TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 17. Jänner 2014 von Nina Werlberger "Bürger zahlen für Banken-Ärger"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Tirols Banken erhöhen die Preise, weil ihnen die Kosten davongaloppieren. Als Schuldiger wird die schärfere Regulierung ausgemacht. Diese ist aber dringend nötig. Die Banken hätten andere Möglichkeiten, statt erneut die Kunden zu belasten.

Tirols Banken sehen sich als Opfer. Das sind sie nicht. Wenn sich die heimischen Institute darüber empören, dass sie für die Missetaten gieriger Zocker mit strengeren Regeln und hohen Zusatzkosten bestraft werden, dann ist das aus ihrer Perspektive zwar verständlich. Doch die echten Opfer sind und bleiben die Steuerzahler und die Bankkunden.
Sicher ist der Ärger der heimischen Banker verständlich: Die Finanzkrise gedieh auf den toxischen Finanzabenteuern von Investmentbanken, nicht auf den biederen Brot-und-Butter-Geschäften der Tiroler Regionalbanken. Trotzdem ist es legitim, die gesamte Branche schärfer zu regulieren.
Zum einen können politische Richtungsentscheidungen nicht nur darauf beruhen, ausschließlich jene zu bestrafen, die sich in der Vergangenheit danebenbenommen haben. Es gibt keine guten und schlechten Banken. In der Krise sind nicht nur Investment-Zocker à la Lehman Brothers gestolpert, sondern auch eine Kärntner Hypo, ein Volksbanken-Spitzeninstitut oder diverse deutsche Landesbanken. Auch die Hypo Tirol benötigte eine Geldspritze.
Zum anderen gehört der unerträgliche Zustand beendet, dass taumelde Banken dauerhaft von den Bürgern gerettet werden müssen. Die neu geschaffenen Instrumente werden dabei helfen, etwa die Regeln für Pleitebanken. Aus der Sicht der kleinen Banken mag es nicht fair erscheinen, dass sie hier mit einstehen sollen, wenn Branchenkollegen in Nöte geraten. Aber Opfer sind sie deswegen noch lange nicht. Denn all diese Kosten, die zusätzlich anfallen - sei es durch schärfere Kapitalregeln, die Gelder für die neuen EU-Töpfe oder auch die erhöhte Bankenabgabe -, all dies zahlt am Ende der Bankkunde.
60 bis 100 Mio. Euro dürften die zusätzlichen Regulierungen die Tiroler Banken künftig pro Jahr zusätzlich kosten. Viel Geld, das erst einmal verdient werden will. Wie? Die Erträge sind eher mager und vor der Variante, den Eigentümern weniger Rendite zu zahlen, schrecken die Banken zurück. Genauso wenig mögen sie die Idee, ihr Geschäft zusammenzuschrumpfen. Auch wurde bereits in den vergangenen Jahren kräftig an der Kostenschraube gedreht. 400 Banker-Jobs wurden seit Ausbruch der Krise in Tirol gestrichen. Also bleibt den Banken nur noch eine einzige Handlungsalternative: die Preise zu erhöhen. Die Opfer? Es sind die Kreditnehmer und Girokonto-Besitzer, die Unternehmer und die Häuslbauer. Daher ist klar: Egal ob als rettender Steuerzahler oder als blutender Bankkunde, am Ende zahlt immer der Bürger.

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