Arbeiterkammer: Palmers und die Detektive

Wien (OTS) - Zwei Fälle von skandalösen Überwachungen beschäftigen derzeit die Rechtsschutz-ExpertInnen der AK Wien. Es geht um zwei langjährig bei der Firma Palmers beschäftigte Verkäuferinnen, die beide unabhängig voneinander wegen angeblichen Krankenstands-widrigen Verhaltens fristlos entlassen wurden. Um das festzustellen hat ihnen die Firma Detektive nachgeschickt. AK Expertin Karmen Riedl: "Die fristlosen Entlassungen sind ungerechtfertigt. Weder ein Detektiv mit einer Kamera bewaffnet noch der Arbeitgeber kann entscheiden, was ein Arbeitnehmer im Krankenstand tun darf und was nicht. Das kann nur der Arzt. In beiden Fällen wurde von den behandelnden Ärzten bestätigt, dass keine Bettruhe verordnet wurde. Die betroffenen Frauen durften also die Wohnungen verlassen, zum Beispiel für Erledigungen." In einem Fall war die AK schon erfolgreich. Palmers hat nach Einbringung einer Klage einen Rückzieher gemacht und alle Ansprüche in der Höhe von 26.000 Euro ausbezahlt. Im anderen ist die Sache noch bei Gericht anhängig. Die AK hat Abfertigung und Kündigungsentschädigung in der Höhe von 15.000 Euro eingeklagt.

Die Vorwürfe sind: Eine 31-Jährige, die unter dem Arbeitsstress zusammenbrach, wurde von ihrer Filialleiterin vehement bedrängt, trotz verordnetem Krankenstand arbeiten zu kommen. In der dritten Woche ihres Krankenstandes hatte sie einen Termin beim Arzt, zu dem sie ihre Schwester mit dem Auto brachte. Dabei bemerkten sie, dass sie fotografiert und danach von einem Auto verfolgt wurden. Sie gingen daraufhin zur Polizei, die aber nichts unternahm. Irrtümlicherweise wurde dann nur die Schwester verfolgt, weil offen-sichtlich der Detektiv nicht genau wusste, wie die Arbeitnehmerin aussah. Den ganzen Tag wurde die Schwester in Angst und Schrecken versetzt, weil sie zuerst von einem und später von zwei Autos verfolgt wurde, die dann auch vor ihrem Haus standen. Sie sah auch, wie ein Mann sich an ihrem Auto zu schaffen machte. Daraufhin alarmierte sie wieder die Polizei, die einen Streifenwagen schickte. Die Männer flüchteten daraufhin zu Fuß. Offensichtlich waren das die von der Firma beauftragten Detektive. Kurz darauf erhielt sie die schriftliche Entlassung wegen angeblich Krankenstands-widrigem Verhal-ten. Die Arbeitnehmerin wandte sich an die AK Wien um Unterstützung. Die AK hat gegen dieses skandalöse Vorgehen Klage bei Gericht eingebracht. Jetzt hat die Firma Palmers einen Rückzieher gemacht und alle eingeklagten Ansprüche ausbezahlt.

Im zweiten Fall hat Palmers weniger Einsicht gezeigt, daher muss der Klagsweg weiter beschritten werden. Auch hier gab es eine Überwachung durch einen Detektiv und eine aus Sicht der AK ebenfalls rechtwidrige fristlose Entlassung, die jetzt bekämpft wird.

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