Offener Brief der Ingenieurverbände ÖIAV und OVE

Betreff: Protest gegen Aufteilung des Wissenschaftsministeriums

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann,
Sehr geehrter Herr Vizekanzler Dr. Spindelegger,
Sehr geehrte Damen und Herren,

im Zuge der Verhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung wurde in den Medien mehrfach von Überlegungen zur Aufteilung des Wissenschaftsministeriums (BMWF) und der Zuordnung seiner Agenden zum Unterrichtsministerium betreffend Lehre bzw. zum Wirtschaftsministerium betreffend Forschung berichtet.

Als bedeutende technisch-wissenschaftliche Verbände Österreichs, die seit ca. 150 Jahren den österreichischen Ingenieursstand vertreten und anerkannter Partner von Wissenschaft und Wirtschaft sind, sehen wir es als unsere Pflicht an, vehement vor der Aufteilung des BMWF zu warnen.

Seit dem 19. Jahrhundert gilt das Bildungsideal einer forschungsgeleiteten universitären Lehre nach Wilhelm von Humboldt. Nur so ist die Exzellenz in der universitären Ausbildung bei gleichzeitiger Aktualität der Lehrinhalte sicher gestellt. Gerade im Bereich der Ingenieurwissenschaften ist die Verbindung von Forschung und der daraus abgeleiteten wissenschaftlichen Lehre unabdingbar. Dieses Erfolgsmodell gewährleistet seit Jahrzehnten bestens ausgebildete, in Wirtschaft und Wissenschaft gefragte Absolventinnen und Absolventen der Ingenieurwissenschaften, welche die Konkurrenz internationaler Universitätsabgänger/innen in keiner Weise zu scheuen brauchen.

Eine allfällige Aufgliederung des Wissenschaftsministeriums würde in weiterer Folge auch zu einer Trennung von Forschung und Lehre an den Universitäten führen und somit das Erfolgsmodell der österreichischen universitären Ausbildung, insbesondere in den Ingenieurwissenschaften, massiv gefährden.

Österreichs Wirtschaft benötigt dringend die "besten Köpfe" und dafür eine optimale universitäre Ausbildung. Im internationalen Wettbewerb kann ein Wirtschaftsstandort wie Österreich nur mit innovativen Ideen und Produkten sowie modernsten Technologien bestehen; dazu braucht es hochwertige Ingenieurleistungen und ein entsprechendes Innovationssystem mit hervorragenden Bildungseinrichtungen.

Der Österreichische Ingenieur- und Architekten-Verein (gegr. 1848) und der Österreichische Verband für Elektrotechnik (gegr. 1883) appellieren daher im Namen ihrer Mitglieder, die Einheit von universitärer Lehre und Forschung weiterhin aufrecht zu erhalten und dies wie bisher durch die Repräsentanz in einem Ministerium sicher zu stellen.

Für Diskussionen dazu stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Em. O. Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Dr. h.c. mult. Heinz Brandl Präsident des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins (ÖIAV)

Dipl.-Ing. Dr. techn. Franz Hofbauer, MBA
Präsident des Österreichischen Verbandes für Elektrotechnik (OVE)

Dipl.-Ing. Peter Reichel
Generalsekretär des Österreichischen Verbandes für Elektrotechnik (OVE) und des Österreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereins (ÖIAV)

Rückfragen & Kontakt:

ÖIAV Österreichischer Ingenieur-
und Architekten-Verein
Eschenbachgasse 9 | 1010 Wien
Tel.: +43 1 587 35 36
E-Mail: office@oiav.at

OVE Österreichischer Verband
für Elektrotechnik
Eschenbachgasse 9 | 1010 Wien
Tel.: + 43 1 587 63 73
E-Mail: ove@ove.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | OVE0001