ÖÄK - 6. Internationales Symposium: Medizin wird weiblich

Von frauenfreundlichen Arbeitsbedingungen profitieren Ärztinnen und Ärzte

Wien (OTS) - (Fortsetzung) Die Medizin wird weiblich. Herausforderungen und Chancen dieser Entwicklung waren eines der Themen des 6. Internationalen Symposiums der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Der Frauenanteil an der heimischen Ärzteschaft sei allein zwischen 2001 und 2011 von 38 auf 45 Prozent gestiegen, sagte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger. Mehr als die Hälfte aller Spitalsärzte und ein Drittel aller niedergelassenen Ärzte seien weiblich. Auch in Deutschland zeichne sich dieser Trend ab, erklärte die erste Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KÄV) Thüringen, Annette Rommel.

Ähnlich wie in Österreich seien auch in Deutschland knapp zwei Drittel (64 Prozent) der Medizinstudenten weiblich, erklärte die Vorsitzende der KÄV Thüringen, Annette Rommel. Die Gründe dafür lägen sowohl im gesamtgesellschaftlichen Bereich, wie z.B. der intensiven Förderung studierender Frauen in DDR-Zeiten, als auch im individuellen. So gingen Studentinnen strukturierter an ihre Aufgaben heran und hätten dank besseren Notendurchschnitts Vorteile im Numerus-clausus-System deutscher Universitäten.

"Dazu kommt aber auch, dass sich bei Frauen eine gewisse klischeehafte Vorstellung vom Arztberuf offenbar stärker verfestigt hat als bei Männern", so Rommel. Das Medizinstudium sei für Frauen jedenfalls deutlich attraktiver als viele andere Studiengänge, wobei die Fächerpräferenzen sich mit jenen in Österreich weitgehend deckten. Es zeichne sich daher ebenfalls ein Mangel an weiblichem Nachwuchs in den chirurgischen Fächern ab. Das liege in Deutschland allerdings auch an der geringen Zahl an Studienplätzen.

Frauen machen andere Medizin als Männer

"Frauen machen andere Medizin als Männer", so laute die Feststellung des Deutschen Ärztinnenbundes, mit der Rommel aufhorchen ließ. Demnach komme auch im Arbeitsfeld Medizin die bei Frauen generell stärker ausgeprägte Fähigkeit, in Teams zu arbeiten und Netzwerke zu bilden, zum Tragen. Zudem belegten Untersuchungen, dass sich weibliche Ärzte mehr Zeit für Gespräche nehmen, den psychosozialen Kontext ihrer Patienten stärker in die medizinische Betreuung einfließen lassen und eher präventivmedizinische Maßnahmen setzen.

Eine Studie der Universitätsklinik Bad Homburg an der Saar habe zudem ergeben, dass die teilnehmenden Ärztinnen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in der medikamentösen Behandlung von Patienten mit chronischer Herzschwäche machten, während ihre männlichen Kollegen die Medikamente bei weiblichen Patienten meist zu gering dosierten.

Mit dem Schlagwort "die Medizin ist weiblich, der Ärztemangel männlich" beschrieb die erste Vorsitzende der Thüringer KÄV eine Vielfalt an Problemen, die auch Österreich betreffen: mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie in allen ärztlichen Tätigkeitsfeldern, gläserne Decken in akademischen Hierarchien und letzlich auch ein Mangel an weiblichen Standesvertretern. Auch die Lösungsansätze beziehungsweise bzw. politischen Forderungen deckten sich vielfach mit jenen der österreichischen Standesvertretung. (ar) ---- (Schluss)

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