Algerien am Wendepunkt?

"Algerien-Modell für einen Dritten Weg?" Unter diesem Motto stand die Festveranstaltung der Österreichisch-Algerischen Gesellschaft anlässlich ihres 50jährigen Bestehens.

Wien (OTS) - Mehr als 130 Gäste kamen zur 50 Jahr Feier der Österreichisch -Algerischen Gesellschaft ins Alte Rathaus in Wien. Im Mittelpunkt standen Überlegungen über den weiteren Weg Algeriens. Zum Thema "Algerien-Modell für einen Dritten Weg?" diskutierten die Gründungsmitglieder der Gesellschaft, die Bundesminister a. D. Erwin Lanc und Karl Blecha, Österreichs Botschafterin in Algier Aloisia Wörgetter, Algeriens Botschafter in Wien Mohammed Benhocine, der Kolumnist und Schriftsteller Kamel Daoud, der Unternehmer Gernot Fleischmann sowie Johann Moser, Präsident der Österreichisch-Algerischen Gesellschaft.

Dritter Weg durch Bildungsreform und Öffnung der Wirtschaft

Der bekannt kritische Kolumnist und Schriftsteller Kamel Daoud, bemängelte den heute fehlenden gesellschaftspolitischen Konsens in Algerien. Er ortet vielmehr "ein Klima des Misstrauens" sowie eine "Undurchsichtigkeit des Systems". Daoud sagt, dass "nur die Angst vor Chaos Algerien derzeit zusammenschweißt."

Für einen sanften Übergang in einen Dritten Weg brauche Algerien nach Daouds Meinung "einen Pool für Elitenbildung", aus dem Führungsalternativen erwachsen können. Darüber hinaus sei eine Reform des Bildungs- und Schulwesens, eine stärkere Öffnung der öffentlichen Wirtschaft gepaart mit einem Vertrauensaufbau in Form eines Demokratisierungsschubs notwendig, so Daoud, der 2008 mit dem Prix Mohammed Dib ausgezeichnet wurde.

Diplomatische Beziehungen auf gutem Weg

Aloisia Wörgetter, Österreichs Botschafterin in Algier, sieht "Algerien bereits in der Spur eines Dritten Wegs. Es geht jetzt darum, die neuen Möglichkeiten zum Vorteil beider Länder auf allen gesellschaftspolitischen Ebenen in wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen zu nutzen und zu erweitern."

Mohammed Benhocine, Algeriens Botschafter in Wien, hob die ungünstige Ausgangslage Algeriens vor 50 zig Jahre hervor. Auch er betonte die bemerkenswerten Fortschritte seines Landes, hält aber weitere notwendige Reformschritte für unabdingbar.

Alle Chancen im Mittelmeerraum nutzen

Der Salzburger Gernot Fleischmann, Unternehmer in Algerien, konstatierte in seinem Beitrag "eine deutliche Verbesserung des Standortes Algeriens. Ich sehe aber, dass weitere Reformschritte notwendig sind. Jetzt sind weitere Reformschritte in Richtung Öffnung der Wirtschaft für internationale Investitionen erforderlich, damit ein sanfter Übergang möglich wird.

Johann Moser, Präsident der ÖAG, sieht "Algerien als wichtigen Ankerpunkt zur Umsetzung einer offensiven Mittelmeer-Strategie. Das Land ist ein sicheres Tor aus dieser und in diese Region." Moser sieht die Aufgabe der Österreichisch-Algerischen Gesellschaft in der Fortsetzung ihres Weges: "Wir arbeiten projektorientiert und unterstützen die Zivilgesellschaft. An die neue österreichische Bundesregierung adressiert sagte Moser: "Außenpolitik ist nicht nur EU-Politik. Wir müssen alle Chancen wahrnehmen, die sich im Mittelmeerraum ergeben."

Über die Österreichisch-Algerische Gesellschaft

1963 wurde die Gesellschaft gegründet, um die Unterstützung des seit 1962 selbständigen Algeriens fortzusetzen. Ziel des Vereins ist die Förderung der Zusammenarbeit zwischen der Republik Österreich und der demokratischen Volksrepublik Algerien in allen Bereichen.
Trotz der unstetigen bilateralen Beziehungen in den vergangenen 50 Jahren beider Länder, konnten zahlreiche Projekte in medizinischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Bereichen realisiert werden.

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Österreichisch-Algerische Gesellschaft
Mag. Johann Moser
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