Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 9. Jänner 2014; Leitartikel von Max Strozzi: "Viele Baustellen im sozialen Wohnbau"

Innsbruck (OTS) - Utl: Regierungen in Wien und Innsbruck haben sich leistbares Wohnen an die Fahnen geheftet. Der Streit um Fördergelder ist aber nur eine Baustelle, Tirols Gemeinnützige beißen sich an langen Bauzeiten und mangelndem Baugrund die Zähne aus.

Geht es nach den jüngsten Zahlen der Immobilienmakler, sollen sich heuer die Immobilienpreise in weiten Teilen Tirols stabilisieren. Also sich nicht mehr derart verteuern wie in den vergangenen Jahren. Diese Aussicht klingt nach den Preisexplosionen vergangener Jahre erst einmal beruhigend, ändert aber noch nichts daran, dass Tirol bereits ein sehr teures Pflaster ist.
Und es leidet an chronischer Wohnungs-Unterversorgung. Dabei spießt es sich bereits an der Frage, wie viele neue Wohnungen wo eigentlich benötigt werden. Die Arbeiterkammer spricht von jährlich 50.000 neuen Wohnungen - rund 35.000 davon gefördert - die in ganz Österreich fehlen. Die Immobilientreuhänder orten einen Mangel von bundesweit 10.000 Wohnungen, Makler wiederum verweisen in Tirol auf eine vielerorts zuletzt stark gesunkene Nachfrage nach Wohnungen. Auch über die Zahl leerstehender Wohnungen lässt sich nur rätseln. Tirols Landtagsvizepräsident Hermann Weratschnig hat jüngst nach einer Bedarfserhebung gerufen.
Die Regierungen in Innsbruck und Wien haben sich jedenfalls leistbares Wohnen an die Fahnen geheftet. Der Bund hat aus dem Erlös der Mobilfunk-Versteigerungen den Ländern zusätzlich 276 Millionen Euro für sozialen Wohnbau in Aussicht gestellt, in vielen Bundesländern werden allerdings die hohen Auflagen kritisiert, die an diese Gelder geknüpft sind. Tirols Regierung will vom Topf dennoch rund 25 Millionen anzapfen und ein Wohnungspaket schnüren. Am Papier könnte damit einmalig ein Bauvolumen von rund 75 Millionen Euro ausgelöst werden, was etwas mehr als 350 Wohnungen entspricht. Andererseits sind es im gemeinnützigen Tiroler Wohnbau nicht unbedingt die Fördergelder, die fehlen. Die Gemeinnützigen betonen, dass jedes Projekt, das eingereicht wurde, auch gebaut wurde. Moniert wird vielmehr die lange Zeitspanne zwischen Grundkauf und Fertigstellung - hier vergehen demnach drei bis fünf Jahre. Und um in Tirol überhaupt an günstigen Grund zu kommen, sei man auf den politischen Willen der Gemeinde chefs angewiesen. Gewarnt wird im gemeinnützigen Wohnbau zudem vor der gestiegenen Abhängigkeit von Bankdarlehen. Solange die Zinsen niedrig sind wie jetzt, ist das kein Beinbruch. Sollten sie steigen, wäre das ein enormer Kostenhebel. An Baustellen mangelt es im Wohnbau nicht, an guten Vorsätzen auch nicht. So schnell dürfte sich am angespannten, weil teuren Tiroler Wohnungsmarkt aber wenig ändern.

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