WKNÖ Jugendforum entwarf die Schule von morgen

"Nicht niederreißen", aber die "Schule neu denken". Das war das Ziel des "Jugendforums", zu dem die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) geladen hatte.

St.Pölten (OTS) - In der aktuellen bildungspolitischen Diskussion kämen die Betroffenen oft zu kurz, meinte WKNÖ-Präsidentin Sonja Zwazl: "Deshalb fragen wir heute die Schülerinnen und Schüler." Angesagt war "Kommunikation auf Augenhöhe" und das in bunter Runde. (Aus)-Bildungsexperten wie der Journalist und Lehrer Niki Glattauer diskutierten mit Schülerinnen und Schülern - und zwar unabhängig von ihren Lehrerinnen und Lehrern oder den Eltern. In den mehreren Gesprächsrunden kamen viele Anliegen, Befürchtungen zur Sprache. Aber auch viele Lösungsvorschläge, wie die "ideale Schule von morgen" aussehen soll. WKNÖ-Direktor Franz Wiedersich fasste vier zentrale Punkte zusammen:

1.Methodik des Unterrichts verändern
* Neugierde der Schüler wecken. Weg vom strikten Fächersystem, hin zu Modulen. (Beispiel: Hauptfächer - Deutsch, Mathematik und Fremdsprache + frei wählbare Nebenfächer je nach Interessensgebiet).
* Mehr Praxis und Expertenwissen in den Unterricht (z.B. Tischler in den Werkunterricht oder einen Journalisten in den Deutschunterricht einladen)
* Im Google- und Wikipedia-Zeitalter ist es verfehlt, reine Zahlen und Fakten abzufragen. Mehr Wert aufs Verstehen Wert legen.
* Stärken/Begabungen der Schüler gezielt fördern.

2.Neue Medien gezielt integrieren
Computer, Tablets, ... mit Fingerspitzengefühl unterstützend im Unterricht einsetzen

3.Änderung der Schulorganisation
Ernsthaft über die Gesamtschule diskutieren. Am Land funktioniert das Konzept

4.Wertigkeit der Schule in der Gesellschaft erhöhen

Schule nicht nach Hause tragen

Keynote-Speaker der Veranstaltung war Buchautor und Schul-"Kritiker" Niki Glattauer, früher selbst Lehrer. Er kritisierte unter anderem, dass die "Schule von den Kindern gleichsam in der Schultasche mit nach Hause getragen" werde. Das derzeitige System führe zum verräterischen Seufzer vieler Eltern: "Übermorgen haben WIR Schularbeit!"
"Nicht, dass ich mich nicht für die Schule meiner Kinder interessieren würde", so Glattauer, aber es störe ihn sehr, "dass sie nicht fertig wird, sondern viele ihrer Aufgaben von Eltern, Nachhilfeinstituten usw. erledigen lässt". Glattauers Hauptforderung lautet daher: "Weg vom Kasernen-Denken, hin zu einem sehr viel flexibleren System". Er wünscht sich eine andere Herangehensweise -auch mit weniger Prüfungen. Und Glattauer schlägt außerdem vor, ab der Mittelstufe das Berufsleben stärker in den Unterricht einzubinden. Danach sollten sich Jugendliche entscheiden können, ob sie später einmal an eine Uni oder - durchaus gleichwertig - in eine Lehre gehen wollen.

Mythos schlechte Schüler

Was hat es mit den Klagen auf sich, dass die Schüler von heute so schlecht sind? "Es ist ein Mythos, dass die Leute früher besser ausgebildet worden sind", so Glattauer. Es gebe heute einfach nur weniger Jobs für schlechter Ausgebildete und gleichzeitig seien die Anforderungen in den einzelnen Berufen viel höher geworden. "Die Schule soll diese Veränderungen kompensieren und schafft es nicht."

Coach statt Lehrer

Von den Jugendlichen selbst kamen viele praxisnahe Anregungen zur Verbesserung des derzeitigen Schulsystems bzw. des Unterrichts. Wiederholt zielte ein Vorschlag in Richtung des US-Systems ab: "Es ist klar, dass man ein solides Grundwissen braucht, aber die Nebenfächer sollten frei wählbar sein." Die Schüler wünschen sich zudem mehr Anerkennung von Leistungen und von manchen Lehrern einen respektvolleren Umgang mit ihrer Klasse. Im modernen Unterricht sei mehr Coach anstelle des Lehrers" gefragt.

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