Frank Stronach in Ö3 über sein Polit-Abenteuer: "Manchmal denke ich schon, ich hätte das Geld für soziale Zwecke spenden sollen."

Wien (OTS) - Zwei Tage vor seiner für Dienstag anberaumten Pressekonferenz erläuterte Frank Stronach exklusiv im Ö3-"Frühstück bei mir", warum er jetzt mit sofortiger Wirkung sein Nationalratsmandat an Rouven Ertlschweiger, den burgenländischen Landeshauptmann seiner Partei, übergibt: "Ich werde heuer 82, ich habe sehr viel gearbeitet. Ich will noch ein bisschen leben. Ich habe zwei Enkelkinder, die 20 und 22 Jahre alt sind, und jetzt in Kanada in die Firma eingestiegen sind, und ich möchte ihnen viel zeigen. Ich suche mir wieder die Dinge, die meiner Seele wohltun." Den Vorwurf, sein Wahlversprechen mit diesem kurzen Parlaments-Ausflug nicht eingelöst zu haben, lässt der 81jährige Austro-Milliardär nicht gelten: "Ich habe immer gesagt ich brauche keinen Job."

Als Parteiobmann wird er nächste Woche noch nicht, aber wie er im Gespräch mit Claudia Stöckl auf Ö3 sagt, "früher oder später" zurücktreten. Bei der Frage, ob das "Team Stronach" für die EU-Wahl kandidieren soll, will er "sich nicht mehr einmischen." Derzeit steht er seiner Partei noch "mit Rat zur Seite", für die desaströsen Umfragewerte des "Team Stronach" bei derzeit nur einem Prozent macht er die "Schmierkampagnen der Medien" verantwortlich, wenngleich er angesichts der Partei-Streitigkeiten in den Bundesländern auch Fehler zugibt. Stronach auf Ö3: "Wir haben einen Fehler gemacht, auch in die Länder gegangen zu sein. Das war zu viel auf einmal." Und auch hier verkündet er einen Rückzug: "Wir wollen uns zurückziehen, damit die Bundespartei stark wird."

Überraschend war Frank Stronachs Einlenken in Richtung Erwin Pröll - den niederösterreichischen Landeshauptmann hat er im Landstagswahlkampf heftig attackiert, als "Schmähtandler und Schuldenkaiser" bezeichnet. Via Ö3 entschuldigte sich der 81jährige erstmals bei Erwin Pröll: "Es würde mir leid tun, wenn ich persönlich geworden wäre. Ich habe nur das System angekreidet. Er selber ist ein anständiger Mensch. Ich glaube, von Zeit zu Zeit muss man sich immer selbst kritisch ansehen und sagen, das hätte ich vielleicht ein bisschen anders machen sollen."

Seine umstrittene Wahlkampf-Ansage über Todesstrafe für Berufskiller bereut Frank Stronach nicht, im Ö3-Interview setzt er nach und beklagt er die Gesetzeslage, auch was den Schwangerschaftsabbruch betrifft: "Ich bin gegen Abtreibung, man darf ein Leben nicht zerstören", sagt Frank Stronach und meint damit "Berufskiller" wie Abtreibung gleichermaßen: "Wir müssen verstehen, wie können wir die Unschuldigen am besten schützen. Aber jetzt kommt mir manchmal vor, wir schützen die Schuldigen mehr wie die Unschuldigen. Ich sage, wir müssen die Gesetze verschärfen, sei es die Abtreibung oder sei es die Todesstrafe für verschiedene Verbrechen."

Auch wenn Stronach nur an zwei Nationalratssitzungen teilgenommen hat verwehrte er sich in Ö3-"Frühstück bei mir" gegen die landläufige Meinung, Politik wäre nur "ein Spielzeug" für ihn gewesen. Dazu der Noch-Parteiobmann ganz dezidiert: "Für mich war das sehr ernst. Und wenn man 30 Millionen Euro in die Politik steckt, ist das kein Spielzeug." Obwohl er in ruhigen Momenten schon an der Sinnhaftigkeit seines politischen Abenteuers zweifelt: "Natürlich stelle ich mir manchmal die Frage, ob ich dieses Geld nicht für soziale Zwecke hätte verwenden sollen."

Den Imageschaden durch sein Polit-Abenteuer sieht der Erfolgsunternehmer sehr wohl. Stronach zu Claudia Stöckl: "Bevor ich in die Politik gegangen bin hat sich jeder um meine Gunst beworben. Ich habe das goldene Ehrenzeichen und alles mögliche. Und jetzt auf einmal werde ich plötzlich überall schlecht gemacht. Aber ich bereue nichts. Ich hoffe, ich habe die Tür ein bisschen aufgemacht und ich hoffe, dass sich diese Ideen weiter verpflanzen werden."

Sein Vermächtnis sucht der rüstige Noch-Politiker jedenfalls nicht in seiner Partei: "Sie können den Parteiennamen gerne ändern, wenn ich nicht mehr dabei sein werde. Ob 'Stronach' Teil davon bleibt hängt von den Leuten ab, die die Partei dann führen werden. Der Name hat ja nichts zu sagen. Wichtig sind die Prinzipien."

Das ganze Interview mit Frank Stronach ist online nachzuhören unter http://oe3.orf.at.(hb)

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