Ioan Holender drängt auf rasche Aufklärung

Wien (OTS/SN) - Ioan Holender, der einstige Direktor der Wiener Staatsoper, drängt auf rasche und umfassende Aufklärung von etwaigen Malversationen im Burgtheater, wie die Salzburger Nachrichten in ihrer Ausgabe von morgen, Dienstag, berichten.
Was bisher in Medien kursiere, sei "sehr verwirrend". Und wenn jeden Tag in einem anderen Medium neue angebliche Fakten, Vermutungen oder Gerüchte auftauchten, sei das "schlecht für alle", sagte Ioan Holender auf Anfrage der "Salzburger Nachrichten". Vor allem Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) sei aufgerufen, "dass man den Bürgern möglichst bald Klarheit gibt" über Vorgänge in Österreichs größtem und am höchsten subventionierten Sprechtheater. Öffentliche Aufklärung sollte es möglichst rasch insbesondere darüber geben, welche Fehler in der Geschäftsführung des Burgtheaters passiert seien, welche Folgen dies habe und wie viel Geld davon betroffen sei, sagte Ioan Holender. Aufklärungsbedürftig seien auch die Gründe der Entlassung von Silvia Stantejsky. Diese war nur bis März 2013 kaufmännische Direktorin, ab dann allerdings nur noch als Vizedirektorin die Stellvertreterin von Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann und somit nicht mehr unmittelbar in der Geschäftsführung. "Warum ist sie jetzt (im Dezember, Anm.) entlassen worden?" Zum Zeitpunkt der Entlassung sei Silvia Stantejsky ja längst nicht mehr kaufmännische Leiterin gewesen. "Wurde sie für etwas entlassen, was sie gar nicht mehr war? Warum?"
Erachtet er für diese Aufklärung eine mehrwöchige Analyse durch externe Wirtschaftsprüfer als erforderlich? Nach dem, was bisher bekannt geworden sei, gehe er davon aus, "dass die Involvierten wissen, was passiert ist", erwidert Ioan Holender. Und "die Involvierten" müssten nun deutlich, ausführlich und stichhaltig über die Ursachen und Folgen der Entlassung aufklären.
Wer sind "die Involvierten"? Er wolle niemandem in den Rücken fallen und nicht den Richter spielen, versichert Ioan Holender. Aber primär sei dies die Aufgabe der Burgtheater-Direktion, insbesondere also von Direktor Matthias Hartmann. Wenn dieser allerdings sage, sein Anwalt habe ihm geraten, nichts zu sagen, "müssen wir halt warten". Allerdings: Wenn ein Anwalt Derartiges rate, "schaut es eher nach Gericht aus".
Müssten nun publik gewordene Unregelmäßigkeiten oder Schlampereien in der kaufmännischen Geschäftsführung nicht längst einem betriebsinternen Controlling, der Revision, der Bundestheater-Holding als Eigentümerin sowie dem Aufsichtsrat aufgefallen sein? "Als Direktor brauche ich keinen Aufsichtsrat, um zu wissen, wie es läuft", kontert Ioan Holender. "Ich halte nicht viel von diesen außen stehenden Kontrollen. Im eigenen Betrieb müssen die beiden, die das leiten, am besten wissen, was geschieht."
Jedenfalls: Wenn da ein Angestellter dem Theater Geld borge oder vorstrecke, "ist das sehr bizarr". Wäre dies in der Staatsoper unter seiner Direktion möglich gewesen? "Nein. Das schließe ich aus", versichert Ioan Holender. "Dass mein kaufmännischer Leiter, Thomas Platzer, derartige Kontobewegungen gemacht hätte ohne mein Wissen, das schließe ich aus - egal in welcher Größe."
Erstens hätten er und Thomas Platzer "immer volles Vertrauen" zueinander gehabt. Zweites erinnert Ioan Holender daran, dass Burgtheater wie Staatsoper ausgegliederte Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) seien, und für jeden Geschäftsführer einer GmbH gälten strenge Haftungen - "egal ob das eine Fabrik ist, die ÖBB oder eine Oper oder ein Theater; da gibt es keine Unterschiede". Daher trage jedes Mitglied einer Geschäftsführung Gesamtverantwortung. "Man weiß, was man hat und was man ausgibt. Ich hätte nie mehr ausgegeben als das, was ich hatte."
Was Holender als "sehr bizarr" bezeichnet, basiert auf einer Meldung von "profil". Demnach soll Silvia Stantejsky, die über dreißig Jahre im Burgtheater gearbeitet hat, aus ihrem Privatvermögen dem Staatstheater eine fünfstellige Summe vorgestreckt haben, die dann auf ihr Privatkonto rücküberwiesen worden sei. Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann versicherte am Montag im ORF-"Mittagsjournal", er habe das nicht gewusst und auch nicht unterschrieben. Er verlasse sich auf die Kaufleute in seinem Büro. "Ich hab mit Buchungen nichts zu tun."

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