Systematisch unterbezahlt: AK erkämpfte 18.000 Euro für Leiharbeiter

Linz (OTS) - Nicht bezahlte Überstunden, dauerhafte Unterentlohnung, Missachtung der kollektivvertraglichen Mindeststandards, falsche Abrechnungen - mehr als die Hälfte der Beratungen und fast drei Viertel der Vertretungen durch die AK Oberösterreich haben mit Fragen von Lohn- und Gehaltsvorenthaltung zu tun. Für einen Leiharbeiter holte die AK eine Nachzahlung von mehr als 18.000 Euro heraus.

Ein aus Ostdeutschland stammender Produktionsarbeiter war von einer Leiharbeitsfirma zwei Jahre lang an die Firma Bernecker & Rainer in Eggelsberg (Bezirk Braunau) verliehen worden. Während dieser Zeit war er 52 Mal nach Hause gefahren, weil seine Familie nach wie vor in seiner deutschen Heimat lebte und sein Lebensmittelpunkt daher auch dort war. Laut Kollektivvertrag stehen ihm dafür Reisekosten und Taggelder zu. Außerdem wurde er 17 Monate lang nach dem falschen Kollektivvertrag bezahlt - nämlich nach dem für Arbeiter in der Arbeitskräfteüberlassung. Wäre dieser besser als der im Beschäftigerbetrieb, wäre dieses Vorgehen angemessen gewesen. Weil aber bei Bernecker & Rainer der bessere KV für Arbeiter im eisen- und metallverarbeitenden Gewerbe gilt, hätte der Leiharbeiter Anspruch auf den im Beschäftigerbetrieb üblichen Lohn gehabt.

Ein Rechtsexperte der Arbeiterkammer wies die Leiharbeitsfirma auf die krasse Unterentlohnung hin. Diese zeigte sich einsichtig und zahlte dem Arbeitnehmer mehr als 18.000 Euro nach. Dennoch - oder auch gerade deswegen - hat es die Firma bereits zweimal ins Schwarzbuch Arbeitswelt der AK Oberösterreich geschafft. Dieses zeigt auf, welche Firmen die Rechte der Beschäftigten besonders häufig missachten. In der Ausgabe 2013 landete die Firma mit 39 abgeschlossenen und vier laufenden Rechtsakten auf dem unrühmlichen 4. Platz.

"Immer mehr Arbeitgeber bezahlen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach nicht - vorsätzlich, systematisch, straffrei. Das Schlimmste, was ihnen passieren kann, ist eine Klage durch die AK sowie eine Nachzahlung der offenen Ansprüche", beklagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Für die betroffenen Beschäftigten, wie jenen Leiharbeiter, bedeutet dieses unverantwortliche Verhalten der Arbeitgeber/-innen vor allem eines: Existenzängste und die Ungewissheit, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren sollen.

Fälle wie dieser zeigen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert werden müssen: Kurze Verfallsfristen führen dazu, dass Beschäftigte Geld verlieren, obwohl ihnen die AK zu ihrem Recht verhilft. Fälle, in denen Menschen jahrelang unterentlohnt werden, aber aufgrund der kollektivvertraglichen Bestimmungen nur drei Monate nachbezahlt bekommen, sind keine Seltenheit. Die AK fordert daher die Abschaffung dieser Verfallsfristen. Bei Verstößen gegen das Arbeitsrecht soll es zudem Sanktionen geben, die über die Nachzahlung ohnehin offener Ansprüche hinausgehen.

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