Wer bestimmt, worauf wir neugierig sein dürfen?

Das ScienceCenter-Netzwerk lud zur Reflexion über Potenziale und Perspektiven lokaler Wissensräume

Wien (OTS) - "Wissensraum - die Werkstatt für Neugierige" ist ein erfolgreiches Pilotprojekt des Vereins ScienceCenter-Netzwerk, das leere Geschäftslokale für interaktive Wissenschaftsvermittlung im Grätzel nutzt. Am 13.11. diskutierten ExpertInnen aus Innovation, Wirtschaft, Bildung, Technologieförderung und Gemeinwesenarbeit das gesellschaftspolitische Potenzial lokaler Wissensräume. Zur Sprache kamen aktuelle Herausforderungen wie soziale Inklusion, Nachwuchsförderung, innovative Bildungskonzepte, Entwicklung des urbanen Raums und Citizen Science. Ein Open Space am Nachmittag mit lokalen Stakeholdern beleuchtete konkrete Perspektiven, Kooperationen und Strukturen zukünftiger Wissensräume.

Wissen - ein Diktat?

Die von Martin Haidinger geleitete Podiumsdiskussion prägte vor allem die Frage, wer "Wissen" definiert und wie dessen Vermittlung erfolgen solle. Josef Fröhlich, Innovationsspezialist des AIT und Vorstandsmitglied im Verein ScienceCenter-Netzwerk, sieht große gesellschaftliche Entwicklungschancen im Bereich von "open innovation" und regte an, NutzerInnen schon früh in die Entwicklungen mit einzubeziehen, vor allem angesichts der großen Herausforderungen Klimawandel, Ressourcenknappheit, Gesundheit und der immer älter werdende Gesellschaft. Innovation brauche nicht nur gute Ausbildung, sondern auch Diversität in der Aneignung von Wissen. Gerald Faschingeder von der Universität Wien erinnerte an die Ansätze Paulo Freires, gegen eine "Kolonialisierung" des Wissens und ein (Wissens-)Diktat der Mächtigen. Wenn viele Menschen ermächtigt werden, sei eine systemverändernde Wirkung möglich. Die Kultur- und Sozialforscherin Ulrike Fleischanderl berichtete über Projekte des Forschungsbüros queraum, die sich auf die lokalen und persönlichen Bedürfnisse der Menschen konzentrieren. Darin geht es primär um "Empowerment", indem Ideen von BürgerInnen gefördert werden.

Christian Bartik, ZIT - Die Technologieagentur der Stadt Wien, begrüßte beim Projekt Wissensraum vor allem diese Haltung, nicht missionarisch zu agieren, sondern die BesucherInnen entscheiden zu lassen, welches Wissen sie annehmen wollen. Dass die Wirtschaft berechtigte Interessen hat, Initiativen zu fördern, die vor allem das Ziel haben, Fachkräfte für die Zukunft zu finden, stellte Franziska Richter von der OMV außer Frage, wenngleich ein Engagement darüber hinaus wertvoll ist. Martin Hollinetz brachte Erfahrungen vom Projekt OTELO - Offenes Technologielabor ein und fordert Förderstrukturen für experimentelle Projekte, die Freiräume schaffen, in denen Kreativität und Inspiration Platz bekommt. Fazit: Mut zum Experiment und Lernen aus Erfolgen und Scheitern.

Format und Inhalt überzeugen

In den Dialogrunden am Nachmittag tauschten sich an die 50 TeilnehmerInnen aus Bildungseinrichtungen, Wissenschaftskommunikation, Stadtteil- und Jugendarbeit und Interessensvertretungen über das Pilotprojekt und seine möglichen Perspektiven aus. Barbara Streicher, Geschäftsführerin des Vereins ScienceCenter-Netzwerk und dessen Vorsitzende, Margit Fischer, freuten sich vor allem, dass es gelungen ist, positive Lernerlebnisse als Motivation für weitere Bildungsprozesse bei den einzelnen NutzerInnen zu verankern und soziale Inklusion anzuregen. Die Soziologin Sonja Gruber wies durch ihre Begleitforschung nach, dass mit diesem aufsuchenden Format explizit auch bildungsfernes Publikum angesprochen wurde und im Wissensraum interagierte. Aufgrund sehr unterschiedlicher Voraussetzungen durch Lage und Größe der leeren Geschäftslokale entstanden Wissensräume mit unterschiedlichen Charakteren von Werkstatt- über Jugendzentrum- bis Wohnzimmer-Atmosphäre. Projektleiterin Heidrun Schulze betonte das gute Zusammenwirken von lokalen Einrichtungen, Initiativen sowie die Unterstützung durch Wirtschaft und Sponsoren, die letztlich auch eine Belebung der Grätzel zur Folge hatte.

Die Open-Space-Runden bestätigten, dass Wissensräume auch in Zukunft Orte des Dialogs und der Begegnung sein sollen. Niederschwelligkeit entsteht durch die freie Zugänglichkeit der Räume und den Alltagsbezug der Inhalte. Im Wissensraum geht es um partizipativen Umgang mit Wissen, um Wissenschaftsvermittlung als dialogischem Prozess, um gemeinsames Diskutieren, Experimentieren und Entdecken von Unerwartetem.

Das Pilotprojekt Wissensräume wurde mittlerweile in drei Wiener Bezirken (17., 2. und 15.) für jeweils einige Wochen erfolgreich umgesetzt. Bei freiem Eintritt sind die BesucherInnen einladen, sich spielerisch mit wissenschaftlichen und technischen Fragestellungen zu beschäftigen. Vorwissen ist nicht nötig, aber Neugier sollte mitgebracht werden. Das Angebot im Wissensraum wird laufend von zwei eingeschulten ExplainerInnen betreut. Die Aktivitäten werden von PartnerInnen des ScienceCenter-Netzwerks zur Verfügung gestellt. Der Wissensraum im 15. Bezirk (Schwendergasse 30) ist noch bis zum 30. November 2013 zu nutzen. Eine Fortsetzung des Projekts Wissensraum im Jahr 2014 ist geplant.

Weitere Informationen auf www.science-center-net.at/wissensraum.

Der Verein ScienceCenter-Netzwerk dankt den UnterstützerInnen des Projekts Wissensraum: ZIT | WKO Wien | Wien Kultur MA 7 | Europäische Union | SEE - Transnational Cooperation Programme | Places - Cities of Scientific Culture | IKEA | STEFFL | GB* 7/8/16 und GB* 9/17/18

Der Verein dankt seinen UnterstützerInnen: BMVIT | BMUKK | Stadt Wien | Land Kärnten | Land Steiermark | AK Österreich | WKO Österreich | Wiener Städtische Versicherungsverein | Erste Bank | AVL | Novomatic | voestalpine | Industriellenvereinigung | OMV | Juwelier Wagner

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Mag. Petra B. Preinfalk,
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Tel.: 01-710 19 81-16, 0664-240 79 46
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