FG UBIT Wien: Steuerpolitik wird zum Schildbürgerstreich 1. Klasse

Rücknahme der GmbH-Reform und Einschränkung des Gewinnfreibetrages betreffen besonders die wissensbasierten Dienstleister

Wien (OTS) - Mit der Rücknahme der erst im Juni 2013 in Kraft getretenen GmbH light-Reform und der Einschränkung des Gewinnfreibetrages werden die Entwicklungspotenziale der wissensbasierten Dienstleister massiv eingeschränkt. Die Fachgruppe UBIT Wien warnt jedenfalls vor diesen kurzsichtig gedachten "Reformen", die einzig darauf abzielen Budgetlöcher einnahmenseitig zu stopfen. Ganz abgesehen von dem Vertrauensverlust in die Rechtssicherheit der Republik, wird hier ein unfreundliches Klima für Unternehmensgründungen geschaffen. Die geplanten "Reformen" gehen in erster Linie zu lasten von EPU, KMU und Jungunternehmen.

"Wer heute Unternehmensgründungen erschwert, vernichtet die Arbeitsplätze von morgen. Wissensbasierte Dienstleister gelten in politischen Sonntagsreden als zukunftsorientierte Träger von Wirtschaftswachstum. In der Realität kümmert sich die Politik aber nicht um die Bedürfnisse dieser Unternehmen, sondern hemmt in der Praxis sogar deren Entwicklung", sagt Robert Bodenstein, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien (Unternehmensberater, IT-Dienstleister und Buchhalter). Heute sind allein die ca. 19.000 UBIT-Mitglieder für rund 15% der Wiener Wirtschaftsleistung verantwortlich. Zwei Drittel davon arbeiten als Ein-Personen-Unternehmen.

Die FG UBIT hat daher ihre Forderungen formuliert:

  • Beibehaltung der GmbH light, allenfalls sogar noch Verbesserungen in Richtung einer "single purpose company".
  • Beibehaltung der Mindest-KÖST mit 500 Euro. Allenfalls eine streng befristete Anhebung bei gleichzeitigem Ausweis der geleisteten KÖST in der Bilanz als (nicht fällige) Forderung der GmbH an das Finanzamt und Deckelung bei maximal 5.000 Euro. Sowie die Möglichkeit, in Unternehmenskrisen unter strengen Bedingungen auf dieses Guthaben zurückzugreifen - z.B. USt-Stundung für eine limitierte Zeit im Ausmaß dieses Vorauszahlungsguthabens.
  • Anreize zur Schaffung von eigenkapitalähnlichen Rücklagen für kleine GmbHs.
  • Keinesfalls Stigmatisierung von GmbHs als "gründungsprivilegiert".

Wirtschaftsstandort Österreich verliert immer mehr an Attraktivität

Durch die erst im Juni 2013 in Kraft getretene Novellierung ("GmbH light") ist es bisher möglich, eine Gesellschaft mit 10.000 Euro Mindeststammkapital zu gründen, die Hälfte davon muss eingezahlt werden. Geht es nach der Regierung, sollen dafür ab 1. März wieder 35.000 Euro notwendig sein. Mit dem von der Regierung ursprünglich angekündigten Vorhaben die "Wirtschaft entfesseln" zu wollen, hat diese Maßnahme aber nichts zu tun. Im Gegenteil: Planungs- und Rechtssicherheit gingen verloren und Hindernisse für die Unternehmensgründung würden wieder errichtet werden. "Das würgt das Wirtschaftswachstum ab und schadet dem Ruf Österreichs als verlässlicher Wirtschaftsstandort", so Bodenstein.

Stigmatisierung von GmbHs als "gründungsprivilegiert"

Wird die "GmbH light"-Reform von der Regierung gekippt, können neue Unternehmen zwar mit einem Gründungsprivileg von 5.000 Euro rechnen, allerdings müssten jedes Jahr 25 Prozent des Gewinnes zurückgestellt werden - so lange, bis die 35.000 Euro erreicht sind. "Gerade die wissensbasierten Dienstleister benötigen oftmals kein betriebsnotwendiges Kapital von 35.000 Euro, müssen aber trotzdem die Möglichkeit haben, in Form einer GmbH wirtschaftlich tätig zu werden, um im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit eine Gefährdung ihrer gesamten bürgerlichen Existenz zu vermeiden", erklärt Bodenstein, der gleichzeitig befürchtet, dass gute Geschäftsideen durch diese "Reformen" in Zukunft unrealisiert bleiben werden.Hinzu kommt der erhöhte bürokratische Aufwand. Die notwendigen Gesellschaftsbeschlüsse zur verpflichtenden Erhöhung des Stammkapitals bewirken nicht nur zusätzliche Kosten, sondern bedeuten auch weitere verwaltungstechnische Belastungen der Unternehmen.

Erhöhung der Mindest-Körperschaftsteuer wird wirkungslos bleiben

Auch die Mindest-Körperschaftsteuer (KöSt) soll erhöht werden: Neu gegründete Firmen zahlen bisher nur 500 Euro, künftig soll dieser Satz wieder bei 1.750 Euro liegen. "Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar", so Bodenstein, der drei mögliche Varianten aufzeigt: "Macht eine GmbH ausreichend Gewinne, kann es dem Staat im Grunde egal sein, wie hoch die Mindest-KÖST ist. Macht eine GmbH keine Gewinne, weil sie sich etwa in wirtschaftlich schwierigen Zeiten befindet, dann wird das (Über-)Leben durch den Staat noch zusätzlich erschwert. Macht eine GmbH wenig Gewinne, weil beispielsweise der Erfolg über Gehälter an die Mitarbeiter ausgeschüttet wird, erhält die öffentliche Hand ohnehin in Summe mehr, als wenn die GmbH höhere Gewinne ausweist." Die FG UBIT schließt sich der WKO-Sichtweise an, wonach die Änderungen abzulehnen sind, da sie für den Wirtschaftsstandort wesentlich schädlicher sind, als die eigentliche Ursache (Erhöhung des MindestKöSt-Aufkommens) bewirken will.

Hohe Verluste vor allem für rund 500.000 Selbstständige

Mit dem Gewinnfreibetrag wurde ursprünglich für Unternehmen ein Ausgleich für die begünstigte Besteuerung des 13. und 14. Gehaltes bei den Dienstnehmern geschaffen. Die von der Regierung beschlossene Einschränkung der Nutzung dieses Betrages trifft rund 500.000 Selbstständige. Denn künftig gibt es nur dann Steuerfreiheit, wenn in Realgüter investiert wird. "EPU und KMU benötigen aber nicht jedes Jahr neue Geräte. Somit müssen vor allen kleine Unternehmer künftig mit starken finanziellen Einbußen rechnen. Gesellschaftspolitisch läuft Österreich so Gefahr, dass die steuerprivilegierten Angestelltengehältern mit den 13. und 14. Gehalt und Einkommen von Selbstständigen wieder weiter auseinanderdriften", sagt Bodenstein.

Über die Fachgruppe UBIT Wien

Die Fachgruppe UBIT Wien ist im Bereich der Wirtschaftskammer die Standesvertretung der Wiener Unternehmensberater, IT-Dienstleister und Buchhalter. Mit rund 19.000 Mitgliedern zählt sie zu den größten Fachgruppen Österreichs. Als Servicestelle und Informationsnetzwerk bietet die Fachgruppe ihren Mitgliedern regelmäßig branchenspezifische Informationsveranstaltungen und Weiterbildungsseminare.

Das rasche Wachstum der Fachgruppe UBIT Wien spiegelt einerseits die zunehmende Bedeutung jeder einzelnen UBIT-Berufsgruppe wider, andererseits ist es auch Ausdruck des Strukturwandels bei den Unternehmen: Rund 70 % der UBIT-Mitglieder arbeiten als Ein-Personenunternehmen und fast die Hälfte der Unternehmen ist in den letzten fünf Jahren gegründet worden.

Die Dienstleistungen und Beratungstätigkeiten der UnternehmerInnen bilden eine wichtige Basis für die Sicherung und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Wien.

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle Fachgruppe Unternehmensberater, IT-Dienstleister und Buchhalter (UBIT) Wien
ikp Wien GmbH
Daniel Pinka
Museumstraße 3/5, 1070 Wien
Tel.: +43 1 524 77 90-20
Email: daniel.pinka@ikp.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | IKW0001