IG Pflanzenschutz warnt: Pflanzenschutz durch neue EU-Regulierung vor dem Aus

Zulassungssystem steht vor dem Kollaps: neun von zehn Pflanzenschutzmittel könnten vom Markt verschwinden

Wien (OTS/IGP) - Der österreichischen Landwirtschaft droht in den nächsten fünf Jahren ein massiver Verlust bewährter moderner Pflanzenschutzmittel. In wichtigen Ackerkulturen wie Weizen wären Pflanzenkrankheiten nur noch eingeschränkt oder in extremen Fällen gar nicht mehr zu bekämpfen. Dies ist die Folge der Umsetzung des 2009 von der Europäischen Union beschlossenen sogenannten Pflanzenschutzpaketes, mit dem die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln komplett neu geregelt wurden, warnen Christian Stockmar und Martin Schöpfer, Vorstände der Industriegruppe Pflanzenschutz.

"Nach vier Jahren Pflanzenschutzpaket müssen wir erkennen: die Bürokratie ist gestiegen, europaweit sind die Behörden zunehmend überlastet und Innovationen werden behindert statt gefördert. Noch düsterer ist der Blick nach vorne: wenn die EU bei der Ausgestaltung des neuen Rechts ohne Rücksicht auf die landwirtschaftliche Praxis vorgeht, droht bis Ende des Jahrzehnts ein massiver Verlust an wirksamen Lösungen im Pflanzenschutz. Um diese Verluste durch neue Produkte auszugleichen, sind die regulatorischen Hürden zu hoch und die Zeit zu knapp", so die Industrievertreter.

Ein Expertenteam des deutschen Industrieverbandes Agrar e.V. hat versucht, die Folgen der möglichen Wirkstoffverluste abzuschätzen. Die Ergebnisse sind mehr als ernüchternd: Es droht, dass von den zehn heute meistverkauften Getreidefungiziden neun aus dem Markt verschwinden würden; gerade einmal ein Viertel der heute eingesetzten Produkte wäre Ende des Jahrzehnts noch übrig. Auch bei Mitteln gegen Krautfäule in Kartoffel würde die Zahl der verfügbaren Pflanzenschutzmittel halbiert. Bei den Kartoffelherbiziden wäre in etwa fünf Jahren ebenfalls nur noch die Hälfte der Produkte auf dem Markt, wodurch die Probleme zur Vermeidung von Resistenzen weiter verschärft würden.

"Zahlreiche bewährte Wirkstoffe stehen in den kommenden Jahren zur Wiederzulassung an. Wenn die EU-Kommission bei den Kriterien für die sogenannten endokrinen Disruptoren wissenschaftliche Maßstäbe für die Risikobewertung außer Acht lassen und die Belange der Landwirtschaft keine Berücksichtigung finden würden, steht zu befürchten, dass wichtige Produkte vom Markt gefegt werden könnten. Diese Verluste können nicht ohne weiteres ausgeglichen werden", so Stockmar weiter. In Europa dauert die Entwicklung eines neuen Pflanzenschutzwirkstoffs im Durchschnitt zehn Jahre und erfordert Investitionen von rund 200 Millionen Euro.

Während sich die Ausgaben für Forschung und Entwicklung zwischen 1995 und 2013 weltweit mehr als verdoppelt haben, gehen die Investitionen in neue Pflanzenschutzmittel für den europäischen Markt zurück. So sind in der EU die Forschungsausgaben nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft Phillips McDougall zwischen 2000 und 2010 sogar um 15 Prozent gesunken. Die Autoren der Studie erklären diesen Rückgang vor allem mit den im weltweiten Vergleich besonders hohen regulatorischen Hürden in Europa.

"Die europäische Politik hat zuletzt viel dazu beigetragen, das Klima für Investitionen in neue Pflanzenschutzmittel zu verschlechtern, etwa indem bewährte Insektizide aus kurzfristigen politischen Erwägungen vom Markt genommen wurden.", so Stockmar und Schöpfer abschließend fest: "Wenn weiterhin tagespolitisch und nicht fachlich wissenschaftlich über die moderne landwirtschaftliche Produktion entschieden wird, kann eine gesunde und regionale Erzeugung von Lebensmitteln dauerhaft nicht mehr aufrechterhalten werden."

Hintergrund:
Die 15 Mitglieder der IG Pflanzenschutz sind die wichtigsten Produzenten und Händler von Pflanzenschutzmitteln in Österreich. Sie beschäftigen rd. 370 Mitarbeiter in Österreich. Den Vorsitz der Gruppe hat Dr. Christian Stockmar von Syngenta inne. Stellvertretend stehen ihm DI Martin Schöpfer von Bayer CropScience sowie KR Andreas Stöckl von Kwizda Agro zur Seite. Innerhalb der IG Pflanzenschutz befassen sich Experten mit unterschiedlichen Themenbereichen, so zum Beispiel im Fachausschuss für Ökologie und Technik (FÖT) oder im Ausschuss für Haus- und Gartenprodukte (H&G). Die heimische Pflanzenschutzmittelbranche erwirtschaftet pro Jahr rund 130 Millionen Euro an Umsatz. Auf europäischer Ebene (EU 28 und EFTA) stehen diesen 130 Millionen etwa 7,5 Milliarden Euro an Umsatz (2011) gegenüber. Das Weltmarktvolumen für Pflanzenschutzmittel beträgt rund 36 Milliarden Euro (2012).

Die Mitglieder der IG Pflanzenschutz sind in alphabethischer Reihenfolge:

BASF Österreich GmbH
Bayer Austria GmbH
BelchimCropProtection GmbH Österreich
Cheminova Austria GmbH & Co KG
COMPO Austria GmbH
Dow AgroSciences GmbH
Du Pont de Nemours (Deutschland) GmbH
Feinchemie Schwebda GmbH
Florissa Handels- und Produktions GmbH
Kwizda Agro GmbH
Monsanto Agro Deutschland GmbH
Nufarm Austria GmbH & Co KG
SCOTTS CELAFLOR HGmbH
Syngenta Agro GmbH
W. Neudorff GmbH KG

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06641028583
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