WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Auch Betongold ist nur Gold - von Andre Exner

Heute ist auch schon der letzte Cent in Wohnimmobilien gebunkert

Wien (OTS) - Wer seine Aktienbestände nach der Krise aufgelöst und die dezimierten Summen in physisches Gold investiert hatte, ist heute kein glücklicher Mensch. Seit sich herumgesprochen hat, dass die Eurozone doch nicht auseinanderfällt und auch die USA keine Staatspleite hinlegen, glänzt das Edelmetall nicht mehr so hell. 2012 begann der Abstieg, inzwischen kostet Gold keine 1900 $ je Feinunze mehr wie zum Höhepunkt der Krise, sondern 1255 $ - und damit in etwa so viel wie vor vier Jahren.

Krisenwährungen sind nur in Krisenzeiten gefragt - ist wieder "Business as usual" angesagt, kann man das Geld wieder aus der Matratze holen und auf die Bank tragen oder in Aktien und Anleihen investieren. Dass es langsam so weit ist, zeigen auch Statistiken zum Immobilienmarkt, gilt doch die Immobilie als Krisenwährung Nummer zwei, vulgo "Betongold": Die Umschichtung des Kapitals Richtung Immobilie dürfte ab 2012 weitgehend abgeschlossen worden sein. Heute ist auch schon der letzte Cent in Wohnimmobilien gebunkert, das Transaktionsvolumen war 2013 bereits rückläufig. Noch stagnieren die Preise, doch ein langsamer Rückgang in den Bereichen, wo die Nachfrage als Erstes wegbrechen dürfte - etwa im Luxusbereich in der Wiener Innenstadt -, dürfte bereits bevorstehen.

Auch der breitere Markt wird sich diesem Trend nicht verschließen können. Die teuer gekaufte, noch teurer sanierte und zum - vielleicht schon bald reduzierten - Richtwert vermietete Altbauwohnung in Wien könnte sich in wenigen Jahren als schlechteres Investment als jede heimische Immobilienaktie erweisen.

Von einer Immobilienblase, die platzen wird, kann in Österreich trotzdem keine Rede sein: Im Gegensatz zu den USA, Irland oder Spanien wurde das Kapital der Privatinvestoren nicht mit billigen Krediten gehebelt, sondern wanderte meistens eins zu eins vom Sparbuch ins Grundbuch. Laut Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ist nur ein Drittel der privaten Immobilien mittels Kredit finanziert. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die Schnäppchenjäger, die noch nicht in Immobilien investiert haben, weil sie auf Preisrückgänge im zweistelligen Prozentbereich hoffen, chancenlos sind. Wer noch Wohnimmobilien kaufen möchte, kann das also auch sofort tun - aber nur, wenn neben der Lage auch die Qualität und der Preis stimmen.

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