ORF-Präsentation "Der taumelnde Kontinent": Zweiteilige Dokumentation als Auftakt zum ORF-Gedenkjahr 2014

Am 13. und 20. Dezember im Rahmen von "Universum History" jeweils um 22.40 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Mit der Dokumentation "Der taumelnde Kontinent" über das Europa vor 1914 startet der ORF bereits nächste Woche, genauer am 13. Dezember 2013, seinen umfassenden Programmschwerpunkt zum "Gedenkjahr 2014: 100 Jahre Erster Weltkrieg". Als erster deutschsprachiger Sender thematisiert er damit die Epoche, in der nicht nur eine Katastrophe begann, sondern auch der Grundstein für eine neue, für unsere heutige moderne Welt gelegt wurde. Basierend auf dem gleichnamigen preisgekrönten Buch von Philipp Blom entführt der von der ORF-TV-Kultur koproduzierte Zweiteiler auf eine Reise in das Europa zwischen 1900 und 1914, das voller Aufbrüche und moderner Entwicklungen war, die jedoch durch die Folgen des Attentats von Sarajevo für Jahrzehnte gestoppt werden sollten. Das ORF-Publikum kann diese Reise am Freitag, dem 13. und 20. Dezember, jeweils um 22.40 Uhr in ORF 2 im Rahmen von "Universum History" antreten. 3sat zeigt die Dokumentation in einer dreiteiligen Version (zu je rund 45 Minuten) am 18., 19. und 20. Jänner 2014. Bereits gestern, am Mittwoch, dem 4. Dezember, fand im Wiener Palais Leitenberger die ORF-Präsentation der Dokumentation statt, zu der ORF-TV-Kulturchef Martin Traxl begrüßte.

"Wir lernen aus dem Buch von Philipp Blom als auch aus dem Film, dass die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg alles andere als die 'gute alte Zeit' war", kündigte der ORF-TV-Kulturchef im Rahmen der Vorführung an. "Es war eine Zeit der Explosionen - sowohl im kulturellen als auch im politischen Sinn. Die Dokumentation enthält fantastisches Archivmaterial über diese Zeit der gesellschaftlichen Veränderungen. Material, wie man es so noch nie gesehen hat, weil es uns das alltägliche Leben zeigt", so Martin Traxl.

ORF-Fernsehdirektorin Mag. Kathrin Zechner: "'Zurück in die Zukunft' mit unerwarteter Aktualität"

"Was vor über 100 Jahren passierte, hat eine unerwartete Aktualität für unsere Zeit: Orientierungslosigkeit, Themen der Gleichberechtigung, beginnende Globalisierung, Beschleunigung und Geschwindigkeitsrausch in allen Lebensbereichen, Börsenboom und Verteilungsgerechtigkeit. Bei 'Der taumelnde Kontinent' fühlt man sich zeitweise wie bei einer aktuellen Reportage mit den Themen unserer Zeit 'Zurück in die Zukunft'. Das ist eine spannende Dokureihe, die Zusammenhänge bis in unsere Zeit offenlegt, diese verständlich macht und verstaubte Klischees 'der guten alten Zeit' ausräumt."

Blom unterwegs zwischen England und Russland und im Gespräch mit "Pussy Riot"-Musikerin: "Widersprüchlichkeit der Zeit zeigen"

Intelligent, sympathisch und packend erzählt der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, Historiker und Ö1-Moderator Philipp Blom (am 9. Dezember Studiogast im "Kulturmontag") erstmals auch im Fernsehen auf seine ganz persönliche Weise die Geschichte aus der Sicht der Menschen von damals, die in einer sich rasend verändernden Zeit gar nicht auf die Idee kamen, an eine drohende Katastrophe zu denken. "Wir sind versucht, diese Zeit, als die 'gute alte Zeit' zu beschreiben, in der alles solide war. Aber natürlich ist eine Zeit viel widersprüchlicher und reicher - und das wollte ich hier wiedergeben. Doch die Umbrüche und Neuerungen, die diese Zeit mit sich brachte, haben das Weltbild und das Selbstbild der Menschen von einst verändert", so Blom.

Als Präsentator der TV-Dokumentation ist Blom immer an den Orten des Geschehens - in den englischen Industriestädten, wo der Aufstand der Arbeiterinnen begann, im Rennauto der Alpenfahrt, bei der Weltausstellung in Paris, auf der historischen Segeljacht, in der Wiener Hofburg und in Moskaus Fabriken, wo der Aufstand der Arbeiter endete. Und er trifft die wichtigsten Fachleute zu den jeweiligen Themen. Eine Sensation für sich ist ein Gespräch mit Jekatarina Samuzewitsch. Sie ist jene Musikerin von "Pussy Riot", die in ständiger Gefahr lebt, auch zu einer Haftstrafe im Arbeitslager verurteilt zu werden. Ihr gelingt es, eine Brücke zu schlagen zwischen den Zuständen im damaligen Russland und den heutigen Verhältnissen unter Putin. Durch sie verschmelzen die beiden Epochen zu einer einzigen Anklage gegen Unterdrückung und Unfreiheit.

Regisseur Neumüller: "Verblüffender Blick in eine entfernte Welt, die viel mit dem Heute zu tun hat"

Das Drehbuch zur Dokumentation verfasste Philipp Blom gemeinsam mit Regisseur Robert Neumüller, der auch für die Kamera verantwortlich zeichnet. Für den Filmemacher war die Überwindung von zeitlichen Grenzen ein zentrales Anliegen. Das gelingt vor allem durch den Einsatz von zum Teil noch nie gesehenem Archivmaterial aus ganz Europa, das, digital nachbearbeitet, einen neuen, ungehinderten Blick auf jene Zeit zulässt. So verschwindet immer wieder, wie von selbst, die Barriere von einhundert Jahren. Was dabei zutage tritt, ist die Erkenntnis, dass unsere heutige Welt nicht erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, sondern dass sie sich vor dem Ersten Weltkrieg selbst erfunden hat.

"Durch Philipp Bloms Buch habe ich einen unglaublichen Reiseführer durch die Zeit in die Hand bekommen. Die Frage bzw. Herausforderung bei der filmischen Umsetzung allerdings war: Was lässt man überhaupt weg?", erzählt Robert Neumüller. "Dabei lag mir am Herzen, den Abstand zwischen einst und jetzt zu verringern, die Nähe zu den Menschen und ihrem Alltag der damaligen Zeit herzustellen. Ein interessanter Moment am Schneidetisch war, als ich registriert habe, dass niemand von den Menschen auf dem Archivmaterial heute noch lebt. Das war ein verblüffender Bick in eine entfernte Welt, die aber doch so viel mit dem Heute zu tun hat", schildert der Regisseur.

Leidenschaftliches Team, starke Förderer

"Der taumelnde Kontinent" ist eine Produktion von DOR Film, ORF, ZDF/3sat und AUTENTIC, gefördert von Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien. DOR-Film-Produzent Dr. Kurt Stocker bedankte sich im Rahmen der Präsentation beim gesamten Team, das mit großer Leidenschaft an das Projekt gegangen sei, ebenso wie bei den Förderern Fernsehfonds Austria und Filmfonds Wien, ohne deren Unterstützung die Produktion nicht zu realisieren gewesen wäre.

Mehr zum Inhalt der Dokumentation:`

Folge 1 - "Das neue Gesicht Europas":
Der große Konflikt zwischen Tradition und Moderne steht im Mittelpunkt der ersten Folge von "Der taumelnde Kontinent". Während Europas Herrscher noch versuchen, die Zeit stillstehen zu lassen, schaffen die enorme Expansion der Industrie und das Leben in den rapide wachsenden Metropolen völlig neue Realitäten für Alltag, Politik, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft.
Beindruckende Archivbilder und Interviews mit Experten erwecken diese Zeit zu neuem Leben. Autor und Historiker Philipp Blom berichtet über wichtige Ereignisse von Originalschauplätzen in ganz Europa. Zu seinen Gesprächspartnern gehören Historiker und Wissenschafter, aber auch Eduard Habsburg-Lothringen, ein direkter Nachfahre von Kaiser Franz Joseph, und Jekaterina Samuzewitsch von der Band "Pussy Riot". Blom berichtet von einer Periode, in der sich die Welt innerhalb eines Jahrzehnts völlig veränderte, vom Niedergang des Adels, dem Aufkommen des Feminismus, von der abstrakten Kunst und den Erkenntnissen der Quantenphysik. Immer wieder werden die Parallelen zwischen damals und heute sichtbar.

Folge 2 - "Europas Traum und Wirklichkeit":
Der zweite Teil von "Der taumelnde Kontinent" konzentriert sich auf die gewaltigen Auswirkungen der Veränderungen vor 1914 auf die Menschen jener Zeit. Die enorme Expansion der Industrie und das Leben in den großen Städten zwangen die Menschen dazu, sich neu zu erfinden. Kinos und Kaufhäuser, Fahrpläne und Fußballclubs, Faszination Geschwindigkeit und Werbung bestimmten von nun an das Leben von Millionen. Während Arbeiter nur langsam zu mehr Rechten und mehr Lohn kamen, war es für die Mittelklasse eine Zeit des Wohlstands. Ein Teil dieses Wohlstandes wurde auch durch die Ausbeutung der Kolonien erwirtschaftet.
Philipp Blom deckt ebenso die dunkle Seite der europäischen Erfolgsgeschichte auf, wie den grausamen Massenmord im Kongo. Die neuen gesellschaftlichen Realitäten forderten auch neue künstlerische Antworten. Pablo Picasso, Kasimir Malewitsch, Arnold Schönberg, Egon Schiele und Arthur Schnitzler gehörten zu den kreativen Geistern, die Kunst völlig neu definierten.
Das 20. Jahrhundert war bereits in seiner noch heute gültigen Vielfalt geboren worden, als die Folgen der Schüsse von Sarajevo diese rasante gesellschaftliche Entwicklung unterbrachen und die Welt in eine ungeahnte Katastrophe stürzten.

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