Markus Hering von ORF-Hörspiel-Jury zum "Schauspieler des Jahres 2013" gewählt

Wien (OTS) - Markus Hering wurde von der ORF-Hörspiel-Jury zum "Schauspieler des Jahres 2013" gekürt. Die Ehrung wird im Rahmen der "Ö1 Hörspiel-Gala" am 28. Februar im Wiener ORF-RadioKulturhaus stattfinden.

Seit 1997 wählt eine Fachjury aus ORF-Hörspielregisseurinnen und -regisseuren die Schauspielerin oder den Schauspieler des Jahres. Diesmal fiel die Wahl auf Markus Hering, "der mit seiner Stimme, einer eigenwilligen, keineswegs auf Hochglanz polierten Stimme, eine potenzielle Zerrissenheit transportiert, die Neigung zu Widersprüchen und Abgründen erahnen lässt, für glatte Oberflächlichkeiten ungeeignet ist". Die Ehrung des "Schauspielers des Jahres 2013" wird einer der Höhepunkte der "Ö1 Hörspiel-Gala" am 28. Februar im RadioKulturhaus sein, die Laudatio hält Burgschauspieler Roland Koch.

Am Anfang stand ein Missverständnis. Als der junge Schauspieler Markus Hering ein Bewerbungsschreiben samt Foto an den Hessischen Rundfunk in Frankfurt schickte, hoffte er, einen Fuß ins Fernsehgeschäft zu kriegen. Allerdings landete seine Bewerbung irrtümlich beim Radio. Und da die für Besetzungen zuständige Dame sich offenbar in das ein wenig spitzbübisch wirkende Konterfei des damals weitgehend unbekannten Jungmimen vernarrt hatte, engagierte sie ihn einfach. Für eine Rolle im Radio. Jahrzehnte später kann sich Markus Hering über einen Mangel an Film- und Fernsehauftritten freilich nicht beklagen. 52 Rollen weist seine Filmografie mittlerweile auf. Vom "Tatort" bis zum "Kommissar Rex", von Kinofilmen wie "Whisky mit Wodka" bis hin zum im Jänner 2014 in Österreich angelaufenen Streifen "Finsterworld" nach einem Buch von Christian Kracht. Wobei Film und Fernsehen nicht unbedingt im Zentrum des schauspielerischen Lebens von Markus Hering stehen. Fast 20 Jahre lang wirkte er als Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters, seit 2011 gehört der heute 53-Jährige dem von Martin Kusej geführten Residenztheater in München an.

Bereits in der Schule hatte der Sohn eines westfälischen Bauunternehmers Theater gespielt. Das sei, sagt er, ein notwendiger "Überlebenskampf gegen die Lehrer" gewesen. Während seiner Tischlerlehre nach der Matura gehörte Hering einer Laiengruppe an, später hatte er für ein Amateurtheater Bühnenbilder gebaut und auch gespielt. Aber erst nach seiner Zeit als Tischler und als Waldarbeiter entschloss sich Markus Hering, eine Schauspielschule zu besuchen. Nach "ein paar Anläufen" studierte er an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, nach ersten Engagements in Frankfurt und in Kassel holte ihn Hans Gratzer 1991 ans Schauspielhaus nach Wien. Es sollte nicht lange dauern, bis der junge Schauspieler dort landete, wo er hinwollte: In seinen knapp zwei Jahrzehnten an der Burg war Markus Hering in fast 40 Rollen zu sehen. Darunter in einer Reihe von Uraufführungen von Gert Jonke bis Elfriede Jelinek. Zum "jugendlichen Liebhaber" oder zum glanzvollen "Helden" habe er sich nie geeignet, sagt Markus Hering. Vielmehr haben ihn "gebrochene Charaktere" interessiert, "Unglücksraben", Figuren, die "verkehrt in der Welt" stehen. Gleich zweimal wurde Markus Hering für seine Schauspielkunst mit dem angesehensten österreichischen Theaterpreis ausgezeichnet. 2003 erhielt er einen "Nestroy" für seine Rolle als Dirigent in Gert Jonkes "Chorphantasie", 2008 wurde er abermals -diesmal für verschiedene Rollen - zum besten Schauspieler des Jahres gewählt. Seit 2011 spielt Hering am Münchner Residenztheater.

Markus Hering eignet sich nur in Maßen zum Star. Er zieht die Notbremse, wenn die Routine das Interesse zu ersticken droht, er will sich nicht endlos wiederholen. Neues zieht er Altbekanntem vor. Er ist nicht nur auf der Bühne und am Filmset zu Hause, sondern auch im Rundfunkstudio. Für die ORF-Radios las er Radiogeschichten, Texte und Gedichte, wurde für Features und Dokumentationen engagiert und ist kontinuierlich seit mehr als 15 Jahren ständiger Gast im Hörspielstudio. Er spielte zuletzt in Thomas Arzts Hörspieldebut "Käfergräber" ein verkrüppeltes Wesen, das sich nach und nach mit der Natur vereint, er sprach und spielte in Stücken von Peter Rosei und Lida Winiewicz, von Ernst Molden und Johanna Tschautscher und er verkörperte mit atemberaubendem Einsatz das paranoide und sich gegen die Außenwelt verbarrikadierende Tier in Franz Kafkas Erzählung "Der Bau". Markus Hering ist auch im Hörspielstudio der Mann für besondere Aufgaben. Ein Schauspieler, der nicht für jede Rolle infrage kommt. Dazu ist er einfach nicht durchschnittlich genug.

Am 28. Februar wird Hering als "Schauspieler des Jahres 2013" im RadioKulturhaus geehrt und folgt damit bisher Ausgezeichneten wie Rudolf Wessely, Michou Friesz, Martin Schwab, Bibiana Zeller, Peter Simonischek, Peter Matic, Andrea Clausen, Erwin Steinhauer, Chris Pichler, Elisabeth Orth, Cornelius Obonya, Gerti Drassl oder Joachim Bißmeier. Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar unter http://oe1.orf.at. (ih)

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