ÖMB fordert gedrosselte energetische Zielwerte und Bekämpfung der Energiearmut

Neue deutsche Koalition als Vorbild für Baukostensenkungspotential

Sankt Pölten (OTS) - Die Anzahl der Personen die unter Energiearmut leiden - also Personen mit unterdurchschnittlichem Einkommen und überdurchschnittlichen Energiekosten - wird immer größer, zeigt sich ÖMB-Präsident Puchebner besorgt.

Daher sollte in einem ersten Schritt der Fokus der Sanierungsmaßnahmen darauf gerichtet sein, dass es in 5 Jahren keinen Wohnbestand mehr gibt, der mehr als 100 kWh/m2a Heizwärmebedarf (bezogen auf eine Gebäudekompaktheit von A/V 0,4) aufweist und somit die Energieschleudern unter den Wohnungen beseitigt sind, fordert der Mieter- und Wohnungseigentümerbund-Präsident. Für die Länder könnte sich damit auch die Zahl an Sozial- und Heizkostenzuschuss-Empfänger deutlich verringern.

Das ständige Hinauf lizitieren von energetischen Standards im Neubau und Bestand lehnt KR Helmut Puchebner ab angesichts der Resultate einer Studie des Österreichischen Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen, die besagen, dass "die sukzessive Steigerung der Energieeffizienz sich in einer Erhöhung der Bau- und Bewirtschaftungskosten (Wartung etc.) niederschlägt, welche die Leistbarkeit von Wohnraum unter großen Druck bringt und dass bei Niedrigstenergiebauten und Passivhäusern die für diesen Bautyp zusätzlich erforderlichen Kosten auch in einer Langfristbetrachtung über den geringeren Energieverbrauch nicht kompensiert werden können".

Angesichts eines bevorstehenden nationalen Energieeffizienzprogrammes aufgrund von EU-Vorgaben fordert der ÖMB-Präsident, dass die Anforderungen an energetischen Sanierungsmaßnahmen in Wohnbauförderungsbestimmungen, Bauordnungen und sonstigen Energiezielen so gestaltet sind, dass der Refinanzierungszeitraum nicht die Lebensdauer der Maßnahmen übersteigt, sodass der Bewohner letztlich doch auch noch von einer finanziellen Entlastung aufgrund der Energieeinsparung profitieren kann.

Dazu ermuntert Puchebner die österreichischen Koalitionsverhandler, sich die neue deutsche Bundesregierung zum Vorbild zu nehmen, die in ihrem Koalitionsprogramm eine Baukostensenkungskommission damit beauftragt, "preistreibende und überdimensionierte Standards und Kosten von Materialien und Verfahren insbesondere der energetischen Sanierung" zu überprüfen und zudem die "ordnungsrechtlichen Vorgaben nicht weiter verschärfen und ihre Wirkungen evaluieren" wird.

Das freiwillige Erreichen höherer thermischer Standards ist natürlich zu begrüßen, solange die Betroffenen dabei nicht auf einem Schuldenberg sitzen bleiben, weil sich die Energieeinsparungen nicht in dem erhofften Ausmaß einstellen, meint Puchebner und befürwortet daher Anreizsysteme auch steuerlicher Natur, die ambitioniertere ökologische Ziele verwirklichen helfen.

Eine insgesamt zielgruppengenaueres Fördersystem fände Puchebner ebenfalls wünschenswert: Einkommensbezieher egal in welcher Wohnform, für die steuerliche Anreize besonders interessant sind -eventuell auch gestaffelt nach energetischen Zielsetzungen; einfach strukturierte Sanierungsschecks für Personen, die rasch ihr Eigentum (teil-)sanieren wollen; professionelle Immobilienbesitzer, die mit klassischen Förderungsmitteln und deren Auflagen zurechtkommen können etc.

KR Puchebner will mit dem Wunsch nach verstärkten steuerlichen "Zuckerln" für energetische Sanierungen keinesfalls die Sparziele der künftigen Bundesregierung gefährden, sondern weist darauf hin, dass neben den Beschäftigungseffekten und vermehrten Steuereinnahmen auch leichter Einsparungen bei Strafzahlungen für Nichterreichen von Klimazielen zu erreichen sind und die Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten (Öl, Gas) für die Handelsbilanz von Vorteil ist und auch ein von der EU angepeiltes Ziel darstellt.

Natürlich müsse auch die Weiterführung der öffentlichen Wohnbauförderung, auf einem bedarfsgerechten Niveau sowie leistbaren Anforderungen und sinnvollen Zielvorstellungen, gesichert werden, betont Präsident KR Puchebner abschließend.

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Österreichischer Mieter-, Siedler- und Wohnungseigentümerbund (ÖMB)
Präsident KR Helmut Puchebner
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