Ärzteschaft lehnt einheitliche Normen für medizinische Behandlungen und ärztliches Berufsrecht ab (2)

Patienten nicht nach Schema F behandeln - Qualität wahren

Wien (OTS) - Für die Erbringung ärztlicher Leistungen könne man jedoch de facto keine Normen schaffen. Der ärztliche Beruf zeichne sich gerade dadurch aus, dass auf das Individuum Rücksicht genommen und nicht jeder Patient nach Schema F behandelt werde. Normen würden außerdem das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient demontieren und die ärztliche Selbstverwaltung unterminieren. Montgomery: "Es ginge auf Kosten der Behandlungsqualität, würden die Patienten mit einer bestimmten Krankheit nicht mehr individuell, sondern nach einem rigiden Schema behandelt."

Qualitätsstandards und der state of the art sowie ärztlich-wissenschaftliche Leitlinien seien selbstverständlich bei der Behandlung einzuhalten, dürften jedoch nicht mit Ö-Normen verwechselt werden, ergänzte Thomas Holzgruber, Juristischer Konsulent der ÖÄK für Ausbildungsangelegenheiten und Kammeramtsdirektor der Ärztekammer Wien. Während Normen seitens des Gesetzgebers als verbindlich festgelegt werden könnten, sei das bei Leitlinien nicht möglich. Und: Leitlinien würden im Unterschied zu Normen von fachkompetenten Personen festgelegt.

"Die Regeln zur Ausübung des Berufes - und dazu gehören Leitlinien auf Basis des aktuellen Wissensstandes - müssen strikt von Normen getrennt werden. Das sind zwei Paar Schuhe", so Holzgruber. Im Unterschied zu vielen Industriesparten gebe es in der Medizin eine hohe Regelungsdichte und zahlreiche standesrechtliche Vorschriften der Kammer, die Ärzte einzuhalten hätten. Für zusätzliche Regulierungen in diesem Bereich sowie in der Aus- und Fortbildung der Ärzteschaft sei das Instrument der Normung absolut untauglich und insofern auch ein Eingriff in die Kompetenzen der Ärztekammern. Das sei ein Versuch, die ärztliche Selbstverwaltung zu unterlaufen, sagte Holzgruber abschließend. (slv) (Schluss)

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