TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Flugrettung endlich ausschreiben", von Peter Nindler

Ausgabe vom 30. Dezember 2013

Innsbruck (OTS) - Wenn das Gerangel um die Rettung aus der Luft jetzt erneut beginnt, sollte das Land nicht lange zögern und die auf Eis gelegte Ausschreibung für die Flugrettung auftauen. Damit könnte Tirol gleichzeitig die Standorte reduzieren.

Zugegeben. Das neue Gesetz für das bodengebundene Rettungswesen in Tirol holperte am Anfang, weil der politische Preis nicht den tatsächlichen Kosten entsprach. Um 4,8 Millionen Euro musste später nachgebessert bzw. der Leistungsumfang finanziell adaptiert werden. Doch die europaweite Ausschreibung hat Transparenz bei Kosten und Strukturen gebracht. Vor allem in den Bezirksstellen des Roten Kreuzes, die Träger der neuen Rettungsdienstgesellschaft sind, führte die Rettungsreform nicht nur zu intensiven Diskussionen, sondern vermehrt zu Spannungen. Früher diktierten sie die Preise für die Gemeinden, jetzt hält der Kostendruck die Rettungsfunktionäre selbst auf Trab.
Die anhaltenden politischen Debatten um das neue Rettungswesen haben die Landesregierung und den dafür zuständigen Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg mehr als nur gefordert. Der zweite logische Schritt in der Rettungsreform blieb so auf der Strecke. Oder besser gesagt, das Land gab sich mit der zweitbesten Lösung zufrieden: einer Leistungsvereinbarung mit den Betreibern von Notarzthubschraubern. Ursprünglich war ebenfalls eine Ausschreibung der Flugrettung geplant. Damit sollte das zunehmende Gerangel um die Rettung aus der Luft mit den 15 Standorten in Tirol reduziert werden. Angesichts der drohenden Kündigung der Landesvereinbarung von ÖAMTC und Schider sowie des Heli-Kriegs im Zillertal wäre dies aus heutiger Sicht ein Gebot der Stunde gewesen. Möglicherweise bleibt der Landesregierung jetzt auch gar nichts anderes mehr übrig.
Da kann der Rechnungshof noch so oft kritisieren, dass Tirol aus der Luft überversorgt ist: Offenbar ist bei der Flugrettung sogar ein Verlust noch ein Gewinn. Fragt sich nur für wen. Selbst für den größten Flugrettungsbetreiber in Österreich, den ÖAMTC, sind die Zeiten alles andere als rosig. Trotzdem: Roy Knaus hat den Wirbel mit dem dritten Notarzthubschrauber in Mayrhofen ausgelöst, in der Steiermark rotiert er ebenfalls.
Sollte die Leistungsvereinbarung tatsächlich platzen, darf dies jedoch nicht zulasten der Patienten gehen, die vielleicht wieder mit horrenden Transportkosten konfrontiert werden. Deshalb muss die Politik ein Machtwort sprechen: Werden Verträge nicht eingehalten, benötigt es eben Gesetze mit verordneten und ausgeschriebenen Standorten. Der Vorteil: Die Anzahl der Standorte kann dann endlich auf zehn bis zwölf reduziert werden.

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