Kult & Kultur Ikonen/ 27. November 2013 bis 12. Januar 2014

Vaduz (ots) - Ikonen sind Kultus- und Heiligenbilder, besonders
der orthodoxen Ostkirchen des byzantinischen Ritus. Die meist auf Holz gemalten Bilder sind kirchlich geweiht und haben für die Theologie und Spiritualität der Ostkirchen eine sehr grosse Bedeutung.

An der Sammlung Wemhöner-Grabher ist mehr noch als diese Materialbreite und die damit verbundene Varietät der handwerklichen und künstlerischen Formen das Beeindruckende, dass sie einen umfassenden Eindruck von der russischen Sakralkunst vor allem seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur bolschewistischen Machtergreifung 1917 vermittelt. Es handelt sich mit über 700 Einzelstücken um eine der grössten und bedeutendsten Privatsammlungen ausserhalb Russlands.

Zwar finden sich in der Sammlung auch einige sehr bemerkenswerte und künstlerisch wie kulturgeschichtlich wertvolle Ikonen aus dem 17. Jahrhundert (die älteste dürfte sogar in die Zeit um 1600 zu datieren sein) wie auch aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Mehrzahl der Werke stammt jedoch aus der Zeit von etwa 1750 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit erlebte die russische Sakralmalerei eine Reihe verschiedener neuer Einflüsse, die sich mit der überkommenen Ikonenkunst verbanden und zum Entstehen ganz neuer ikonographischer Motive bzw. zu einer weitgehenden Überarbeitung der alten Typen und damit zum Entstehen neuer künstlerischer Formen beitrugen.

Dies gilt einmal für die - teils italienisch beeinflusste -akademische Malerei des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, die ihren Platz in zahlreichen russischen Kirchen der Zeit gefunden hat und sich sowohl in ihrer Hochform wie auch in schlichter handwerklicher Nachahmung auf zahlreichen Ikonen der Sammlung Wemhöner-Grabher nachweisen lässt.

Es gilt sodann auch für die Einflüsse der deutschen Nazarener bzw. der Beuroner Schule, deren Verbreitung in Russland in der 2. Hälfte bzw. zum Ausgang des 19. Jahrhunderts von einflussreicher Seite, besonders dem Oberprokuror des Heiligsten Synods Konstantin Pobedonoscev gefördert wurde, der sogar Kunstdruckblätter in diesen Stilen an russische Malschulen verteilen liess. Und es ist schliesslich die neorussische Schule etwa des Kreises um die akademischen Maler Vaznecov und Verescagin, die durch ihre Ausmalungen der Kiever Hl. Fürst-Vladimir-Kathedrale und ihre Mitarbeit an der Moskauer Christus-Erlöser-Kirche vor allem in den städtischen Kreisen Russlands Popularität erlangten und auch in zahlreichen Ikonenmalwerkstätten nachgeahmt wurden.

Die Ausstellung unterscheidet sich deutlich von denjenigen der bisher bereits in Westeuropa existierenden Ikonen-Museen, da diese weitgehend die für das 18. bis 20. Jahrhundert typischen Malstile der russischen Sakralkunst ausklammern und somit nur einen Ausschnitt der russischen Sakralmalerei dieser Zeit bieten.

Eine öffentliche Ausstellung der Sammlung Wemhöner-Grabher schliesst hier eine bedauernswerte Lücke und ist von daher unter kunstgeschichtlichen Gesichtspunkten sehr wünschenswert.

Ikonen, die von diesen Malstilen beeinflusst sind, finden sich in privaten wie öffentlich-musealen Sammlungen ausserhalb Russlands kaum, da in Sammler- und Galeristenkreisen diese Stileinflüsse als westliche Überfremdung abgelehnt wurden. Dennoch gehören sie über zwei Jahrhunderte wesenhaft zur Entwicklung der russischen Sakralkunst. Im 18., 19. und bis weit ins 20. Jahrhundert waren sie in Kirchen und in Privathäusern weit verbreitet anzufinden, häufiger als die im Allgemeinen heute in westeuropäischen Ikonensammlungen anzutreffenden Tafeln im traditionellen byzantinischen Stil, die nicht selten altgläubiger Herkunft sind.

Auch in der gegenwärtigen Renaissance der Kirchenkunst in Russland finden Ikonen dieses Stils in ihrer einzigartigen Verbindung von akademischer und traditioneller Ikonenkunst wieder oft Verwendung.

Die Ausstellung einzelner ausgewählter Stücke der Privatsammlung Wemhöner-Grabher erfolgt erstmalig im Liechtensteinischen Landesmuseum.

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