VÖZ-Diskussion: Bildung muss der 'digitalen Kluft' entgegen wirken

Die Veranstaltung findet heute, Freitag um 14:45 Uhr bei der "Buch Wien 2013" (Messe Wien, ORF-Bühne, Halle D) statt.

Wien (OTS) - Der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) veranstaltet heute, Freitag bei der "Buch Wien 2013" eine Podiumsdiskussion zur Zukunft der Bildung. Es diskutieren unter der Moderation von Nicole Thurn vom "Kurier" der Psychologe Aljoscha Neubauer, der Autor Andreas Salcher und der Erziehungswissenschaftler Karl Heinz Gruber.

Aljoscha Neubauer vom Institut für Psychologie der Universität Graz betonte dabei im Vorfeld: "Digitale Medien sind aus der heutigen Welt (vor allem Jugendlicher) nicht mehr wegzudenken. Der Zugang zu Bildungsinhalten ist dadurch erheblich leichter als früher. Allerdings sind auch immer mehr ungefilterte und unzuverlässige Informationen verfügbar. Viel Wissen, das im Internet aufrufbar ist, geht auf nicht seriöse Quellen zurück. (Schulische) Bildung hat daher auch heute noch die Funktion, ein kritisches Grundwissen darüber aufzubauen, wann bzw. auf Grundlage welcher Kriterien ich einer Quelle trauen kann und wann nicht. Daher ist die kritische Reflexionsfähigkeit gerade im Umgang mit digital verfügbaren Inhalten von zunehmender Bedeutung. Die Schulung einer kritischen Reflexionsfähigkeit fördert die individuelle Intelligenz, welche wiederum eine Voraussetzung für Kreativität und Innovation darstellt. Kreativität ist die zentrale Ressource der Innovation, ohne die Länder wie Österreich im globalen Wettbewerb schwer werden bestehen können. Daher sollte uns Begabungsförderung ein zentrales Anliegen sein."

Der Autor Andreas Salcher nennt mit der Website www.khanacademy.org ein Beispiel für die "Revolution des Lernens". Salman Khan stellte 3.200 Videos von jeweils zehn Minuten Länge online. Zehn Minuten, weil das die maximale Aufmerksamkeitsspanne für die meisten Schüler ist. Die Videos führen auf einfache Weise in Mathematik, Naturwissenschaften und Geschichte ein. Bisher wurden über 160 Millionen Lektionen absolviert. Dafür hätte man circa 1,280.000 Lehrer benötigt. "Innovative Plattformen wie die Khan Academy ermöglichen allen Schülern, sich die besten Lehrer der Welt als die ihren auszuwählen, kostenlos und wann immer sie wollen.

Warum sollte sich ein in Mathematik schwacher Schüler weiterhin mit einem pädagogisch noch schwächeren Mathematiklehrer plagen, wenn er einmal entdeckt hat, dass er von Salman Khan alles von den Grundrechnungsarten bis zur Integralrechnung in seiner Geschwindigkeit lernen kann?" Salcher ergänzt: "Gute Lehrer wissen, dass sie unersetzbar sind. Sie können sich aber von der Notwendigkeit langer Frontalvorträge befreien und ihre Rolle neu definieren. Sie motivieren ihre Schüler, die nächste Lektion zu Hause vorzubereiten, um in der Klasse dann mit ihnen zu üben. Damit gewinnen Lehrer viel Zeit, sich tatsächlich individuell um Schüler kümmern zu können und sich nicht wie im klassischen Unterricht unbewusst immer auf die besten oder schlechtesten zu konzentrieren."

Erziehungswissenschaftler Karl Heinz Gruber von der Universität Wien fragt nach der Tauglichkeit unseres Bildungssystems im Hinblick auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: "Wie kann man sicherstellen, dass das Lernpotenzial der modernen Informationstechnologie für das schulische Lernen und den Unterricht angemessen genutzt wird, ein kritischer, 'emanzipatorischer' Umgang erlernt wird und der Entstehung einer 'digitalen Kluft' entgegengewirkt wird? Soll das Schulsystem weiterhin die frühe Auslese beibehalten und so tun, als könnte man bei Neuneinhalbjährigen die zukünftige Eignung für die Matura diagnostizieren, oder soll man - wie die meisten europäischen Länder - eine gemeinsame Sekundarstufe I einführen, die bis zum Ende der Schulpflicht für alle Kinder die Bildungskarrieren offen hält, indem sowohl hochbegabte wie leistungsschwache Kinder durch Wahlfächer und Förderkurse differenziert gefördert werden?"

Nadja Vaskovich, Geschäftsführerin von Zeitung in der Schule (ZiS) und vom VÖZ-Board Lesermarkt, ergänzt: "Eine Bildungsreform ohne begleitende Maßnahmen in der Förderung der Medien- und Leseförderung ist nur die halbe Miete. Österreich braucht, um international wettbewerbsfähig zu bleiben, kreative und informierte Menschen, die über den Tellerrand blicken können. Wir wissen aus Untersuchungen, dass sich das Themeninteresse junger Menschen, die keine Zeitungen lesen, erheblich eingeengt hat. Sie wenden sich nur noch bedarfs-, ereignisorientierten und unterhaltenden Medienangeboten zu, das Interesse an Politik und Wirtschaft schwindet. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Vermittlung von Medienkompetenz eine zentrale gesellschaftliche Ausgabe darstellt." Darüber hinaus gibt Vaskovich zu bedenken: "Wenn Familien ihren Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit Medien nicht erklären, muss die Schule einspringen. Österreichs Kaufzeitungen und -magazine unterstützen die Pädagogen bei ihrer verantwortungsvollen Aufgabe und erreichen mit Projekten des Vereins 'Zeitung in der Schule' schon heute zehn Prozent der Schüler." Um dieses Programm auszuweiten, fordert Vaskovich die Aufstockung der ZiS-Mittel im Rahmen der Presseförderung auf zumindest zwei Mio. Euro.

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