Gewerkschaft vida: 100 Unfalltote mehr drohen durch EU-weite Gigaliner-Zulassung

Riesen-Lkw: Aufgrund gewaltiger Ausmaße steigen Häufigkeit und Schwere der Unfälle

Wien (OTS/ÖGB) - Internen vida-Berechnungen zufolge seien durch die EU-weite Zulassung von Gigalinern pro Jahr rund 100 zusätzliche Verkehrstote in Europa zu befürchten, warnt Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Sektion Verkehr in der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida. Heute, Donnerstag, endet die Frist zur Einbringung von Abänderungsanträgen bezüglich der umstrittenen EU-Richtlinie 96/53 EC im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlaments. Mit dieser Richtlinie will die EU-Kommission den grenzüberschreitenden Verkehr von Riesen-Lkw, sogenannten Gigalinern, mit einer Länge von 25,25 Metern und einem Gewicht von bis zu 60 Tonnen erlauben. Die Gewerkschaft vida appelliert deshalb an die Mitglieder des Verkehrsausschusses, der EU-weiten Zulassung von Gigalinern nicht zuzustimmen. ++++

In der internen vida-Berechnung wird davon ausgegangen, dass durch die EU-weite Zulassung von Gigalinern zehn Prozent des Schienengüterverkehrs auf die Straße verlagert werden. Basierend auf bisherigen Erkenntnissen, hätte dies bis zu 100 zusätzliche Verkehrstote pro Jahr in den Mitgliedsstaaten der EU zur Folge. Wäre der Gigaliner-Einsatz rein auf Autobahnen beschränkt, müsste noch immer mit einem Anstieg der Verkehrstoten von 30 bis 40 Opfern im Jahr gerechnet werden, erläutert vida-Verkehrsexperte Heinz Högelsberger.

Die Berechnungen basieren auf folgenden Fakten: Laut offizieller Statistik sterben EU-weit alljährlich rund 5.000 Menschen bei Unfällen mit Lastkraftwagen (Quelle: European Road Safety Observatory, 2012: Traffic Safety Basic Facts 2012 - Heavy Goods Vehicles and Busses). Der Güterverkehr auf der Straße sei ca. um den Faktor 20 unsicherer als jener auf der Schiene. Komplementär zur Bahn würde der Straßentransport EU-weit von 1.756 Milliarden Kilometertonnen (2010) um 2,2 Prozent steigen. Mit der Annahme, dass parallel dazu auch die Opferzahlen steigen, wäre dies ein Plus von 100 Unfalltoten pro Jahr, so Högelsberger.

In diesen Zahlen sei noch nicht berücksichtigt, dass laut Sicherheitsstudien bei Gigalinern wegen ihrer gewaltigen Ausmaße die Häufigkeit und Schwere von Unfällen gegenüber herkömmlichen Lkw zusätzlich ansteige. Dadurch seien weitere Verkehrstote zu befürchten, so der vida-Verkehrsexperte.

Da der Transport auf der Straße durch Gigaliner billiger werden würde, verursachten sinkende Frachtraten zusätzliches Verkehrsaufkommen auf den Straßen. Hiermit würden sich dann auch Transporte rechnen, die bislang wirtschaftlich noch nicht darstellbar gewesen seien. "Der dadurch neu generierte Straßengüterverkehr wurde bislang noch nicht schlüssig in Studien quantifiziert", so Högelsberger: "Dieser dürfte zu weiteren Unfällen und Opfern führen, die in der vida-Berechnung aufgrund ungenauer Datenlage aber noch nicht berücksichtigt werden konnten. Es ist aber eine durchaus berechtigte und realistische Annahme, um die Ausweitung der Gigaliner-Verkehre aus Umweltschutz- und Sicherheitsgründen zu bekämpfen", sagt Högelsberger.

"Es ist unumstritten, dass Gigaliner im Fall einer EU-weiten Zulassung in direkte Konkurrenz zum Schienengüterverkehr treten würden", so Hebenstreit: "Eine Rückverlagerung des Verkehrs von der Bahn auf die Straße wäre nicht nur ein klarer Rückschritt für die Umwelt, sondern leider auch ein umso deutlicher für die Verkehrssicherheit. Wir müssen deshalb verhindern, dass durch Riesen-Lkw zusätzlicher Güterverkehr von der sicheren Bahn auf die deutlich unfallträchtigere Straße gelangt", bekräftigt der vida-Gewerkschafter.

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