Zellstoff- und Papierindustrie: Ressourceneffizienz steigern, Ökostromgesetz verbessern!

Holzimporte der Zellstoff- und Papierindustrie bei 40 Prozent, zusätzliche Belastung durch teure Fernimporte - bundesweite Biomasse-Versorgungsstrategie erforderlich

Wien (OTS/PWK797) - Die heimische Zellstoff- und Papierindustrie unterstützt eine Energiewende, die ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist. Daher muss, wie bereits mehrfach von politischer Seite angekündigt, die Novellierung des Ökostromgesetzes in der Energiepolitik der künftigen Regierung Priorität haben. "Die österreichische Zellstoff- und Papierindustrie muss bereits 40% ihres Holzbedarfes importieren. Rund ein Viertel davon sind teure Fernimporte, mit Transportdistanzen von über 1.000 Kilometern. Die Ursachen für diese unerfreuliche Entwicklung liegen auf der Hand: die aus dem Ruder gelaufene Förderung der Verstromung fester Biomasse über das Ökostromgesetz, begleitet vom stagnierenden Holzeinschlag in Österreichs Wäldern, haben für Unternehmen, die den wertvollen Rohstoff Holz mit hoher Wertschöpfung verarbeiten, zu einem massiven Versorgungsengpass geführt. Während die Verbrennung über Einspeisetarifvergütungen hoch subventioniert wird, fehlt unseren Betrieben der Rohstoff. Die Folge sind hohe Zusatzkosten und der Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Eine der zentralen Zielsetzungen des Ökostromgesetzes - die Ressourceneffizienz durch Vorrangstellung der stofflichen Nutzung von Holz vor dem Einsatz zur Energiegewinnung - wurde bisher ignoriert. Wir fordern daher die umgehende Novellierung des Ökostromgesetzes mit einer kompletten Einstellung der Einspeisetarife für feste Biomasse und eine rasche Systemumstellung auf Investförderungen für hocheffiziente Anlagen, mit einer Leistung von kleiner 2 Megawatt elektrisch und einem Gesamtwirkungsgrad von größer 80 Prozent" so die Austropapier-Vizepräsidenten Kurt Maier, CEO der Zellstoff Pöls AG, und Christian Skilich, Operations Director, Mondi Europe & International, anlässlich der Eröffnung der Herbsttagung der Österreichischen Zellstoff- und Papierindustrie bei Mondi Frantschach. Der Fokus müsse nun klar auf F&E- sowie Investitionsförderungen liegen, begleitet von einer dringend erforderlichen bundesweiten Biomasse-Versorgungsstrategie.

Die Steigerung der Ressourceneffizienz zählt zu den großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und gewinnt in der nationalen wie internationalen Politik an Bedeutung. "Zellstofffabriken, als wesentliche Treiber einer CO2-armen Bio-Ökonomie, arbeiten bereits heute als hocheffiziente Bioraffinerien", betont Skilich, auch Sprecher der Papierindustrie für Innovation und Forschung. Sie fraktionieren den wertvollen Rohstoff Holz in seine unterschiedlichen Bestandteile und nutzen insbesondere jene Komponenten, deren Heizwert vergleichsweise gering ist, zur Gewinnung von hochwertigen Produkten - Fasern für Textilien, Ausgangsmaterial für vielfältige Papier- und Verpackungsprodukte sowie hochwertige Stoffe für die chemische Industrie wie Terpentinöl, Essigsäure, Xylit, Furfural, Tallöle und Harze. "Nur der Anteil mit dem höchsten Brennwert, dessen stoffliche Verwertung derzeit technologisch noch nicht möglich ist, wird für den Eigenbedarf thermisch genutzt sowie durch Auskoppelung von Strom und Fernwärme in öffentliche Netze den Kommunen im ländlichen Raum zur Verfügung gestellt", ergänzte Kurt Maier, der mit der Zellstoff Pöls AG selbst kommunale Verbraucher mit Bio-Energie versorgt. Ähnliche Projekte gibt es bei Sappi Gratkorn, Norske Skog Bruck, SCA Hygiene Products, Mondi Frantschach und anderen Betrieben der Branche. Da der Energieinhalt der Fasern im Verlauf ihres Lebenszyklus chemisch gespeichert bleibt, und sie in dem Moment, in dem sie stofflich nicht mehr nutzbar sind, immer noch thermisch genutzt werden können, handelt es sich bei der hier durchgeführten kaskadischen Holznutzung um die nach dem aktuellen Stand der Technik derzeit höchsteffizienteste Verwertung. (BS)

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