"Kulturmontag" am 2. Dezember: Deneuve-Hommage, Alice Schwarzers Kampf gegen Prostitution und Sofiensäle-Eröffnung

Außerdem: "art.film"-Drama "Milk" zum Internationalen Welt-Aids-Tag

Wien (OTS) - Eine Hommage an die die Grande Dame des französischen Films Catherine Deneuve, Alice Schwarzers Kampf gegen Prostitution und die Wiederbelebung der Sofiensäle - das sind nur einige der Themen, denen sich der "Kulturmontag" mit Martin Traxl am 2. Dezember 2013 um 23.10 Uhr in ORF 2 widmet. Zum Internationalen Welt-Aids-Tag bringt ORF 2 im "art.film" (0.10 Uhr) das Drama "Milk" - Gus Van Sants mitreißende Biografie des Gay-Rights-Aktivisten Harvey Milk. Hauptdarsteller Sean Penn und Drehbuchautor Dustin Lance Black wurden dafür mit dem Oscar ausgezeichnet. Anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember zeigt ORF III einen Programmschwerpunkt - Infos dazu sind unter http://presse.ORF.at abrufbar.

Wimpern-Schlag: Catherine Deneuve - Die Grande Dame wird für ihr Lebenswerk ausgezeichnet

Francois Truffaut hat ihre Augen als Seen bezeichnet. Man möchte in sie tauchen, droht aber, in ihnen rettungslos zu ertrinken. Catherine Deneuve kann in einen Wimpernschlag erotische Verheißung und zugleich eiskalte Berechnung legen. Es ist ihre Schönheit, hinter der sich Abgründe aufzutun scheinen, die sie für die ganz großen Regisseure so interessant und begehrenswert macht. Polanski inszenierte sie als schizophrene Mörderin, Luis Bunuel als skandalös teilnahmslose Prostituierte. Mehr als 50 Jahre dauert die Karriere von "La Deneuve" schon an. Sie wurde zur schönsten Frau der Welt gekürt, gab die Femme fatale und den bisexuellen Vampir. Ihre Büste zierte jahrelang sämtliche französische Rathäuser. Deneuve mischt sich immer wieder gesellschaftspolitisch ein, macht sich für Frauenrechte und gegen die Todesstrafe stark. Ihr Diktum, sie sei simpler gestrickt als man glaube, kann daher nur als Tiefstapelei interpretiert werden. Vor kurzem wurde sie 70. Am 7. Dezember wird sie mit dem Europäischen Filmpreis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Der "Kulturmontag" mit einer Hommage.

Rotlicht-Alarm: Alice Schwarzers Kampf gegen Prostitution -Sex-Arbeit verbieten oder die Rechte von Prostituierten stärken?

"Halt die Klappe, Alice!", stand da auf Transparenten zu lesen. Tumultartige Szenen spielten sich auf dem Podium ab, aufgebrachte Sex-Arbeiterinnen brüllten ihren Unmut heraus und pochten auf ihre Selbstbestimmung. Zum Schluss blitzte ein blanker Unterleib auf. Alice Schwarzer ist Gegenwind gewöhnt, doch mit so lautem Protest hat sie wohl nicht gerechnet. Was war geschehen? Vor kurzem stellte die Paradefeministin ihr neues Buch "Prostitution - ein deutscher Skandal" vor. Tenor: Prostitution käme moderner Sklaverei gleich und müsse endlich verboten werden. In Schweden ist dies längst der Fall. Dort steht der Erwerb sexueller Dienste unter Strafe, sprich: wird ein Freier erwischt, muss er mit Geldstrafen oder Gefängnis bis zu einem Jahr rechnen. In Frankreich geht ein ähnlicher Gesetzesentwurf in Begutachtung. Doch ist eine Gesellschaft ohne Prostitution überhaupt denkbar? Lässt sich Sex-Arbeit durch Verbote tatsächlich ausmerzen oder wird sie dadurch nur marginalisiert und kriminalisiert - zum Nachteil der Sex-Arbeiterinnen? Aus den Augen aus dem Sinn scheint derzeit der Standpunkt der Wiener Stadtpolitik zu sein. Obdachlose, Drogensüchtige, Prostituierte - sie alle werden aus dem Straßenbild verbannt. Der Wiener Straßenstrich spielt sich fast nur noch an einer kaum belebten Autobahnauffahrt ab - oft ist dort Gefahr im Verzug. Wichtiger als über ein Verbot nachzudenken sei es, Arbeitsbedingungen und den Schutz von Prostituierten zu verbessern, lautet ein Gegenentwurf zu Alice Schwarzer. Der "Kulturmontag" über einen in rotes Licht getauchten Richtungsstreit.

Sofiensäle: Phönix aus der Asche - 12 Jahre nach dem Brand endlich wiederbelebt

Eigentlich verdankt Wien die traditionsreichen Sofiensäle dem ersten Wellnessboom vor 175 Jahren: Ein böhmisch-jüdischer Kaufmann hatte die Idee, ein russisches Dampfbad, damals eine Novität, ideal für Asthmatiker und Menschen mit Bronchitis, zu bauen. Das war so erfolgreich, dass er sieben Jahre später die Staatsopern-Architekten van der Nüll und von Sicardsburg beauftragte, ein Hallenschwimmbad zu bauen. Im Winter konnte man das Becken abdecken und die Halle in einen Ballsaal verwandeln. Tanzen war bald beliebter als Schwimmen, eine Party-Location war geboren: Live-Musik mit Strauß, Lanner und Co. Und das blieben die Sofiensäle dann mehr oder weniger unverändert bis 2001, als sie bei Reparaturarbeiten am Dach völlig ausbrannten. Was die nächsten zehn Jahre passierte - nämlich nichts - ist kein Ruhmesblatt für die Stadt Wien. Aber jetzt, mehrere Besitzerwechsel und 50 Millionen Euro später, erstrahlen sie wieder in neuem Glanz. Der "Kulturmontag" hat sich die neuen alten Sofiensäle angesehen, die Historiker Georg Markus und Anna Ehrlich erzählen Anekdoten und Geschichte der Wiener Institution.

Der "Kulturmontag" ist als Live-Stream und nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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