Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 20. Dezember 2013; Leitartikel von Alois Vahrner: "Von Traumgagen und Mini-Löhnen"

Innsbruck (OTS) - Utl: Fast zeitgleich wurden gestern der Rechnungshofbericht zu den Managergagen in Staatsfirmen und die Lohnsteuer-
statistik veröffentlicht. Die Frage, was gerechte oder ungerechte Gagen sind, liegt wohl im Auge des Betrachters.

Laut Lohnsteuerstatistik haben die Österreicherinnen und Österreicher im Vorjahr durchschnittlich 25.410 Euro brutto im Jahr (inkludiert sind auch Teilzeit- und Saisonjobs) verdient, das sind 14-mal gerade einmal 1815 Euro brutto. Bitter: Die Lohnsteuer stieg mit über sieben Prozent fast doppelt so stark wie die Einkommen. Unterdessen gab der Rechnungshof bekannt, dass 53 Vorstände und Geschäftsführer in 22 Staatsfirmen oder Unternehmen mit Staatsbeteiligung im Vorjahr mehr verdient haben als der Bundeskanzler, also mehr als 285.600 Euro brutto. Die Spitze bei Post oder Verbund kassierte fast das Dreifache des Kanzlers. Und auch der Chef der Katastrophenbank Hypo Alpe Adria bekam mit über 600.000 Euro mehr als doppelt so viel bezahlt wie der Regierungschef. Sarkastisch könnte man hinzufügen, dass die Gage für dieses Himmelfahrtskommando angesichts des ständig größer werdenden Milliardenlochs letztlich kaum mehr ins Gewicht fällt.
Ob am Stammtisch oder anderswo: Selten wird über ein Thema leidenschaftlicher diskutiert als darüber, welche Löhne und Gagen gerecht oder ungerecht sind. Zumal laut jüngsten Studien 1,2 Millionen Österreicher armutsgefährdet sind und manche Topgagen unverhältnismäßig und sogar unmoralisch hoch sind.
Gleichzeitig wird bei einer globalen Betrachtung, wo mehr als eine Milliarde Menschen pro Tag mit weniger als einem Dollar und weitere 2,7 Milliarden mit weniger als zwei Dollar auskommen müssen, vieles relativ. Und selbst österreichische Topgagen wirken mit Blick auf oft zweistellige Millioneneinkommen mancher Konzernbosse oder Stars in Hollywood, der Popbranche oder im Sport fast wie Taschengeld.
Die Schweizer haben erst jüngst in einer Volksabstimmung eine Begrenzung von Managergagen auf das maximal 12-Fache der Kleinstverdiener mit großer Mehrheit abgeschmettert. Wohl, weil sie den Abzug von Konzernen und vielen Jobs befürchteten oder einsahen, dass solche Fragen nie und nimmer national zu lösen sind.
Politiker wie auch Chefs in öffentlichen Unternehmen stehen zu Recht unter Beobachtung, was ihre Einkommen betrifft. Dass aber die erste Garde (das gilt auch international) vom Regierungschef abwärts gemessen am gewaltigen Aufwand und der Verantwortung im Vergleich zu vielen Chefjobs in der Privatwirtschaft alles andere als überbezahlt ist, steht fest. Sehr wohl aber manche Ämterkumulierer aus der zweiten und dritten Reihe ebenso wie manch erfolgloser Manager von öffentlichen Unternehmen.

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