Arbeiterkammer und Bildungsexperte verlangen Qualitätssicherung in der dualen Ausbildung

Linz (OTS) - Knapp 50 Prozent jedes Jahrgangs wählen die duale Berufsausbildung (=Lehre) als Ausbildungsweg und als Einstieg in das spätere Berufsleben. Jeder fünfte Lehrling kommt aber zu keinem erfolgreichen Lehrabschluss. Trotz des international guten Rufs der österreichischen Lehrausbildung und vergleichsweise positiver Kenndaten bei der Jugendbeschäftigung existiert in Österreich keine systematische Qualitätssicherung wie sie in anderen Ausbildungsbereichen (Schulen, FHs, Universitäten) bereits gang und gäbe ist. Erhebliche Unterschiede in der betrieblichen Ausbildungsqualität lassen den Ruf danach immer lauter werden.

Qualitätssicherung in der Lehre steht in Österreich erst ganz am Beginn, konstatiert der Leiter des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung, Dr. Peter Schlögl. Die Lehre ist der einzige Ausbildungssektor ohne systematische Qualitätssicherung - alle anderen Wege (Schulen, Unis, FHs) haben durchgängig Qualitätssicherungsverfahren und -strukturen etabliert. "Die österreichische Lehrlingsausbildung steht aber vor dem Problem der erheblichen Streuung der betrieblichen Ausbildungsqualität", so Schlögl. Ein Indikator dafür ist der Erfolg bei den Lehrabschlussprüfungen, der je nach Beruf zwischen 100 und 58 Prozent variiert.

Auf europäischer Ebene und in anderen Ländern (etwa Deutschland und Schweiz) ist Qualitätssicherung in der beruflichen Ausbildung bereits rechtlich verankert. In Österreich sind die Instrumente bekannt, die Willensbildung für eine Einführung steht aber aus, meint Schlögl: "Trotz einzelner unbestritten qualitätsrelevanter Maßnahmen fehlt in Österreich aber ein systematischer Zugang zum Thema Qualität oder Qualitätsentwicklung in diesem Bildungssektor."

Durchschnittlich jeder fünfte Lehrling in Oberösterreich kommt zu keinem erfolgreichen Lehrabschluss, sei es, dass er/sie die Lehre vorzeitig abbricht, nicht zur Lehrabschlussprüfung antritt oder diese nicht besteht. In Oberösterreich umfasst der Lehrlings-Drop-Out jährlich ca. 1.800 Jugendliche. Wenn so viele Lehrlinge zu keinem Lehrabschluss kommen, dann führt sich das ständige Jammern über den Fachkräftemangel ad absurdum, so die Arbeiterkammer.

Um die Qualität in der betrieblichen Ausbildung zu steigern, schlägt die AK ein Bündel von Maßnahmen vor:

- Betriebe verändern sich im Laufe der Zeit. Deshalb muss regelmäßig überprüft werden, ob die notwendigen Ausbildungsbedingungen noch gegeben sind.

- Bei überbetrieblichen und bei Verbundausbildungen ist eine laufende Überprüfung der Zielerreichung notwendig.

- Es braucht zeitgemäße, transparente, zielgruppengerecht aufbereitete Prüfungsanforderungen und -inhalte. Das soll dazu beitragen, die Durchfallsquoten nachhaltig zu senken.

- Um die Qualität zu steigern und den Drop-Out zu senken, muss sichergestellt werden, dass die Jugendlichen ausreichend über die konkreten Ausbildungsinhalte im Betrieb informiert werden. Insbesondere sollen die Berufsbilder aktuell, transparent und leicht verständlich sein.

- Ein ebenso wichtiger Aspekt gilt dem öffentlichen Förderungssystem:
Förderungen sollen nach Ansicht der AK künftig vor allem von der Qualität und der Erfolgsrate abhängig sein. Insbesondere soll die Basisförderung im letzten Lehrjahr nur bei Anmeldung zur Lehrabschlussprüfung ausbezahlt werden. Die Lehrstellenförderung soll zudem Anreize zur Unterstützung von lernschwächeren und benachteiligten Jugendlichen bieten.

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