Regina Strasseggers Reportage "Die verratenen Gebete - Ägypten am Scheideweg" am 19. November in "kreuz und quer"

Danach: "Nur so wie die anderen - Transsexuell in Teheran"

Wien (OTS) - "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - zeigt am Dienstag, dem 19. November 2013, um 22.30 Uhr in ORF 2 in Regina Strasseggers Reportage "Die verratenen Gebete - Ägypten am Scheideweg" Hintergründe machtpolitischer Dynamiken und militärischer Strategien auf, die die "Revolution des Arabischen Frühlings" entmythisieren. Gedreht wurde die Reportage unter schwierigen und mitunter gefährlichen Bedingungen in Kairo im Herbst 2013: Wie die ORF-Journalistin Regina Strassegger im Film selbst festhielt, verhinderten Spitzel, Sicherheitspolizei und Militär ein normales Arbeiten. Das ORF-Team wurde stundenlang auf Polizeistationen festgehalten und verhört. Ausländische Medien gelten den Behörden als suspekt.

Für die anschließende Dokumentation "Nur so wie die anderen -Transsexuell in Teheran" (23.05 Uhr) begleitete die aus dem Iran stammende Filmemacherin Tanaz Eshaghian einige iranische Männer und Frauen, die sich in einer Spezialklinik der Geschlechtsumwandlung unterzogen haben, und zeigt, wie sie mit ihrer neuen Identität zurechtkommen und mit welchen Problemen sie nun konfrontiert sind.

"Die verratenen Gebete - Ägypten am Scheideweg" - Ein Film von Regina Strassegger

Ägypten, das Kernland der islamischen Welt, ist nach der Euphorie um den vermeintlichen "Arabischen Frühling" in den nationalen Winter geraten. Die 80 Millionen Ägypterinnen und Ägypter sind nach den dramatischen Ereignissen der vergangenen Wochen gespaltener denn je. Nachdem der von den Muslimbrüdern gestellte Präsident Mohammed Mursi nach zwölf turbulenten Regierungsmonaten von einer populistisch-militärischen Achse ausgeschaltet wurde und das Militär eine gefügige Übergangsregierung eingesetzt hat, schlug den islamischen Muslimbrüdern die Schicksalsstunde: Seit dem Massaker in den Protestlagern der Bruderschaft von Nahda und Rabaa, bei dem vergangenen August nach einer Militärintervention mehr als 1.000 Menschen ihr Leben verloren haben, steht das Land an der Kippe.

Die Doku von Regina Strassegger zeigt, dass die ägyptischen Militärs die Massenproteste der gegen den korrupten Langzeitpotentaten Mubarak aufgebrachten Volksmassen von Anfang an instrumentalisierten, um selbst die Macht zu übernehmen. Es gab also einen frühen Verrat an der Revolte, die von fortschrittlich-muslimischen und -christlichen Bevölkerungsgruppen getragenen worden war. Der Film zeigt auch, wie rasch die Militärs die Masken fallen ließen und gleichzeitig die Fallstricke gegen ihren eigentlichen Feind, die Muslimbrüder, auslegten; und in welche fatalen Dilemmata diese gerieten, welche schweren Fehler diese begingen.
Dass die höchsten geistlichen Würdenträger des Landes, der Scheich der Al-Azhar und der Papst der koptischen Kirche, General Abdel-Fattah el-Sisi bei dessen Schlag gegen die Muslimbrüder sekundierten, erhöht die Brisanz um die verratenen Gebete der Freiheit. Grimmig wird es, wenn ein christlicher Bischof, der noch vor zwei Jahren die Revolution der jungen Ägypter als ein historisches Geschenk bezeichnet hatte, diese nun als Illusion betitelt, den Militärs applaudiert und offen die Hinrichtung der führenden Riege der Muslimbrüder fordert. Diesbezüglich unterscheidet sich der koptische Erzpriester, erster Sekretär des neuen Papstes Tawadros, von seinem katholisch-unierten Glaubensbruder: Angelos Isaac stellt sich gegen die machtpolitische wie gesellschaftliche Ausschaltung der Bruderschaft, hält diese, wie die Politologin Dalia El-Fiki, für gefährlich. Die gläubige Muslimin und Tahrir-Aktivistin von 2011, die den Massenprotest gegen die Muslimbrüder unterstützte, lehnt den Militärcoup dennoch ab. El-Fiki sieht das Land am Rande eines Bürgerkrieges. Sie verlässt - wie viele in ihren Kreisen - das Land.

"Nur so wie die anderen - Transsexuell in Teheran" - Ein Film von Tanaz Eshaghian

Im Islamischen Gottesstaat Iran ist Homosexualität strengstens verpönt und wird strafrechtlich verfolgt: Wer bei sexuellen Handlungen mit einem gleichgeschlechtlichen Partner erwischt wird, muss mit der Todesstrafe rechnen. Homosexuelle Männer und Frauen sind also gezwungen, ihre Beziehungen strikt im Geheimen zu leben. Seit jedoch Ayatollah Khomeini im Jahr 1983 durch eine Fatwa - ein Rechtsgutachten - Geschlechtsumwandlungen gestattet hat, nützen viele Homosexuelle diese Möglichkeit. Sie unterziehen sich aufwendigen Operationen, um auf diese Weise ganz legal mit ihrem Wunschpartner zusammenzuleben.

Dr. Barham Mirjalali ist einer der führenden iranischen Experten auf dem Gebiet der chirurgischen Geschlechtsumwandlung. Rund 450 solcher Operationen hat er in den vergangenen Jahren in Teheran durchgeführt. Zu ihm kommen sowohl Männer als auch Frauen, die ihr Geschlecht ändern wollen. In Frage steht, ob es sich dabei tatsächlich um transsexuelle Menschen oder schlicht und einfach um Menschen handelt, die sich zu Personen des gleichen Geschlechts hingezogen fühlen, also homosexuell sind. In ihrer Dokumentation "Nur so wie die anderen" zeigt Tanaz Eshaghian Menschen, die entweder bereits eine Geschlechtsumwandlung hinter sich haben oder sich auf diese Operation vorbereiten. Der Film macht deutlich: Auch Geschlechtsumwandlung ist für die Betroffenen keine Garantie für ein glückliches Leben.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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