ÖAMTC: Unachtsamkeit bei allen Verkehrsteilnehmern ein Problem

VCÖ-Interpretation der Verkehrsstatistik unseriös

Wien (OTS) - Radio-Sender suchen. Kinder beruhigen. Telefonieren. All das sind mögliche Unfallursachen. In den Auswertungen der Statistik Austria ist die Rubrik "Unachtsamkeit und Ablenkungen" daher als Sammel-Kategorie konzipiert. "Die Interpretation des VCÖ, das Ablenkung bei Autofahrern immer gleich Handytelefonieren bedeutet und deshalb für rund 35 Prozent der Fußgängerunfälle verantwortlich ist, würde bedeuten, dass es ausschließlich Handy-Telefonieren als Ablenkungen gibt und immer die Autofahrer schuld sind. So kann man die Zahlen der Statistik Austria nicht lesen. Das ist unseriös", ärgert sich ÖAMTC Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. "Auf Anfrage hat uns die Statistik Austria darin bestätigt, dass bei Unfällen mit Fußgängern, an denen ein Pkw beteiligt war und dessen Hauptunfallursache 'Unachtsamkeit/Ablenkung' war, aus der Verkehrsstatistik keinesfalls hervorgeht, welcher Verkehrsteilnehmer unachtsam oder abgelenkt war. Zudem ist mit dieser Kategorie auch nicht zwingend der Ablenkungsgrund 'Handytelefonieren' verknüpft."

Im Detail zeigen die Zahlen der Statistik Austria, dass es im Vorjahr 3.240 Unfälle mit Fußgängern gab, an denen mindestens ein Pkw beteiligt war. Bei 1.173 Fällen (36 Prozent) vermutet man als Hauptunfallursache "Unachtsamkeit/Ablenkung". Abgelenkt kann dabei sowohl der Pkw-Lenker als auch der Fußgänger gewesen sein - aus der statistischen Erfassung geht das nicht hervor. Im Vorjahr kamen zudem 81 Fußgänger im Straßenverkehr ums Leben. Bei 41 davon war zumindest ein Pkw beteiligt. Bei 17 der 41 tödlichen Fußgänger-Unfälle wurde das Fehlverhalten der Fußgänger als Hauptunfallursache eindeutig identifiziert. Seidenberger: "Das zeigt, dass bei fast der Hälfte der tödlich verunglückten Fußgänger diese selbst abgelenkt waren und sich damit falsch verhalten haben. Unser Ziel muss es sein, die Gefährlichkeit von ablenkenden Nebentätigkeiten im Straßenverkehr allen Verkehrsteilnehmern bewusst zu machen - Autofahrern, Radlern und Fußgängern. An das Thema Verkehrssicherheit muss man ohne ideologische Brille oder Vorverurteilungen herangehen."

Juristische Verschärfung alleine beim Handy-Telefonieren nicht sinnvoll

Aus juristischer Sicht ist das Telefonieren mit dem Handy ohne Freisprecheinrichtung derzeit die einzige Ablenkung, für die das Gesetz eine klare Sanktion vorsieht. ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer:
"Wenn man eine Diskussion zu schärferen Sanktionen bei Ablenkungen beginnt, muss man den Blick weiten und darf sich nicht nur aufs Handy-Telefonieren fixieren. Außerdem muss klar sein, dass wir dann erneut in die Diskussion über die Kennzeichnung von Radfahrern hineinsteuern. Wenn man Sanktionen im Straßenverkehr verschärft, aber nur für einige Verkehrsteilnehmer, werden breite Teile der Bevölkerung dafür kein Verständnis haben. Schließlich ist die 'Gleichheit vor dem Gesetz' auch ein rechtspolitisches Thema."

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