"matinee" in ORF 2: Vivienne Westwood und "Der Tanz auf dem Vulkan"

Am 29. Dezember in ORF 2

Wien (OTS) - Der Kulturvormittag in ORF 2 mit Peter Schneeberger: Die "matinee" am Sonntag, dem 29. Dezember 2013, zeigt um 9.05 Uhr in ORF 2 mit "Vivienne Westwood - Do it yourself!" ein ausführliches Porträt der Queen of Mode und ihre Arbeit für das Neujahrskonzert 2014. Und um 10.05 Uhr zeigt "1913 - Der Tanz auf dem Vulkan" das letzte friedliche Jahr vor dem Ersten Weltkrieg. Die Künstler erahnten in ihren Werken schon die düsteren Zeiten: Autoren schrieben verzweifelte Texte, Maler zerstörten Perspektiven und Igor Strawinsky schuf mit "Le sacre du printemps" den aggressiven Klangteppich zur kulturellen Revolution. Kurz vor den beginnenden Feiern zum Gedenken an 100 Jahre Erster Weltkrieg beleuchtet ein neuer Dokumentarfilm das Jahr vor Kriegsausbruch aus verschiedenen Perspektiven und zeigt, warum Strawinskys Werk symbolisch für die Strömungen der Zeit steht.

Die Sendung im Detail:

"Vivienne Westwood - Do it yourself!" um 9.05 Uhr

Seit 1970 nimmt Vivienne Westwood die Mode buchstäblich auseinander, um sie immer wieder neu zu erfinden. Was treibt die von Queen Elizabeth zur Dame Commander of the Order of the British Empire geadelte Modeschöpferin an? Dieser Frage ist die französische Filmemacherin Letmiya Sztalryd nachgegangen und hat Vivienne Westwood ein Jahr lang mit der Kamera begleitet. Entstanden ist ein intimes Porträt einer ungewöhnlichen Frau, Modeschöpferin, Künstlerin und Aktivistin, der jegliche Form von Konformismus zutiefst zuwider ist. Sie fährt zu jeder Jahreszeit Fahrrad und trägt bei jeder Gelegenheit hochhackige Schuhe. Sie ist nie krank, geht nie in die Sonne und verachtet Ferien und Urlaub. Verheiratet ist sie seit 1992 mit dem 25 Jahre jüngeren Österreicher Andreas Kronthaler, der nicht nur Ehemann sondern auch Artistic Director in ihrem Modeunternehmen ist. Die Kostüm-Kreationen der Tanznummern im Neujahrskonzert 2014 tragen daher auch seine Handschrift. Vivienne Westwood heißt heute Lady Westwood und ist mit 72 Jahren fast noch so subversiv und provokativ wie die Punk-Bewegung, deren Look sie maßgeblich prägte. Sie ist keine Modedesignerin im klassischen Sinne. Vivienne Westwood machte Mode ununterbrochen nieder, um sie immer wieder neu zu erfinden und hat damit die Seele einer echten Revolutionärin. Die Modeschöpferin ist voller Paradoxien und Widersprüche. Mit schwarzen Slogans auf weißen T-Shirts wie "I'm expensive" oder "I love crap", die sie in ihrer legendären Boutique "World's End" erfolgreich verkauft, zieht sie in ihren ganz persönlichen Anti-Konsum-Krieg. Konsum und ununterbrochene Zerstreuung sind in den Augen der ehemaligen Grundschullehrerin zwei der Hauptübel unserer Zeit. Um darauf aufmerksam zu machen, wählt sie manchmal auch ungewöhnliche Wege. Die Dokumentation nähert sich in ihrer Erzählweise dem Charakter von Vivienne Westwood an: Rhythmus und Tempo bestimmen den Film, geben aber auch Momenten der Reflexion Raum. Die Regisseurin begleitete Vivienne Westwood und ihren Mann Andreas Kronthaler bei den Vorbereitungen für die großen Shows in Paris und erfuhr viel über die teilweise sehr unterschiedlichen Arbeitsweisen der beiden. Sie besuchte sie zu Hause und ließ Lady Westwood aus ihrer Kindheit berichten. Dem Film gelingt ein tiefer Einblick in das Leben und Schaffen einer ungewöhnlichen und gleichermaßen exzentrischen wie liebenswerten Frau und Modeschöpferin, die immer wieder für Überraschungen sorgt. Regie: Letmiya und Jean-Marie Szaltryd.

"1913 - Der Tanz auf dem Vulkan" um 10.05 Uhr

Vor hundert Jahren war die Welt scheinbar noch in Ordnung. Doch in Wahrheit standen die Zeichen der Zeit bereits auf Sturm. Die Uraufführung von Igor Strawinskys Ballett "Le sacre du printemps" und die legendäre, den klassischen Bewegungskanon vollkommen zerstörende Choreographie von Waslaw Nijinsky scheinen symptomatisch für den kulturellen und sozialen Umbruch kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Doch was war das Revolutionäre an "Le sacre du printemps", dass es die Musikwelt so nachhaltig prägte? Radikale Umbrüche geschahen in allen gesellschaftlichen Bereichen und niemand schien zu ahnen, dass technische Revolutionen wie das Fließband schon bald zu Kriegszwecken eingesetzt werden würden. Der Film entwirft das spannende Mosaik eines aufregenden Jahres, welches das kommende Unglück schon lange und brodelnd in sich trug. Von den Umbrüchen und finsteren Zeiten schienen die Monarchen des alten Europas noch nichts zu merken. Denn die Könige des alten Europas feierten in Berlin die Hochzeit von Preußens Prinzessin Viktoria Luise und ahnten nicht, dass sie schon bald all ihre Macht verlieren würden. Es war das letzte Aufeinandertreffen des europäischen Adels der alten Welt, die sich schon bald fundamental verändern würde. Stalin und Hitler lebten zeitgleich in Wien, lange bevor sie Tyrannei und Schrecken über Europa brachten. Nur die Künstler deuteten die radikalen Änderungen in ihren Werken bereits an: Pablo Picasso und Georges Braque bewiesen mit dem Kubismus, dass man Perspektivwechsel malen konnte. Coco Chanel verbannte alle Schnörkel aus der Mode und löste mit ihren schlichten Entwürfen die pompösen Designs von Paul Poiret ab. Kafka verzweifelte an seinem Vater und gab der Welt durch seine Literatur einen neuen Namen. Und Igor Strawinskys schrieb mit "Le sacre du printemps" die aggressive Begleitmusik zum Aufbruch in das neue Zeitalter. Regie: Dag Freyer.

Die "matinee" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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