WKÖ-Hochhauser: Ja zu mehr Frauen in Führungsetagen - aber nicht nach den Vorstellungen des EU-Parlaments

Heutige Abstimmung über Frauenquoten im EU-Parlament schießt über das Ziel hinaus

Wien (OTS/PWK816) - "Verpflichtende Sanktionen bis zum Ausschluss der Unternehmen von öffentlichen Aufträgen, Nichtigkeit der Aufsichtsratsbeschlüsse und Geldstrafen: Das blüht unseren Unternehmen nach den Vorstellungen des EU-Parlaments, wenn die Hauptversammlung die falschen Personen wählt", so Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich, zur heutigen Abstimmung zum EU-Vorschlag für eine Frauenquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen. Geht es nach EU-Kommission und EU-Parlament, müssen bis 2020 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten börsenotierter Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern sitzen. Dieser Vorschlag wurde vom EU-Parlament in einigen Punkten massiv verschärft. So soll es keine Ausnahme von Unternehmen mehr geben, in deren Belegschaft der Frauenanteil weniger als 10% beträgt. "Das ist unrealistisch und spiegelt die Realitäten der Wirtschaft nicht wider. Es gibt nach wie vor traditionell männerdominierte Bereiche, in denen es schwierig sein wird, qualifizierte Frauen für Aufsichtsratsmandate zu gewinnen", so Hochhauser. Deswegen tritt die WKÖ etwa für die Förderung von Frauen in technischen oder naturwissenschaftlichen Branchen ein.

Keine Eingriffe in unternehmerische Freiheit
"Frauen brauchen weder eine Quote noch die derzeit diskutierten Sanktionen: Die Tendenz bei Frauen in Führungspositionen ist steigend - und zwar ganz ohne Quote." Bereits jedes dritte Unternehmen in Österreich wird von einer Chefin geleitet, in den Aufsichtsräten steigt der Frauenanteil, und mehr als die Hälfte aller neuen Unternehmen werden von Frauen gegründet. "Ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit ist nicht das geeignete Mittel gegen das Geschlechterungleichgewicht: Es braucht nicht nur einen gesellschaftlichen Bewusstseinswandel, sondern auch eine Infrastruktur, die es Frauen mit Betreuungspflichten ermöglicht, Führungspositionen einzunehmen", betont Hochhauser. "Auch die Erfahrungen in Norwegen haben gezeigt, dass verpflichtende Frauenquoten kein zielführender Weg sind". Letztlich profitierten dort von der Quote nur sehr wenige Frauen, auf die jeweils mehrere Mandate entfallen.

Programm "Zukunft.Frauen" als Erfolgsbeispiel
Die Wirtschaftskammer hat gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend und der Industriellenvereinigung das Programm "Zukunft.Frauen" initiiert. Qualifizierte Frauen werden auf ihrem Weg in die Führungsetage unterstützt und gezielt für Aufsichtsrats- und Managementpositionen vorbereitet. "Wir halten diesen Weg für wesentlich erfolgversprechender als gesetzliche Maßnahmen", betont Hochhauser. Die heute beschlossene Position des EU-Parlaments ist nicht die finale Entscheidung: Nun muss sich das EU-Parlament mit dem Rat einigen: Die Mitgliedstaaten sind derzeit mehrheitlich gegen den Vorschlag. (FA)

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