1914/2014 - Neuerscheinung: Staatsarchiv präsentiert bislang unveröffentlichte Weltkriegsbilder

"Untergang einer Welt. Der Große Krieg 1914-1918 in Fotografien und Texten"

Wien (OTS) - "Für den vorliegenden Band wurden mehrere hunderttausend Bilder aus der Weltkriegsfotosammlung des Kriegsarchivs im Österreichischen Staatsarchiv gesichtet und etwa 300 der herausragendsten Fotografien ausgewählt. Von vorrangigem Interesse waren dabei vor allem die in den Kriegsjahren von der internen Zensur nicht zur Veröffentlichung vorgesehenen Aufnahmen. Das absolute Highlight mit einer Unzahl von bislang unveröffentlichten Bildraritäten sind aber die Fotobestände aus mehr als 2.000 Personennachlässen", so Generaldirektor Doz. Dr. Wolfgang Maderthaner, der diese Publikation zusammen mit dem Archivar Dr. Michael Hochedlinger vom Österreichischen Staatsarchiv herausgegeben hat. Die Präsentation fand gestern Abend, Mittwoch, im Wiener Rathaus statt.

Die historisch einzigartigen Aufnahmen werden um zeitgenössische Texte aus der Welt- und Memoirenliteratur ergänzt. "Die Kombination mit der bildlichen Darstellung des Kriegsgeschehens ermöglicht eine dichte Beschreibung des ersten modernen Massenkrieges. Die Abbildungen treten in einen spannenden Dialog mit Texten der Weltliteratur des 20. Jahrhunderts", so Maderthaner.

Von zentraler Bedeutung für die Kriegsberichterstattung der Monarchie war das Kriegspressequartier (KPQ), die zentrale militärische Propagandaeinrichtung Österreich-Ungarns während des Ersten Weltkrieges. Gleich am Beginn des Krieges versammelte die k.u.k. Armee zum Zweck der konzertierten Kriegsmassenpropaganda Literaten, bildende Künstler, Filmemacher, Fotografen und Journalisten im direkt dem Armeeoberkommando unterstellten KPQ. Galt es zunächst noch, die Kriegsberichterstattung zu kontrollieren, so wurde durch deren Einbindung in militärische Strukturen und eine gelenkte Nachrichtenversorgung der Presse Einfluss auf die öffentliche Meinung ausgeübt sowie ein Kontrollinstrument zu deren Lenkung geschaffen. Das KPQ bediente sich dabei bewusst des gezielten Einsatzes der zur Verfügung stehenden Medienvielfalt. Es schuf, formte, verwaltete und lenkte einen systemischen Medienverbund und ermöglichte so eine informationsbezogene Kriegsführung.

Besonderes Gewicht wurde seitens des KPQ neben dem Film auf das für die Zwecke der Massenpropaganda wohl geeignetste Medium gelegt, auf die Fotografie. Neben den Kinoexposituren wurden Fotografen an die Front entsandt, um die "Heimatfront" wie auch das neutrale Ausland mit "Aktualitäten" zu versorgen. Mit Hilfe der bildlichen Darstellung von (gestellten) Kampfhandlungen und des soldatischen Alltages sollten die Schrecken und Gräuel des Krieges ästhetisiert werden. "Die Veröffentlichung von vielen der so entstandenen Bilder wurde aufgrund ihrer Realitätsnähe und des befürchteten negativen Einflusses auf die Öffentlichkeit von der Zensur untersagt", so Maderthaner.

Die von den Nationalitätenkämpfen zunehmend zerrissene Doppelmonarchie hatte sich vom Krieg die Lösung ihrer permanenten inneren Krise erhofft. Als der Krieg ausbrach, setzte er ungeheure emotionale Energien frei und wurde von den geistigen Eliten aller Seiten mit geradezu metaphysisch aufgeladenen Erwartungen und Sehnsüchten überfrachtet. Kaum jemand - auch und gerade nicht die Intellektuellen und Künstler - konnte sich zunächst der allgemeinen Begeisterung entziehen, wenngleich der patriotische Taumel sehr bald schon von der Realität eingeholt wurde. "Sinnkrise, Kultur- und Geschichtspessimismus korrespondierten anfangs mit einer eigentümlich gesteigerten Kriegssehnsucht, der Hoffnung auf eine soziale, kulturelle und nationale Erneuerung im Krieg. Am Ende aber stand die Auflösung jener enormen Suggestivkraft, vermittels derer der militärische Mechanismus Offiziere und Mannschaften in seiner Gewalt zu halten imstande war", so Maderthaner abschließend.

Wolfgang Maderthaner/Michael Hochedlinger (Hg.): Untergang einer Welt. Der Große Krieg 1914-1918 in Fotografien und Texten. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2013

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