TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Phalanx wider das Kirchturmdenken", von Mario Zenhäusern, Ausgabe vom 19. Jänner 2014

Oberstes Ziel der Touristiker muss die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Gesamtregion sein.

Innsbruck (OTS) - Die Bildung von großen, starken Tourismusverbänden war ein richtiger Schritt. Jetzt muss die gemeinsame Vermarktung folgen.

Was war das für ein Aufschrei, als der damalige Tiroler Landeshauptmann Herwig van Staa sich vor zehn Jahren anschickte, die Tourismusverbände im Land regionsweise zusammenzuschließen. Sein Vorgänger Wendelin Weingartner hatte die Idee geboren, größere und damit schlagkräftigere Einheiten zu bilden. Doch die von ihm in Aussicht gestellten finanziellen Anreize reichten nicht aus, um das Kirchturmdenken der Touristiker auszuschalten. Also fusionierte Van Staa die Verbände per Verordnung - und machte sich damit viele Feinde.
Heute weiß jeder im Land, dass der Schritt nicht nur richtig, sondern notwendig war. Nur zugkräftige und entsprechende finanzstarke Marken sind in der Lage, im internationalen Wettbewerb zu reüssieren. Die Bildung von Großverbänden war also ein Gebot der Stunde - und trotzdem nur der erste Schritt, dem jetzt der zweite folgen muss: der gemeinsame Kampf um Gäste. Der Plan, Touristiker aus Tirol und Südtirol an einer gemeinsamen Strategie basteln zu lassen, zielt in diese Richtung. Wer im Wettbewerb gegen Billigflüge unter dem Motto "Sonne, Strand und Meer" bestehen will, darf sich nicht im Kleinkrieg gegen den Nachbarverband verlieren. Zuerst gilt es, die Kunden von den Vorzügen der Großregion - in unserem Fall also der Alpen - zu überzeugen.
Die Initiative der Landeshauptmänner von Tirol und Südtirol ist lobens- und nachahmenswert. Mit jedem Touristiker aus anderen Teilen des Alpenbogens, der sich dieser Phalanx wider das Kirchturmdenken anschließt, steigt die Wettbewerbsfähigkeit der Gesamtregion. Und das sollte eigentlich das oberste Ziel sein: Denn der Kuchen muss zuerst gebacken werden, ehe er verteilt werden kann.

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