Neue Studie zeigt alarmierende Entwicklung auf: 78.000 Jugendliche ohne Job, ohne Ausbildung, ohne Schulung

Linz (OTS) - Das Problemausmaß der Jugendarbeitslosigkeit wurde bisher unterschätzt. Einer neuen, heute in der Arbeiterkammer Oberösterreich präsentierten Studie zufolge sind in Österreich 78.000 junge Menschen in einem NEET-Status. NEET steht für Not in Education, Employment or Training - sie sind weder in Beschäftigung noch in Ausbildung noch in einer Schulungsmaßnahme. In Oberösterreich sind aktuell rund 10.000 junge Menschen betroffen. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert Investitionen in die Zukunft der Jugend.

"Bei alleiniger Betrachtung der Jugendarbeitslosenquote wird das Problemausmaß unterschätzt", so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. "Es muss der Blick auf jene Jugendlichen gerichtet werden, die zum Beispiel aufgrund der Aussichtslosigkeit am Arbeitsmarkt oder aufgrund von Krankheiten derzeit keine Arbeit suchen. Speziell sie müssen unterstützt und an den Arbeitsmarkt wieder herangeführt werden." Diesen Blick ermöglicht der sogenannte NEET-Indikator.

Das Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften erforschte erstmals gemeinsam mit dem Institut für Soziologie der Universität Linz (Prof. Bacher) und dem Institut für Berufs- und Erwachsenbildung im Auftrag des Sozialministeriums das Phänomen NEET. In Österreich stehen rund 78.000 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren außerhalb von Strukturen, die persönliche Berufs- und Lebensperspektiven bieten. Das sind 8,6 Prozent dieser Altersgruppe.

"Wenn man über Jugendarbeitslosigkeit abseits der geläufigen Statistiken spricht, müssten zur Anzahl an NEET-Jugendlichen auch noch Schulungsteilnehmerinnen und Schulungsteilnehmer hinzugezählt werden. Damit sind in Österreich über 100.000 junge Menschen ohne Beschäftigung", rechnet AK-Präsident Kalliauer vor.

In der Europäischen Union gibt es derzeit fast 7,7 Millionen NEET-Jugendliche unter 25 Jahren - eine alarmierende Situation: Denn Jugendliche, deren Probleme vom politischen System nicht gelöst werden, werden sich von diesem System irgendwann abwenden. Bei dem aktuellen Problemausmaß scheint der Boden für die europäischen Demokratien zerrüttet. "Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit muss daher oberste Priorität haben, sowohl in der Europäischen Union als auch in Österreich", so AK-Präsident Kalliauer in Richtung der politischen Entscheidungsträger/-innen.

Aber auch auf die Wirtschaft hat die Situation gewaltige Auswirkungen: "Während Unternehmen über Fachkräftemangel jammern, liegen hier große Ressourcen und Potentiale brach", zeigt Kalliauer auf.

Auch wenn die Ursachen für NEET vielfältig sind, scheint das zentrale Problem die Knappheit an Arbeitsplätzen für gering Qualifizierte zu sein. Rund die Hälfte (51,2 Prozent) der NEET-Jugendlichen sind gleichzeitig frühe Schulabgänger/-innen. Aus Sicht der AK braucht es daher sowohl Investitionen zur Verbesserung der Schulinfrastruktur (Ausbau von qualitätsvollen Ganztagsschulen, zusätzliche Ressourcen für Schulstandorte mit sozial benachteiligten Kindern) als auch arbeitsmarkt- und konjunkturpolitische Maßnahmen. Eine Win-Win-Situation würde beim Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuungsinfrastruktur vor allem für die Unter-Dreijährigen entstehen. "Dies würde einerseits NEET-Jugendlichen mit Betreuungspflichten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Ausbildung erleichtern, gleichzeitig entstehen neue Arbeitsplätze", erklärt AK-Präsident Kalliauer. "Die Investitionen in sozialstaatliche Leistungen würden sich in kürzester Zeit budgetär rechnen, da es für unsere Gesellschaft nichts teureres als Jugendarbeitslosigkeit gibt."

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