Das Leben ist kein Ponyhof: AK erkämpft fast 15.000 Euro für Stallburschen

Linz (OTS) - Ein Stallbursche aus dem Bezirk Braunau wurde von seinem Arbeitgeber, dem Betreiber eines Ponyhofs in Salzburg, von einem Tag auf den anderen entlassen. Zu Unrecht, sagte die AK. Dazu kamen noch unvorstellbare Arbeitsbedingungen: Der Mann musste in einem Holzverschlag hausen. Die AK ging für den Arbeitnehmer vor Gericht. Mit Erfolg: Der Bursche bekam fast 15.000 Euro nachbezahlt.

Knapp acht Monate lang hatte der Stallbursche aus Mauerkirchen im Bezirk Braunau bei einem Ponyhof in Salzburg gearbeitet, als er zu Unrecht von einem Tag auf den anderen entlassen wurde. Er habe einen Zaun nicht schnell genug repariert, sodass ein liebestoller Hengst zu den läufigen Stuten gelangen konnte, so die haarsträubende Begründung.

Die AK Braunau nahm sich des Falles an - und stieß auf Details, die selbst hartgesottene Rechtsexperten verblüfften: Der Arbeitnehmer hatte monatelang in einem Holzverschlag gehaust, den ihm der Chef als "Dienstwohnung" zur Verfügung gestellt hatte.

Für das Erledigen seiner Aufgaben - Ausmisten, Pferde, Ziegen und Hühner füttern - bekam er jedes Monat 600 Euro bezahlt. "Und das für 40 Stunden Arbeit", sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. "Ein klarer Fall von Unterbezahlung." Zudem hatte der Ponyhof-Betreiber dem Burschen auch die Dienstgeberbeiträge zur Sozialversicherung in Rechnung gestellt.

Die AK Braunau forderte den Unternehmer auf, dem jungen Mann seine offenen Ansprüche auszuzahlen: einen Ausgleich für die monatelange Unterentlohnung, die einbehaltenen Dienstgeberbeiträge, offenen Lohn, Sonderzahlungen und Urlaubsersatzleistung, nicht bezahlte Überstunden sowie eine Entschädigung für die fristwidrige Kündigung. Weil er zu 60 Prozent behindert ist, gebührte ihm ein Schadenersatz in Höhe von sechs Monatslöhnen.

Daraufhin ging der Unternehmer in die Gegenoffensive: Der Stallbursche habe nur zwei Stunden am Tag gearbeitet. Die Hütte sei so sauber gewesen, dass er vom Boden hätte essen können. Der Chef verlangte Kost und Logis zurück.

Weil aber der Arbeitnehmer die Hütte fotografiert hatte, konnte er beweisen, dass sein früherer Chef gelogen hatte. Zu essen bekam er nur etwas, wenn hin und wieder am Hof was übrig blieb. Mit seinen schriftlichen Aufzeichnungen konnte er zudem belegen, dass er mindestens acht Stunden am Tag gearbeitet hatte.

Wegen der guten Beweislage war die AK-Initiative gegen den Ponyhof erfolgreich: Der Stallbursche, der inzwischen einen neuen Job hat, kam zu seinem Recht und erhielt mehr als 15.000 Euro nachbezahlt.

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