80 Jahre "Februar 1934" - ein ORF-Schwerpunkt von 24.1. bis 20.2.

Wien (OTS) - Dem Thema 80 Jahre "Februar 1934" widmet der ORF einen Schwerpunkt. Österreich 1 erinnert in sechs Sendungen von 24.1. bis 20.2. an die Februarkämpfe von 1934: "Im Gespräch" (24.1. & 20.2.), "Kunstradio - Radiokunst" (9.2.), "Radiokolleg" (10. bis 13.2.), "Betrifft: Geschichte" (10. bis 15.2.) und "Tonspuren" (10.2.). ORF 2 bringt am 12.2. die "Menschen & Mächte"-Dokumentationen "Der blutige Februar" und "Wir kämpften für Spanien", 3sat am 10.2. die Dokumentation "Engelbert Dollfuß: Arbeitermörder oder verklärter Märtyrer?"

Im Februar des Jahres 1934 schossen Österreicher auf Österreicher:
Schutzbund und Heimwehr lieferten sich erbitterte Kämpfe in einigen Städten Österreichs, vor allem aber in Wien. Der Ausgang der Kämpfe war der Beginn des Austrofaschismus, der 1938 durch den Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland endete. 1934 endete auch der Austromarxismus, von 1918 bis 1934 die vorherrschende Denkschule der österreichischen Sozialdemokratie unter Otto Bauer. Einer der besten Kenner des Austromarxismus und auch sein heftigster Kritiker ist der Sozialphilosoph Norbert Leser. Der 1933 im Burgenland geborene emeritierte Professor für Gesellschaftsphilosophie und neuere österreichische Geistesgeschichte reflektiert "Im Gespräch" mit Renata Schmidtkunz die Februarkämpfe von 1934 und fragt, warum die Annäherung zwischen Sozialdemokratie und christlichem Glauben in Österreich immer so schwierig war und ist. Zu hören ist die Sendung am Freitag, den 24. Jänner um 16.00 Uhr in Ö1.

Im "Kunstradio" am Sonntag, den 9. Februar (23.03 Uhr) präsentiert der deutsche Künstler Gerald Fiebig eine radiophone Komposition zum Jahrestag des Beginns des Bürgerkriegs in Österreich: "Wien 12.02.1934". "Als akustische Grundlage für die Komposition wurden aufgrund des metonymischen Bezugs zum Ort der historischen Ereignisse Fieldrecordings aus dem Karl-Marx-Hof gewählt, die ich im Februar 2013 während eines Wien-Aufenthalts als TONSPUR-Artist-in-Residence des quartier21/MuseumsQuartier aufgenommen habe. Sämtliches Klangmaterial der Komposition wurde durch digitale Bearbeitung dieser Aufnahmen gewonnen", sagt der in Augsburg lebende Künstler, der auch familiäre Bindungen zum Karl-Marx-Hof hat.

"Der Bürgerkrieg und seine Folgen" ist Thema des "Radiokollegs" von Montag, den 10. bis Donnerstag, den 13. Februar jeweils um 9.05 Uhr in Ö1. Mit der Ausschaltung des Parlaments durch die Regierung Dollfuß im März 1933 wurde die Demokratie in Österreich zerschlagen. Die erste Republik war Geschichte geworden. Das totalitäre Regime unter christlichsozialer Führung verbot die politische Opposition. Sozialdemokrat/innen, Kommunist/innen und Nationalsozialist/innen wurden in den Untergrund gedrängt. Die militante "Vaterländische Front" wurde als paramilitärische Organisation von der Regierung eingesetzt, um die Opposition zu unterdrücken. Hausdurchsuchungen und Berufsverbote sollten die Bevölkerung einschüchtern. Ein autoritärer sogenannter "Ständestaat" nach dem faschistischen Vorbild Italiens wurde errichtet. Doch die Machtübernahme löste Widerstand aus. Als am 12. Februar 1934 die Linzer Parteizentrale der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei nach Waffen durchsucht werden sollte, setzten sich die Angehörigen des Schutzbundes zur Wehr. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht. In den Städten und Industriezonen rebellierten die Bürger/innen mit Waffengewalt gegen das totalitäre Regime. Dagegen setzte die Regierung das Militär ein. Mit Kanonen wurde der Widerstand niedergerungen. Die Bilanz war erschütternd. 1.600 Menschen hatten in den Kämpfen ihr Leben verloren. Die sogenannten Rädelsführer wurden in Internierungslager gesperrt, sechs Menschen standrechtlich erschossen. Die Diktatur war vorübergehend abgesichert. Doch was waren die Folgen dieses dunklen Kapitels in der österreichischen Geschichte? Haben die Erfahrungen des Bürgerkriegs die Politik nach 1945 beeinflusst? Wie reflektieren die politischen Parteien ihre Geschichte heute?

In den "Tonspuren" steht ein Feature über den Publizisten Kurt Neumann und den Februar 1934 auf dem Programm: "Zwischen Kreuz und Galgen", am Montag, den 10. Februar um 21.00 Uhr in Ö1. "Aufruf zum Generalstreik! Alles heraus zum Kampf gegen den Faschismus", schreibt Kurt Neumann am 12. Februar 1934 im sozialdemokratischen Grazer "Arbeiterwillen". Neumann ist leitender Redakteur des Blattes, wegen "Anstiftung zum Aufruhr" droht ihm das Todesurteil vor dem Standgericht. Doch dem 1902 im obersteirischen Judenburg geborenen Sohn eines Beamten, der sich der Arbeiterbewegung angeschlossen hatte, gelingt die Flucht nach Paris und später in die USA. In der Emigration beginnt Neumann seinen autobiografischen Roman "Gefangen zwischen zwei Kriegen", in dem er sein abenteuerliches Leben und die Ausschaltung der Sozialdemokratie in den 30er Jahren beschreibt. 2012, mehr als 70 Jahre später, erscheint der Roman erstmals in einem Grazer Verlag. Die Veröffentlichung verdankt sich einem Zufall: Als Neumanns Tochter vor ein paar Jahren die Garage ihres 1984 verstorbenen Vaters ausräumte, stieß sie auf dessen verschollen geglaubten Text.

"Vor 80 Jahren" - so der Titel von "Betrifft: Geschichte" von Montag, den 10. bis Freitag, den 15. Februar jeweils um 17.55 Uhr in Ö1. Emmerich Tálos, emeritierter Univ. Prof. für Politik- und Staatswissenschaften an der Universität Wien, setzt sich mit dem blutiger Februar, der das vorzeitige Ende der 1. Republik einläutete, auseinander.

Der Politologe, Historiker und Theologe Emmerich Tálos ist auch am Donnerstag, den 20. Februar um 21.00 Uhr bei Renata Schmidtkunz zu Gast "Im Gespräch". Nichts sei zu spüren gewesen, in jenen drei Tagen des Februar 1934, als Österreicher auf Österreicher schossen, schrieb Stefan Zweig in seinem Lebensresumee "Die Welt von gestern". Zweig hatte Recht: die Kämpfe zwischen dem Sozialistischen Schutzbund und der Heimwehr des Ständestaates fanden in den Arbeiter-Vororten Wiens und in den Bundesländern statt. Was folgte war der austrofaschistische Ständestaat. Seit Jahren forscht der Politologe und Historiker Emmerich Tálos über den Austrofaschismus und seine Folgen für das politische Leben in Österreich. Das Programm von Ö1 ist im Detail abrufbar unter oe1.ORF.at.

"Februar 1934" - Programmschwerpunkt in ORF 2 und 3sat

Andreas Novak beleuchtet in der "Menschen & Mächte"-Dokumentation "Der blutige Februar" am Mittwoch, den 12. Februar um 22.30 Uhr in ORF 2 neben den Ursachen auch die Auswirkungen des Bürgerkriegs, die weit in die Zweite Republik hineinreichten. Er zeichnet die politische Zangenbewegung gegen die Sozialdemokratie nach, die sich mit der Ausschaltung von Parlamentarismus und demokratischen Staatstrukturen synchronisiert und den Weg in die Diktatur des autoritären, christlichen Ständestaates ebnen sollte.

Anschließend steht um 23.20 Uhr Tom Matzeks Dokumentation "Wir kämpften für Spanien - Von Ottakring zum Ebro" auf dem Programm von ORF 2: Knapp 1.500 Österreicher gingen in den Jahren 1936 bis 1939 nach Spanien, um dort die Republik gegen den Putsch des Faschisten-Generals Francisco Franco zu verteidigen. Die Österreicher, vorwiegend Arbeiter, die mit dem Bürgerkrieg im Februar 1934 und dem darauffolgenden Verbot der Sozialdemokratischen Partei ihre politische Heimat verloren hatten, waren Teil der Internationalen Brigaden, einer Freiwilligentruppe. 35.000 Antifaschisten aus mehr als 50 Nationen kämpften damals an der Seite der jungen spanischen Republik gegen Franco und seine Verbündeten Hitler und Mussolini. Idealismus, Abenteurertum, Parteigehorsam - die Motive für die Interbrigadisten waren vielfältig, was die Österreicher gegenüber anderen Interbrigadisten besonders motivierte, sie hatten bereits eine Auseinandersetzung mit Faschismus und Totalitarismus hinter sich - und eine Niederlage. Spanien wurde für sie zur zweiten Hoffnung, auch zur zweiten Heimat.

In der Dokumentation "Engelbert Dollfuß: Arbeitermörder oder verklärter Märtyrer?" versucht Ernst Trost am Montag, den 10. Februar um 21.05 Uhr in 3sat mit Archivmaterialien, durch Interviews mit Zeitzeugen und Historikern den Politiker Engelbert Dollfuß abseits der Klischees zu zeichnen. Engelbert Dollfuß, von Nationalsozialisten ermordeter Bundeskanzler des österreichischen Ständestaates und Symbolfigur des Austrofaschismus, spaltet nach wie vor Österreich. Für die Sozialdemokraten ist er der Mann, der den Schutzbund-Aufstand mit harter Hand niedergeschlagen hat und deshalb höchstens als "Arbeitermörder" in die Geschichtsbücher Eingang finden darf. Für manche Konservative ist er eines der ersten österreichischen Opfer der Nationalsozialisten, der an die Lebensfähigkeit und Unabhängigkeit einer österreichischen Nation geglaubt hatte und die Verteidigung Österreichs zu seinem Programm gemacht hatte.

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