Minderjährige vom Chef sexuell belästigt, bedroht und verletzt - AK erreichte 2350 Euro Schadenersatz für die Jugendliche

Linz (OTS) - Schmuddelige Kommentare des Geschäftsführers eines Linzer Hotels im Lift gegenüber seiner minderjährigen Beschäftigten waren nur ein "harmloser" Vorgeschmack auf jenen Samstagvormittag, an dem der Chef komplett ausrastete: Weil die Jugendliche krank war und heimgehen wollte, beschimpfte er sie, drohte ihr eine Vergewaltigung an und verletzte sie mit einem Glasgegenstand. Die AK holte für die gepeinigte Frau 2350 Entschädigung heraus.

Fünf Monate lang arbeitete die junge Frau für sechs Stunden pro Woche in einem Linzer Hotel als Kellnerin, nicht einmal ganz 230 Euro brutto pro Monat bekam sie dafür. Vor ihrem Chef hatte sie schon einige Zeit Angst, nachdem er sie im Lift belästigt hatte. Die Jugendliche fuhr in den Keller, um dort Gebäck für das Frühstück zu holen, der Geschäftsführer leistete ihr dabei unerwünschte Begleitung, kommentierte diese mit einem hämischen Lachen: Er fahre gerne mit Frauen in den Keller, jedoch nicht, um Brötchen zu holen, sondern "wegen was anderem" - ein klarer Fall von verbaler sexueller Belästigung!

Die Angestellte achtete ab diesem Zeitpunkt darauf, dass sie nicht mehr alleine mit ihm in den Keller fahren musste, meldete den Vorfall aber aus Scham nicht. Ein paar Wochen später dann vergaß sich der Chef komplett. Die Minderjährige kam trotz Fiebers ganz früh zur Arbeit. Zur Unterstützung für das Herrichten des Frühstücks hatte sie ihre Mutter an diesem Tag ins Hotel begleitet. Als die beiden Frauen bereits bei den Vorbereitungen waren, kam der Geschäftsführer. Dieser bemerkte, dass die junge Frau krank war, und war zunächst sogar noch scheinbar nett.

Er fragte die Jugendliche, ob sie lieber heimgehen wolle. Als diese die Frage bejahte, meinte er: "Wenn du jetzt gehst, kannst du für immer gehen", womit er eine ungerechtfertigte Entlassung aussprach. Er beschimpfte Mutter und Tochter und schrie die Angestellte an: "Geh, geh!" Vollkommen eingeschüchtert wollte die Angestellte nur noch hinaus aus dem Hotel, der Geschäftsführer lief ihr nach und sagte: "Du kleine Göre, ich weiß wo du wohnst", drohte ihr mit derben Worten an, sie daheim aufzusuchen und zu vergewaltigen. Dann warf er ihr noch einen Glasgegenstand nach, der die Frau an der Schulter verletzte.

Völlig verzweifelt wandte sich die junge Angestellte an die AK. Diese forderte den Mann auf, alle offenen Ansprüche zu bezahlen, die aus der ungerechtfertigten Entlassung resultierten. Außerdem verlangte die AK die Zahlung eines angemessenen Schadenersatzes zum Ausgleich der erlittenen persönlichen Beeinträchtigung durch die verbale sexuelle Belästigung sowie Schmerzensgeld für die Verletzung an der Schulter. Da der Arbeitgeber nicht zahlen wollte, klagte die AK. Erst dann stimmte der Mann einem Vergleich zur Zahlung von 2350 Euro zu.

Für die junge Frau ist die erreichte Entschädigung vermutlich nur ein Trostpflaster für die erlittene Belästigung. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer zeigt sich angesichts dieses Falles erschüttert: "Es ist unfassbar, dass ein Mann mit solch einem Verhalten in einer Vorgesetztenfunktion arbeitet. Gerade gegenüber Minderjährigen hätten Arbeitgeber im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht große Verantwortung zu tragen. Solche Vorfälle dürften eigentlich überhaupt nicht passieren." Ein kleiner Erfolg für Opfer sexueller Belästigung, zu der auch anzügliche Kommentare zu zählen sind: Der Mindestschadenersatzanspruch wurde auf 1000 Euro erhöht, und im August des heurigen Jahres wurde die Frist zur Geltendmachung der Ansprüche von einem auf drei Jahre angehoben - für Fälle von sexueller Belästigung ab 1. August 2013.

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