Neues Volksblatt: "Sotschi-PR" von Manfred Maurer

Ausgabe vom 20. Dezember 2013

Linz (OTS) - Olympia 2014 hat sich schon ausgezahlt für ein paar Tausend Menschen. Sie fallen unter jene Amnestie, die es nur gibt, weil Präsident Putin fürchten musste, während der Winterspiele in Sotschi mit Menschenrechtsfragen gelöchert zu werden.
Putin tut, was autoritäre Regime mit Olympia schon immer taten: Die Inszenierung einer imposanten Sportshow soll sein ramponiertes Image aufpolieren. Die (in Wirklichkeit ohnehin gar nicht) heile Welt des Sports wird über die triste Realität gestülpt, auf dass diese ebenso ein bisschen heiler erscheine.
Weil es immer Querulanten gibt, die verbissen Potemkinsche Dörfer enttarnen, muss es auch hinter der olympisch behübschten Fassade ein bisschen netter zugehen. Die Nazis duldeten 1936 einen Halbjuden als Chef des Olympia-Organisationskomitees und gaben sich auch sonst gar nicht rassistisch.
Auch Putin geht Kompromisse ein - und lässt ein paar Opfer seiner Politjustiz frei. Richtungsänderung oder gar Schuldeingeständnis ist das natürlich nicht. Putin bleibt ein im Denken des Kalten Krieges verhafteter KGB-Emporkömmling, der sich von Nomenklaturisten der Sowjetzeit nur durch mehr Gespür für Öffentlichkeitsarbeit unterscheidet. Denn nichts anderes als ein PR-Gag ist die Freilassung von Chodorkowski, Pussy Riot und Co.
Bei nächster Gelegenheit werden sie oder andere unliebsame Kritiker wieder eingelocht. Nur sicher nicht vor Februar 2014.

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