Androsch: Gewalt gegen Frauen zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten

Medizinisches Personal hat bei der Früherkennung Schlüsselposition

St. Pölten, (OTS/SPI) - Von 25. November bis 10. Dezember findet jedes Jahr die internationale Kampagne "16 Tage gegen Gewalt" statt. Erklärtes Ziel ist, auf das Recht von Frauen auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam zu machen. "Gewalt gegen Frauen in der Partnerschaft, der Familie oder im sozialen Nahraum ist ein komplexes Phänomen, das keine kulturellen oder religiösen Grenzen kennt und sich durch alle Gesellschaftsschichten, Alters- und Einkommensgruppen zieht", erklärte NÖ Gesundheits- und Soziallandesrat Ing. Maurice Androsch heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz mit dem Titel "Gewalt gegen Frauen - Wegschauen verboten!"

Androsch weiter: "In vielen Regionen der Welt sind junge Frauen einem höheren Risiko ausgesetzt, häuslicher Gewalt zum Opfer zu fallen, als durch Krebs, Verkehrsunfälle, Krieg und Malaria. Auch bei uns zählt die Misshandlung in den eigenen vier Wänden zu den potentiellen Gesundheitsrisiken von Frauen und Kindern." Allein in Niederösterreich wurden 2012 insgesamt 1.228 Wegweisungen und Betretungsverbote ausgesprochen.

Jede vierte Frau, die in einer Beziehung lebt, wird Opfer von körperlicher Gewalt. In der Regel sind dann die ersten Anlaufstellen für Gewaltopfer Ärztinnen und Ärzte, Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, Hebammen, soziale und psychotherapeutische Dienste. Erst in weiterer Folge wird mit spezifischen Hilfseinrichtungen oder der Polizei Kontakt aufgenommen.

Da viele Frauen aus Angst vor weiterer Gewalt oder aus Schuld- und Schamgefühlen die erlittenen Gewalttaten nicht von sich aus ansprechen, ist die Sensibilisierung und Qualifikation der Mitarbeiter/innen des Gesundheitswesens durch Schulungen unabdingbar. "Welche Schlüsselposition medizinisches Personal bei der Erkennung von Gewalt und Prävention weiterer Misshandlungen von Frauen und Kindern einnimmt, wird dadurch verdeutlicht, dass rund drei Viertel aller misshandelten Frauen medizinische Hilfe brauchen", unterstreicht Anneliese Erdemgil-Brandstätter, Leiterin der Frauenberatungsstelle Kassandra und Koordinatorin des NÖ Schulungsprojekts "Gewalt gegen Frauen" die Bedeutung der Schnittstelle Gesundheitswesen.

Eine wichtige Anlaufstelle im dichten Netz an Initiativen und Institutionen für misshandelte Frauen in Niederösterreich sind auch Frauenhäuser. Sie bieten Schutz- und Wohnmöglichkeiten und helfen in der Krise, die Rechte von Gewaltopfern durchzusetzen. Im Vorjahr nahmen in Summe 214 Frauen dieses Angebot in Anspruch. Derzeit wohnen in den sechs NÖ Frauenhäusern rund fünfzig Frauen und ihre Kinder. "Viele von Gewalt betroffene Frauen haben Furcht, ihr Schicksal öffentlich zu machen und sich an Betreuungs- u. Beratungseinrichtungen zu wenden. Hier ist noch viel Aufklärungs- und Informationsarbeit notwendig, um diese Schwellenangst zu nehmen", betonte die Leiterin des Frauenhauses Neunkirchen, Barbara Prettner.

Aber auch nach Auszug aus dem Frauenhaus können Gewaltopfer das Angebot einer Nachbetreuung dieser Einrichtung in Anspruch nehmen. "Gerade wenn die Frauen wieder alleine über ihr 'gesamtes Leben' bestimmen und die intensive Betreuung im Frauenhaus endet, gilt es, bereits erreichte Ziele nicht wieder zu gefährden und sie weiterhin zu unterstützen", so Prettner.

Zusätzlich finden betroffene Frauen, die Rat und Hilfe suchen, Unterstützung in Gewaltschutzzentren sowie Frauenberatungsstellen, deren Kontaktadressen unter
http://www.noe.gv.at/Gesellschaft-Soziales/Frauen/Beratung-und-Hilfe.
html jederzeit abrufbar sind.

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