wechselhaften Geschick der Region verschont, aber ihre Fähigkeit, die Krise zu überstehen, unterscheidet sich deutlich. In Deutschland muss die Wirtschaft im Schnitt bloß um 0,5% wachsen, um die Insolvenzzahlen zu stabilisieren; in Frankreich braucht es eine Wachstumsrate von 1%. In Deutschland sollte sich der Abwärtstrend bei den Insolvenzen 2014 um weitere -6% fortsetzen. In Frankreich stiegen die Insolvenzen 2013 neuerlich um 2%. Für 2014 zeichnet sich nur ein geringfügiger Rückgang ab (-1%) - das Insolvenzniveau bleibt also weiter hoch.

Benelux: Drei neue Insolvenzrekorde

2013 war ein weiteres düsteres Jahr für Unternehmen in den Benelux-Ländern. In keinem der drei Länder hat sich die Situation bei den Unternehmensinsolvenzen verbessert - ganz im Gegenteil: Belgien (+12 %), Luxemburg (+4%) und die Niederlande (+10%) werden einen neuen Rekordwert verzeichnen. Dessen ungeachtet hat sich jedoch das makroökonomische Umfeld in den letzten Quartalen deutlich verbessert, auch wenn das Tempo der Erholung 2013 noch zu gering ist (BIP-Anstieg von 0,1% in den Niederlanden und von 0,3% in Belgien in Q3), um die während der Krise entstandenen Probleme vom Tisch zu wischen. 2014 wird die Insolvenzrate nur in den Niederlanden auf hohem Niveau zum Stillstand kommen, in Belgien (+4 %) und Luxemburg (+5 %) wächst sie weiter.

Südliches Europa: Italien, Spanien, Portugal und Griechenland

Die Erholung in 2014 wird zu schwach ausfallen, um einen weiteren Anstieg der Insolvenzen zu verhindern. Die vier Länder steckten 2013 ein weiteres Jahr in der Rezession, drei davon verzeichnen auch neuerlich steigende Unternehmensinsolvenzen. In Portugal dagegen sollten die Insolvenzzahlen 2013 zurückgehen (-7%), obwohl die Wirtschaft dieses Jahr ein weiteres Mal deutlich schrumpfen wird (-1,9%). Der Rückgang ist vor allem auch auf ein neues Sanierungsverfahren für insolvenzgefährdete Unternehmen zurückzuführen.

Auch in Spanien dürften die Insolvenzzahlen 2013 niedriger ausfallen als ursprünglich vorhergesagt, dennoch ist der Anstieg der Insolvenzen weiterhin markant (+25%). In Griechenland steigen die Unternehmensinsolvenzen voraussichtlich das sechste Jahr in Folge (mit einem weiteren Anstieg um 10%), und das Land wird auch das sechste Rezessionsjahr verzeichnen (BIP-Prognose: -4,1%). Schließlich werden auch in Italien die Zahlen für das Gesamtjahr 2013 etwas schlechter sein als erwartet (+10% anstatt +7%), da die Wirtschaft weiter stark schrumpft (-1,8% nach -2,4% in 2012).

Zentral- und Osteuropa: Generell sehr hohes Niveau der Unternehmensinsolvenzen

In Zentral- und Osteuropa entspricht der Trend bei den Unternehmensinsolvenzen den zyklischen und strukturellen Problemen. Nachdem die Region von der Krise schwer getroffen wurde und die wirtschaftliche Entwicklung 2013 neuerlich enttäuschend ausfiel, etablierte sich bei den Unternehmensinsolvenzen in den meisten Branchen rasch wieder ein Aufwärtstrend (+6% in 2013 nach +8% in 2012), der sich 2014 fortsetzen dürfte (+3%).

Der starke Rückgang der Pleiten in Ungarn hat gesetzliche Hintergründe: die Einführung der "unfreiwilligen Auflösung" bedeutet, dass nur noch die gerichtlichen Liquidationsverfahren in den offiziellen Statistiken erfasst werden. Damit ergibt sich ein realistischeres Bild der Unternehmensinsolvenzen im Land.

USA beeindruckt

2013 war die wirtschaftliche Dynamik stark genug, um ein viertes Jahr in Folge einen Rückgang der Unternehmensinsolvenzen zu ermöglichen (-11%). Für 2014 wird eine weitere Reduktion um 6 % erwartet. Die Erholung in der Eurozone und die starke Dynamik bei anderen Handelspartnern (Kanada, Mexiko, China und Japan) deuten auf eine markante Zunahme der Exportnachfrage hin (8% bei den Exporten in 2014). Ebenso ist mit einem Aufschwung in der Industrie zur rechnen:
gestiegene Produktivität, niedrige Energiekosten, keine bevorstehenden Steuererhöhungen und die anhaltende Lockerung der Kreditkonditionen lassen eine solide Erholung der Investitionstätigkeit erwarten.

China, Japan: unterschiedlich und doch beide positiv

Die Entwicklung bei den Unternehmensinsolvenzen war 2013 in beiden Ländern positiver als Ende des letzten Winters erwartet. In China ging das Wirtschaftswachstum 2013 weiter zurück (+7,6%), die Unternehmen kamen jedoch mit diesem Umfeld insgesamt gut zurecht und die Insolvenzen sanken um 4%. In China dürfte die laufende Neuausrichtung des Wachstums auf ein niedrigeres, aber nachhaltigeres Niveau 2014 zu einem praktisch stabilen und niedrigen Niveau der Insolvenzen führen (+2% für 2014).

In Japan haben die erheblichen geld- und budgetpolitischen Stützungsmaßnahmen zusammen mit einem robusten Konsum die Konjunktur angekurbelt. Die Effektivität der wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung Abe hat den Abwärtstrend der Insolvenzen, der 2010 einsetzte, in hohem Maße unterstützt. Die Regierung versucht, ein Wachstumsmodell zu etablieren, in dem der private Konsum als primärer Wachstumsmotor fungiert und nicht die Investitionen. Die japanische Wirtschaft sollte 2014 dank zunehmender Exporte auf dem Wachstumspfad bleiben. Dadurch werden die Insolvenzen weiter zurückgehen.

PRISMA Kreditversicherungs-AG wurde 1989 gegründet. 2012 erzielte PRISMA 69 Mio. Euro Umsatz und ist Marktführer in Österreich. PRISMA ist zu 100% Tochter der OeKB EH Beteiligungs- und Management AG. Die Oesterreichische Kontrollbank AG hält 51% der Managementholding, 49% hält die Euler Hermes Deutschland AG, Hamburg. Die Euler Hermes Gruppe, mit Sitz in Paris, ist Weltmarktführer in der Kreditversicherung und gehört zum Allianz-Konzern.

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