Mit Gehör und Tastsinn sicher über die Kreuzung

Die Standards für die taktilen Markierungen bei Verkehrsampeln definiert ÖNORM V 2100. Die Neufassung liegt aktuell zur Stellungnahme auf.

Wien (OTS) - Wer kennt es nicht, das laute, tackende Geräusch, das ertönt, wenn die Fußgängerampel auf Grün steht. In Wien gibt es rund 1 400 Kreuzungsstellen mit Ampelregelung, mehr als 700 davon sind bereits mit akustischen Signalanlagen ausgerüstet. Für Neuanlagen von Verkehrslichtsignalanlagen - so der technisch korrekte Ausdruck - ist in der Bundeshauptstadt die Ausstattung sowohl mit akustischen als auch mit taktilen (tastbaren) Systemen gesetzlich vorgeschrieben.

Signalauslösung nach dem Mehr-Sinne-Prinzip

Obwohl nicht so auffällig wie geräuschgebende Systeme, sind taktile Signale und Informationen äußerst wichtige Orientierungshilfen für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Tastbare Symbole auf den Anmeldetableaus zählen dabei zu den wichtigsten Informationsquellen. Gemäß dem Mehr-Sinne-Prinzip müssen sowohl akustische als auch tastbare (vibrierende) Signale am Anmeldetableau ausgelöst werden können. Haben Fußgänger an einer Ampel die Möglichkeit, mittels Taster eine Grünphase anzufordern, so ist für mobilitätsbehinderte Personen zusätzlich ein Anforderungstaster für das Auslösen des akustischen Freigabesignals an der Unterseite des Anmeldetableaus vorzusehen. Ebenfalls an der Tableau-Unterseite ist der Vibrationspfeil zur tastbaren Anzeige der parallel laufenden optischen Grünphase und der damit freigegebenen Gehrichtung.

Auf der Längsseite des Tableaus ist in einer Höhe von 0,8 bis 1,1 Metern eine tastbare Darstellung der Überquerungsstrecke angebracht. Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen können hier ertasten, wo der eigene Ausgangspunkt liegt und wie viele Fahrbahnen, Verkehrsinseln, Radwege oder Straßenbahnspuren zu überqueren sind, um auf die gegenüberliegende Straßenseite zu gelangen.

Präzisere Beschreibungen, neue Symbole

Die Aktualisierung der ÖNORM V 2100 listet die Größen der einzelnen Symbole auf und integriert neue Symbole - etwa zusätzliche Formen von Inseln. Das Regelwerk berücksichtigt dabei alle derzeit erhältlichen Produkte unterschiedlicher Hersteller. Detailliertere Wegbeschreibungen und eine Darstellung der Symbole, die mittels Schwelldruckverfahren eine Umwandlung in tastbare Dokumente erlaubt, runden die Aktualisierung des Regelwerks ab.

"Mit der Neufassung der ÖNORM V 2100 hat sich Österreich in diesem Bereich europaweit an die Spitze gestellt", so Ing. Günther Ertl. "Die sukzessive Verbesserung dieses wichtigen Standards stellt die selbstständige Mobilität und die maximale Sicherheit für blinde und sehbehinderte Menschen im öffentlichen Straßenverkehr dauerhaft sicher", meint der Experte, der auch der zuständigen Arbeitsgruppe "Blindenhilfsmittel" bei Austrian Standards vorsteht.

Entwurfstext einsehen und kommentieren

Die aktualisierte ÖNORM V 2100 liegt derzeit zur Stellungnahme durch die Öffentlichkeit auf. Interessierte können den Entwurf bis 15. Dezember 2013 im Normen-Entwurf-Portal von Austrian Standards online lesen und innerhalb der Frist kommentieren:
http://www.ots.at/redirect/austrian-standards2

Bibliographie

ÖNORM V 2100 Technische Hilfen für sehbehinderte und blinde Menschen - Taktile Markierungen an Anmeldetableaus für Fußgänger (Entwurf)

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Austrian Standards
Dr. Johannes Stern
Tel.: +43 1 213 00-317
mailto: j.stern@austrian-standards.at

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