Profil verbreitet schauerliche Pensionsmärchen

Wien (OTS) - In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Profil" schreibt die Journalistin Eva Linsinger auf neun Seiten über angebliche Pensionsmythen. Mit dem Gestus der Aufdeckerin kündigt Frau Linsinger auf der Titelseite die Klärung der Fragen rund um die Finanzierung des Pensionssystems an, verspricht aufzuzeigen wer die größten Kassierer sind, weshalb die Privatvorsorge ein Schwindel und die Mindestpension eine Mär ist, warum die Beamten den Staat ruinieren und stellt die Frage, ob ein großer Teil der Rentner psychisch krank ist.

Mit diesem Beitrag verkommt das Nachrichtenmagazin zu einem Märchenheftchen, in dem ein paar launige Gschichterln mit fantasievoll eingestreuten Zahlen erzählt werden, ohne damit irgendeinen Neuigkeitswert zustande zu bringen.

Im Aufklärungsversuch zum 1. Mythos über den "Schwindel mit der Finanzierbarkeit" werden die Alarmisten des Pensionssystems kritisiert und darauf verwiesen, dass seit über einem halben Jahrhundert vor dem Bankrott gewarnt wird und sich viele Argumente im Nachhinein als blanker Unsinn erwiesen haben. Am Schluss der 1. "Erzählung" aber zitiert die Profil-Journalistin den Direktor der Pensionsversicherung mit der Aussage, dass die Finanzierung des Pensionssystems gegeben ist, wenn das faktische Pensionsantrittsalter in Richtung 65 Jahre steigt. Da die Erreichbarkeit von durchschnittlich 65 Jahren wohl nur mit einer Anhebung des gesetzlichen Antrittsalters auf 70 erreichbar wäre und dies politisch vorerst nicht durchsetzbar ist, bleibt also eigentlich unklar, ob die Sorgen über die Finanzierbarkeit ein Schwindel sind, oder nicht.

Die "Prallen Pensionsparadiese" sind irgendwie Inhalt des 2. Mythos. Dass es unhaltbar gewordene Sonderregelungen gibt, ist natürlich kein Mythos. Strittig ist eigentlich nur, in welcher Form Übergangsregelungen für ein einheitliches Pensionssystem zu gestalten sind. Hier ist aber nicht nur auf die Gleichheit der Pensionen zu achten, sondern auch auf relevante Unterschiede während der Aktivzeit.

Im Märchentext werden die üblichen Verdächtigen mit ihren hohen Durchschnittspensionen aufgezählt, ohne zu differenzieren, wie sich diese in den jeweiligen Belegschaften verteilen. Es wird seltsamer Weise sogar erwähnt, dass man bisher überhaupt gescheitert ist, zu erheben, wer in welcher Nische wie viel bekommt. Wie soll man dann also die Aussagen zum Mythos bewerten? Abschließend wird noch auf das Versprechen von Bundes- und Vizekanzler verwiesen, die Luxuspensionen zu begrenzen. Der Schlusssatz "Man darf gespannt sein." passt ideal zur Märchenform.

Die Durchleuchtung des 3. Mythos befasst sich mit dem "Volk der Siechen". Frau Linsinger zeigt auf, dass die Zahl der Invaliden "explodiert" und kleine Wewehchen als One-Way-Ticket in die Pension genutzt werden konnten. Sie hegt auch den Verdacht, dass viele die Midlife-Crisis mit einer schweren psychischen Erkrankung verwechseln und es Akademikern leicht gelingt, ein Burn-Out glaubhaft zu machen.

Weil nun aber ab 2014 strengere Regeln für die Invaliditätspension gelten, erkennt sie in der Schwerarbeiterpension die neue Hintertür für die Frühpensionen.
Diese gruselige und verzerrte Darstellung eines wichtigen und sensiblen Themas kann einen wirklich ängstigen.

Der Titel der Bekämpfung des 4. Mythos lautet "Beamte sind gleicher". Hier werden wieder einmal undifferenziert Beamtenpensionen den ASVG-Pensionen gegenüber gestellt und gleich noch die (unbelegte) Behauptung aufgestellt, dass nur ein geringer Teil der höheren Pensionen mit "höheren Beiträgen der Beamten oder ihrem höheren Alters- und Akademikerschnitt" erklärt werden kann. Ein seriöser Bericht würde weitere stark verzerrende Unterschiede aufzählen - wie etwa den geringeren Anteil an Teilzeitbeschäftigung im öffentlichen Dienst, oder den Umstand, dass es kaum Personen mit wenigen Jahren Erwerbstätigkeit gibt - wie z.B. die von Frau Linsinger im 6. Mythos erwähnten Gastarbeiter.

Zur Krönung der Märchenhaftigkeit stellt Frau Linsinger dann auch noch den Zuschuss von 10 Milliarden Euro für zwei Millionen ASVG-Pensionisten den 8 Milliarden Euro Zuschuss für 300.000 pensionierte Beamte gegenüber. Das Problem dabei: die Zahlen stimmen nicht und sie sind nicht vergleichbar.

Die zwei Millionen ASVG-Bediensteten erhalten nur einen Teil des von Linsinger genannten "Zuschusses", weil in diesem "Bundesbeitrag zur Pensionssicherung" auch noch andere Auszahlungsschwerpunkte wie z.B. Partnerleistung für die Pensionsversicherung der Selbständigen oder Ersätze für Ausgleichszulagen enthalten sind.

Wie Frau Linsinger auf die Beamtenzahlen kommt, ist mehr als fragwürdig - schließlich meint sie in ihrem Beitrag, dass die Zahlen wie ein Staatsgeheimnis behandelt werden. Einerseits zählt sie mit scheinbarer Genauigkeit 343.783 Bundes-, Landes- und Gemeindebeamte auf, um dann andererseits festzustellen, dass 300.000 Beamte 8 Milliarden Euro "Zuschuss" erhalten. Dass es sich dabei offensichtlich aber nicht um einen Zuschuss handelt, sondern um die Pensionsleistungen für die Beamtinnen und Beamten der Hoheitsverwaltung sowie ausgegliederter Rechtsträger, für Landeslehrerinnen und -lehrer sowie für die Beamtinnen und Beamten der ÖBB und der Post-Unternehmungen, das scheint ihr zu entgehen. Und auch, dass in dieser Summe keine Pensionsbeiträge, Pensionssicherungsbeiträge oder Dienstgeberbeiträge gegengerechnet sind.

Es bleibt zu hoffen, dass die staatliche Pensionskommission bald korrekte Zahlen auf den Tisch legt und wir nicht noch länger solche märchenhaften Darstellungen ertragen müssen.

Auf der Halbseite zum 5. Mythos wird unter dem Titel "Schwindel mit der Privatpension" die tatsächlich völlig aus der Spur geratene Handhabung der Privatpensionen inhaltlich angerissen. Da aber auch hier diverse Aspekte wie Wirtschaftskrise, Sparpakete, Werbesprüche und Dilettantismus nebulös vermengt werden, kann keine klare Aussage abgeleitet werden.

Abschließend wird in der Analyse des 6. Mythos die "Mär von den Mindestpensionen" erörtert. Klargestellt wird, dass der Begriff "Mindestpension" nur im Volksmund existiert und es eigentlich um die "Ausgleichszulagenbezieher" geht. Frau Linsinger zeigt auf, dass die Österreicher im Schnitt 76,6 Prozent des Letztgehalts an Pension erhalten. Für Männer sind das durchschnittlich 1484 Euro brutto, für Frauen 890 Euro.
Dann werden wir - endlich eine Differenzierung - aufgeklärt, dass in diese Durchschnittsbetrachtung z.B. Witwenpensionen und Gastarbeiterpensionen eingerechnet werden, womit der Durchschnitt künstlich gedrückt wird.

Es ist also laut Frau Linsinger eine Mär, dass die Pensionsdebatte dadurch geprägt ist, dass betagte Menschen, meist Frauen, von der kargen Mindestpension ihren Lebensabend fristen. Es sind ja "nicht einmal ein Zehntel aller Pensionisten", die eine Ausgleichszulage erhalten - und diese verdienen fraglos eine finanzielle Unterstützung.

Dass sich die durchschnittliche Pensionshöhe durch die bereits eingeleiteten Reformen absenken wird und wir dadurch noch mehr Menschen bekommen werden, die nach jahrzehntelanger Arbeit trotzdem nur eine Pension nahe am Richtsatz für eine Ausgleichszulage erhalten werden, das kommt in diesem Schauermärchen nicht vor.

Insgesamt ist festzustellen, dass dieser schludrige Leitartikel des Profil keinerlei Mythen aufklärt und keinen Neuigkeitswert aufweist. Offensichtlich wurde einfach wieder einmal ein Mischmasch aus Vorurteilen, Halbwahrheiten und Polemiken in eine Erzählform verpackt, die man dann möglichst gut verkaufen kann. Eine Schande!

Kurt Obermülner, MAS (Mediation)
Vorsitzender

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Kurt Obermülner, MAS (Mediation)
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