"Mama Illegal" im ORF: TV-Premiere für vielfach preisgekröntes Kinodebüt von Ed Moschitz am 1. Dezember im "dok.film"

Wien (OTS) - Mütter sind zu allem bereit, wenn sie damit ihre Familie retten können: Das zeigt der vielfach preisgekrönte Dokumentarfilm "Mama Illegal" des renommierten ORF-Journalisten und -Filmemachers Ed Moschitz, der am Sonntag, dem 1. Dezember 2013, im Rahmen von "dok.film" um 23.05 Uhr in ORF 2 seine TV-Premiere feiert. In seinem ebenso berührenden wie erschütternden Kinodebüt, das ursprünglich als "Am Schauplatz"-Reportage angelegt war und sich zu einem abendfüllenden Filmprojekt entwickelte, thematisiert Moschitz das soziale Ungleichgewicht in Europa anhand des Schicksals dreier moldauischer Frauen und ihres tragischen Lebens im Westen. Die Protagonistinnen Aurica, Raia und Natasa stehen stellvertretend für sehr viele Frauen, die Schleppern all ihre Ersparnisse geben und auf ihrer Reise nach Westeuropa gar ihr Leben riskieren, nur um dort illegal arbeiten und dadurch ihren Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen zu können. Sie gehen dabei viele Gefahren ein, werden oft ausgebeutet, leben in Angst entdeckt und abgeschoben zu werden und müssen oft erleben, dass die Familie, die sie zurückgelassen haben, zerbricht.

Mehr als sieben Jahre lang hat Ed Moschitz die drei Frauen Aurica, Raia und Natasa für seinen Film "Mama Illegal" begleitet. Die Kamera war bei Schicksalsschlägen ebenso dabei wie bei Momenten der Freude. Aber was ist seit der Kinopremiere vor einem Jahr geschehen? Anlässlich der TV-Ausstrahlung des Films, der vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanziert wurde, stellte sich der Filmemacher gemeinsam mit zwei seiner Protagonistinnen den Fragen der Journalisten.

Ed Moschitz: "Wir beteiligen uns auch an einem Familienzerstörungsprozess"

"Es ist ein großes europäisches Problem, dass die Frauen in vielen verschiedenen Ländern Westeuropas putzen gehen und ihre Familie zurücklassen müssen", sagt Moschitz. "Diese Menschen haben kaum die Möglichkeit, das 'Richtige' zu tun. Sie befinden sich in der Tat in einem Dilemma. Bleiben sie dort, erreichen sie nichts. Gehen sie weg, riskieren sie, dass ihre Familie daran zerbricht." Und: "Mich persönlich hat das Thema sehr bewegt, auch weil ich selbst zwei Kinder habe. Viele von uns beschäftigen diese Frauen und wissen aber nichts über sie. Wir wissen nicht, dass sie ihre Familien daheim gelassen haben oder dass wir uns auch an einem Familienzerstörungsprozess beteiligen. Ich wollte den Frauen eine Stimme geben. Sie haben niemandem, mit dem sie über ihre Sorgen und Probleme reden können. Deshalb wollte ich ihre Geschichte an die Öffentlichkeit bringen."

"Mama Illegal" feierte 2011 Premiere im Hauptwettbewerb des IDFA (International Documentary Film Festival) in Amsterdam. Kinostart in Österreich war Ende September 2012. Seither war der Film auf mehr als 20 Festivals weltweit zu sehen und wurde u. a. beim Brüsseler Menschenrechtsfilmfestival One World mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Weiters waren der Filmemacher und zwei seiner Protagonistinnen zur Präsentation der Dokumentation ins EU-Parlament geladen, wo sie im Anschluss an einer Diskussion zu Thema illegale Migration und Menschenhandel teilnahmen. Doch dieser Besuch war für Ed Moschitz und seine Begleiterinnen eher enttäuschend: "Es waren zwar viele Wissenschafter und Menschen, die im Migrationsbereich arbeiten dabei, ca. 80 Personen, was doch bedeutend war, aber darunter leider nur fünf Parlamentarier. Dafür, dass Millionen dieser Frauen ohne Papiere im EU-Raum sind, hat das Thema von den Parlamentariern wenig Aufmerksamkeit erhalten. Faktum ist: Wer kein Wahlrecht hat und keine Lobby, wird dort auch nicht gehört", so Moschitz. Dennoch ist er nicht unzufrieden: "Man darf sich nicht erwarten, dass ein Film gleich die Welt verändert, aber es sind die kleinen Dinge, die wichtig sind. Jeder, der so eine Frau beschäftigt und sich für sie und ihr Schicksal interessiert, hat schon ein Stück erreicht."

Aurica: "Österreich ist meine zweite Heimat geworden"

Seine Protagonistin Aurica äußert sich ebenfalls zum Thema: "Als Ed mich gefragt hat, ob wir eine Reportage über meine interessante Geschichte machen, habe ich meine Familie nach ihrer Meinung gefragt. Sie sagten: Warum nicht? Lasst die Leute wissen, wo wir herkommen, welche Situation wir in unserer Heimat haben und warum wir unsere Kinder zurücklassen und so lange wegfahren!" Über ihre Erfahrungen in Österreich kann sie nur gut berichten: "Ich war ein fremder Mensch in einem fremden Land, aber mittlerweile ist Österreich meine zweite Heimat geworden. Ich bin allen Menschen sehr dankbar, die mich arbeiten ließen. Ich habe immer das befolgt, was mir meine Schwester sagte: Wir müssen immer ordentlich und brav sein, um nicht aufzufallen! Deshalb habe ich immer versucht ordentlich zu sein, und zum Glück ist mir nie etwas passiert", erzählt Aurica, die in vielen Lebenslagen Angst hatte. "Ich habe mich nicht mal getraut, auf der Straße zu telefonieren, weil ich Angst hatte, erkannt zu werden. Und ich habe auch immer einen Fahrschein gekauft", berichtet die Mutter zweier bereits erwachsener Kinder.

Der aktuelle Status der Protagonistinnen

Aurica lebt aktuell in Wien und wartet immer noch auf ihren rumänischen Pass. Ihre beiden Kinder, Diana und Victor, haben diesen bereits. Aurica reist noch mit einem Visum, das jeweils auf maximal sechs Monate begrenzt ist. Diana wird ab 1. Jänner 2014 eine Arbeitsstelle als Reinigungskraft bei einer Wiener Public-Relations-Agentur bekommen.
Natasa wohnt seit Anfang November wieder in Wien, besitzt bereits einen rumänischen Reisepass und wird mit 1. Jänner kommenden Jahres eine Arbeitsstelle als Reinigungskraft in einem Wiener Spital bekommen. Die Anstellungen mit Stichtag 1. Jänner 2014 sind möglich, da mit diesem Tag die Arbeitsbeschränkungen für Staatsbürger der Republik Rumänien fallen.
Raia lebt wieder in Bologna und hat mittlerweile eine Arbeitsbewilligung für Italien bekommen. Ihre Nichte Lena hat in der Zwischenzeit in einem Altenheim nahe Bologna zu arbeiten begonnen. Raia hat sich nach ihrer Rückkehr in ihr Heimatdorf von ihrem Mann getrennt. Ihre Tochter Lenutza lebt derzeit bei ihr in Bologna, der Sohn Mihail ist beim Vater in Moldau geblieben.

"Mama Illegal" ist eine Golden Girls Filmproduktion, hergestellt mit Unterstützung des Österreichischen Filminstituts, des ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens, des Filmfonds Wien und des Landes Steiermark. Weitere Informationen zum Film sind unter http://presse.ORF.at oder http://mamaillegal.com abrufbar.

Zur Person Ed Moschitz

Ed Moschitz, geboren 1968 in Judenburg, ist seit 1996 für den Österreichischen Rundfunk tätig: von 1996 bis 1999 als Radioredakteur bei FM4 und Ö1, ab 1998 bis 2013 für die erfolgreiche TV-Reportagereihe "Am Schauplatz", für die er rund 100 Sendungen in der Länge von 30 und 45 Minuten produzierte. In diesem Rahmen entstand auch die Idee zum Projekt "Mama Illegal", das sich letztendlich zu einem abendfüllenden Kinofilm entwickelte. Seit 2013 ist Ed Moschitz in der ORF-Dokumentarfilmabteilung, Redaktion "Menschen & Mächte", beschäftigt.

Sein nächstes Filmprojekt, das er gemeinsam mit Edith Stohl gestaltete, ist am Mittwoch, dem 4. Dezember, um 22.30 Uhr in ORF 2 auf dem Programm: In der "Menschen & Mächte"-Dokumentation "Trinkfest" werfen die Filmemacher einen nüchternen Blick auf das Trinkverhalten in unserem Land. Eine Nation, die sich auch die Frage stellen muss: Wie viel Abstinenz vertragen wir Österreicherinnen und Österreicher eigentlich? Der Film führt auch durch die Kulturgeschichte des Alkohols und untersucht nicht nur Zusammenhänge zwischen Wirtschaftskrise und steigendem Alkoholkonsum, sondern thematisiert auch die Frage: Welche Berufsgruppen sind besonders gefährdet?

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