Wien: Nigerianischer Kardinal warnt vor Pseudodemokratie

Erzbischof von Abuja, Onaiyekan, bei IX. Weltkonferenz von "Religions and Peace"

Wien, 21.11.13 (KAP) Vor dem Hintergrund der zunehmenden Spannungen zwischen Christen und Muslimen in Afrika hat der nigerianische Kardinal John Onaiyekan am Donnerstag in Wien vor einer pseudodemokratischen Sicht über angebliche Mehrheits-Vorrechte gewarnt. Wesentliche Bausteine für Demokratie, Frieden und Gerechtigkeit seien vielmehr der Schutz der Minderheiten und die Achtung der Religionsfreiheit. Onaiyekan äußerte sich bei der IX. Weltkonferenz von "Religions and Peace".

Kardinal Onaiyekan, der die nigerianische Hauptstadt-Diözese Abuja leitet, sagte im Blick auf die Einführung der Sharia in einigen Bundesstaaten seines Heimalandes, Nigeria müsse ein Land bleiben, indem eine Verengung auf eine einziggültige offizielle Staatsreligion verboten sein sollte. Das Land sei ein Zusammenschluss von Dutzenden Ethnien, und es sei religiös "50 zu 50" auf Muslime und Christen aufgeteilt. "80 Millionen Christen und 80 Millionen Muslime lachen gemeinsam und leiden gemeinsam", so der Kardinal: "Die Mehrheit der Nigerianer bedauert keinesfalls, dass uns die Briten zu einer Einheit zusammengeschlossen haben."

Erst seit drei Jahren gebe es den Konflikt mit den islamistisch-terroristischen Gruppen, sagte Onaiyekan: "Wir hatten das nie zuvor." Diese Entwicklung müsse gestoppt werden.

Der Erzbischof von Abuja hob hervor, dass für eine gute Zukunft nicht nur Nigerias, sondern des gesamten Globus, eine andere Haltung als bloße Toleranz notwendig sei. Es brauche ein Annehmen des Anderen, Respekt und Wertschätzung. "Alles andere ist nur politische Korrektheit - das ist zu wenig."

An der am Mittwoch im Wiener Hilton-Hotel eröffneten Konferenz, die bis Freitagabend dauert, nehmen mehr als 600 Religionsführer aus 100 Staaten teil. Zum Schlusspodium ist eine Ansprache des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. von Konstantinopel vorgesehen.

(forts. mgl.) fam/jmo/

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