Positionierung der ÖH Bundesvertretung zum neuen Lehrer_innendienstrecht

Die Österreichische Hochschüler_innenschaft solidarisiert sich mit den betroffenen Studierenden

Wien (OTS) - "Wir solidarisieren uns mit den betroffenen Studierenden und rufen zur Teilnahme an der Demonstration gegen das neue Lehrer_innendienstrecht auf", stellt Viktoria Spielmann vom ÖH Vorsitzteam klar, "wir weisen auch darauf hin, dass nicht alle Gruppierung, die sich am heutigen Protest beteiligen unterstützenswert sind." Die Kritikpunkte und Forderungen der Bundesvertretung der Österreichischen Hochschüler_innenschaft (ÖH) zum neuen Lehrer_innendienstrecht gehen nicht gänzlich konform mit der Initiative für ein faires Lehrer_innendienstrecht (IFLD).

Aus Sicht der ÖH werden beim Beschluss des neuen Lehrer_innendienstrechts folgende Punkte und Forderungen nicht berücksichtigt:

- die Induktionsphase wird eine enorme Belastung für die Studierenden. Durch das verfrühte Anstellungsverhältnis ergeben sich erhebliche Verschlechterungen im Betreuungsverhältnis. Die ÖH fordert daher, die Induktionsphase in den Master zu integrieren.

- Mentor_innen können nicht mehr länger den Unterricht der ihnen zugewiesenen Junglehrer_innen beobachten, wodurch auch kein Feedback entstehen kann. Neben ihrem Unterricht sollen Mentor_innen weiterhin den Unterricht ihrer neuen Kolleg_innen hospitieren, werden aber nicht freigestellt, bzw. bekommen keine verminderte Unterrichtsverpflichtung, sondern nur eine der beiden vorgesehenen Stunden für Betreuungsarbeiten zugewiesen. In dieser Zeit müssen sie in Zukunft aber bis zu drei, statt einem_r Junglehrer_in betreuen. Somit kann eine qualitative Betreuung nicht mehr garantiert werden.

- Das neue Dienstrecht setzt kaum Anreize die Mentor_innenausbildung zu machen, da die angebotenen finanziellen Zulagen sehr gering sind. Die Übernahme dieser anspruchsvollen Tätigkeit muss mit einer Reduktion in der Lehrverpflichtung einhergehen.

- Das aktuell im Unterrichtspraktikum gegebene Recht auf eine Zuweisung zu einer Schule und damit zur Absolvierung des Praktikums wäre in Zukunft durch das Anstellungsverhältnis nicht mehr gegeben.

- Es bleibt weiterhin die Möglichkeit bestehen, dass Quereinsteiger_innen ohne abgeschlossenes Lehramtsstudium in einer Schule angestellt werden können.

- Da in vielen Bereichen die Unterrichtszeit von 20 oder 22 auf 24 Stunden steigen soll, könnte die Qualität des Unterrichtes massiv leiden, da Lehrer_innen kaum noch individuell auf ihre Schüler_innen eingehen können. Die Tätigkeiten der Lehrer_innen umfassen mehr als reine Unterrichtszeit. Es muss genügend Unterstützungspersonal (2000 Stellen standen zur Diskussion) für andere Tätigkeitsfelder zur Verfügung stehen.

- Die ÖH begrüßt den Anstieg des Einstiegsgehalts bei Pflichtschullehrer_innen. Für den Pflichtschulbereich sind die Angleichungen in der Pädagog_innenbildung NEU eine Aufwertung. Es ist durchaus fair, dass der Pflichtschulbereich, in dem verhältnismäßig die meisten Frauen tätig sind, bei dieser Anhebung des Einstiegsgehalts gut aussteigt. Die Gehaltsanpassung hätte jedoch für Lehrer_innen aus allen Bereichen nach oben und nicht unten erfolgen sollen.

"Für uns als ÖH stellt das neue Lehrer_innendienstrecht keine wirkliche Bildungsreform dar", meint Spielmann. "Aber die Änderungen erzeugen auch Handlungsspielraum für wirkliche Strukturveränderungen, da die alten Mauern zwischen Volksschule, Hauptschule und AHS/BMHS verkleinert werden. Somit muss als nächster Schritt die Einführung der Gesamtschule erfolgen," ergänzt die Studierendenvertreterin. "Außerdem fordern wir auch zusätzliche finanzielle Mittel für den Hochschulsektor, um zukünftig eine qualitative Ausbildung für Lehramtsstudierende zu garantieren", so Spielmann abschließend.

Demonstration gegen das neue Lehrer_innendienstrecht

Wann: heute, 5.Dezember, 18:00 Uhr
Wo: Treffpunkt bei der Unirampe (Hauptgebäude)

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Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH)
Bettina Mühleder
Pressesprecherin
Tel.: +43/676/888522-12
bettina.muehleder@oeh.ac.at
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