- 27.01.2014, 10:30:04
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Willkommene Abkühlung Chinas - von Andre Kühnlenz
Etwas weniger Wachstum ist ein Segen für China und die Weltwirtschaft
Utl.: Etwas weniger Wachstum ist ein Segen für China und die
Weltwirtschaft =
Wien (OTS) - An den Aktienmärkten geht die Furcht vor einer
Konjunkturabkühlung in China um. Der jüngste Stimmungseinbruch in den
Chefetagen der Industriefirmen hinterließ nervöse Investoren
weltweit. Der Kursrutsch Ende voriger Woche zeigt wieder einmal, wie
sehr Entwicklungen in der zweitgrößten Volkswirtschaft die Anleger
beeindrucken. Offenbar fürchten sie, dass schwächeres Wachstum in
China auch nach Europa und die USA schwappt.
An dieser Einschätzung mag einiges stimmen. Doch am Ende dürfte sich
die Abkühlung auch für die Weltwirtschaft als Segen erweisen. Die
Führung des Landes versucht derzeit alles, das Kreditgeschäft
einzudämmen - deswegen lässt das Wachstum nach. Mit einer
Gesamtverschuldung von 215 Prozent der Wirtschaftsleistung blinken in
China schon lange die Alarmleuchten im Dauerbetrieb. Und wie tief
überhitzte Volkswirtschaften abstürzen können, das wissen sie in
Peking nur allzu gut.
Zum Ärgsten wird es China aber nicht kommen lassen. Denn die seit
rund einem Jahr amtierende Partei- und Staatsführung verfolgt einen
Plan: Sie will weniger Wachstum durch Export und Investitionen
entstehen lassen. Dafür sollen Privathaushalte mehr für den Konsum
ausgeben und somit zu einer wichtigen Stütze der Volkswirtschaft
aufsteigen. Daher ist China auf wachsende Pro-Kopf-Einkommen
angewiesen.
Sicherlich werden Regierung und Notenbank eingreifen, sollte die
Konjunktur zu stark abkühlen. 2013 begann die Staatsführung
allerdings erst Mitte des Jahres, ihre Infrastrukturausgaben
hochzufahren und damit die Wirtschaft vorübergehend anzukurbeln. Was
aktuell aber viele Anleger verunsichert: Noch hat die Regierung kein
offizielles Wachstumsziel für das Gesamtjahr 2014 ausgegeben. Medien
und Analysten spekulieren mit einem Plus von rund 7,5 Prozent. Dies
war auch die Vorgabe im vorigen Jahr, als es dann schlussendlich 7,7
Prozent wurden.
Dabei kann China durchaus erste Erfolge vorweisen: So trugen die
Dienstleistungsfirmen 2013 erstmals in einem Kalenderjahr mehr zur
Wertschöpfung bei als Unternehmen aus der Industrie und im Bau. Ende
2013 ließ die Ausgabe neuer Darlehen bereits spürbar nach. Dämpfend
auf das Kreditgeschäft wirkt zudem, wenn die ungeheuren
Kapitalzuflüsse aus dem Ausland jetzt mit einer "Tobin"-Steuer auf
Devisengeschäfte abgebremst werden. Anleger sollten auch auf diese
erfreulichen Nachrichten schauen.
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