WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein Bonus kann für alle gelten - von Isabell Widek

Manager sollen gut verdienen, das aber auch ihren Mitarbeitern gönnen

Wien (OTS) - Eine Situation, wie sie Tag für Tag vorkommt: Ein Mitarbeiter fragt nach einer Gehaltserhöhung. Diese wird vom Vorgesetzten mit der Begründung abgelehnt, dass es um die wirtschaftliche Performance des Betriebes nicht optimal bestellt sei. Weniger alltäglich ist hingegen das: Ein Mitarbeiter erfährt durch eine Indiskretion das monatliche Einkommen (alternativ: die Kosten für den neuen Firmenwagen) des Geschäftsführers und ist schockiert:
Während ihm 100Euro mehr im Monat verwehrt werden, bewegt sich der Unternehmenslenker in (Verdienst-)Höhen, die die geforderte Summe lächerlich erscheinen lassen.

Kleinvieh macht auch Mist? Und wenn jeder Mitarbeiter jeden Monat 100Euro mehr bekommt, ist die Gesamtsumme nicht mehr leistbar fürs Unternehmen? Natürlich haben Sie recht.

Es muss in Österreich (wie überall) erlaubt sein, ein der Position angepasstes Einkommen nach Hause zu bringen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Das gilt für Top-Manager genauso wie für kleine Angestellte. Wer etwas leistet, soll auch entsprechend entlohnt werden, ohne Beschränkungen. Woran es hakt, ist-wie immer-die Transparenz. Wir leben in einem Land, in dem niemand (und schon gar nicht ehrlich) über sein Einkommen spricht. Die Gehaltssummen, die in jeder Firma gerüchteweise im Umlauf sind, sind im Regelfall viel zu hoch angesetzt. Würden die Arbeitnehmer der Tausenden kleinen und mittleren Betriebe erfahren, dass ihr Chef gar nicht so dramatisch viel mehr verdient, wäre es aus und vorbei mit der Neiddebatte.

Scheinbar ist vielen Führungskräften aber nicht so wichtig. Denn anders ist nicht zu erklären, warum über einen für Manager so wichtigen Gehaltsbestandteil, den Bonus, so gut wie immer der Mantel des Schweigens gebreitet wird. Empfänger, Höhe, Anspruchsvoraussetzungen und Auszahlungsmodus sind das Top-Geheimnis einer jeden Chefetage (siehe auch Schwerpunkt auf Seite 2).Häufig macht die Art der Verteilung zudem den Grundgedanken des variablen Gehaltsbestandteils obsolet. Als Anreiz für Mehrleistungen über das Basisgehalt hinaus gedacht, wird der Jahresbonus von vielen Führungskräften als fixer Bestandteil ihres Einkommens gesehen, eingepreist und ausgezahlt.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Manager sollen ruhig sehr gut verdienen. und Boni kassieren. Sie sollen das im Gegenzug aber auch ihren Mitarbeitern gönnen-und nicht, ohne nachzudenken, jede noch so kleine Gehaltsforderung abschmettern.

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