Jugendarbeitslosigkeit auf historischem Hoch: Qualität der Lehre verbessern,statt über den angeblichen Fachkräftemangel zu jammern

Linz (OTS) - Während Unternehmen und ihre Vertretungen über einen angeblichen Fachkräftemangel jammern, steigt die Jugendarbeitslosigkeit auch in Österreich in Rekordhöhen. "Viele Betriebe bemühen sich nur wenig um eigene Fachkräfte, denn die Zahl der Lehrbetriebe und die Realeinkommen junger Arbeitnehmer/-innen sinken", ist AK-Präsident über die zentralen Ergebnisse der aktuellen Quartalsanalyse des oberösterreichischen Arbeitsmarktes besorgt.

Die schwache Konjunktur ist auf dem oberösterreichischen Arbeitsmarkt deutlich spürbar: Laut der aktuellen Arbeitsmarktanalyse der AK Oberösterreich ist im 3. Quartal 2013 die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um rund 18 Prozent gestiegen. Aktuell sind mehr als 45.000 Oberösterreicher/-innen ohne Job - um rund 15.000 mehr als vor Ausbruch der Wirtschaftskrise.

Noch nie in der Geschichte Europas waren so viele junge Menschen ohne Beschäftigung wie derzeit. Auch in Österreich liegt die Jugendarbeitslosigkeit auf einem historischen Hoch. Gleichzeitig beklagen die Betriebe und deren Interessenvertretungen einen angeblichen Fachkräftemangel. Eine paradoxe Situation, wenn man bedenkt, dass in Österreich aktuell mehr als 76.250 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos, in Schulung oder auf Lehrstellensuche sind - um 5,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und um 87,6 Prozent mehr als im Jahr 2000. Auch in Oberösterreich spitzt sich die Situation zu: 11.072 Jugendliche sind hier ohne Beschäftigung. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen überdurchschnittlichen Anstieg um 9,6 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2000 hat sich die Anzahl an Jugendlichen ohne Beschäftigung in Oberösterreich fast verdoppelt (+92 Prozent).

Die Rekordarbeitslosigkeit bei den Jugendlichen liegt zum einen an der schwachen Konjunktur und am Rückgang an geeigneten Arbeitsplätzen für Geringqualifizierte. Gleichzeitig ziehen sich Betriebe vermehrt aus der Lehrausbildung zurück: Zwischen 1990 und 2012 ist die Anzahl an Ausbildungsbetrieben in Österreich von 46.320 auf 35.256 gesunken. Zum anderen stagniert der Anteil junger Menschen, die eine Lehre machen, bei knapp 30 Prozent. Das liegt unter anderem an Mängeln in der Ausbildung und fehlender Qualitätskontrolle: Im Jahr 2011 haben 16,6 Prozent ihre Lehre nicht abgeschlossen und bis Ende 2012 auch keine Lehrabschlussprüfung abgelegt.

Wie wenig sich viele Betriebe um junge Fachkräfte kümmern, zeigt sich auch an der Einkommensentwicklung: Im Vergleich zum Jahr 1995 haben in Österreich Arbeitnehmer/-innen unter 19 Jahren einen realen Einkommensverlust (inflationsbereinigt) von 7,4 Prozent zu beklagen, Arbeitnehmer/-innen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren verdienten 2012 um 2,3 Prozent weniger als 1995.

"Es gibt keinen Mangel an Fachkräften, sondern einen Arbeitsplatzmangel und Aufholbedarf bei den Einkommen", interpretiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer die Fakten. Wesentlich ist daher, das Bildungsniveau allgemein zu heben und das Ausbildungssystem als Ganzes an die Herausforderungen einer modernen Gesellschaft anzupassen. Dazu haben die Sozialpartner in den Bad Ischler Vereinbarungen vom Jahr 2007 und 2013 bereits Empfehlungen vorgelegt.

"Entscheidend sind Strategien gegen frühen Schulabbruch. Diese müssen einerseits präventiv im Schulystem sowie bei der Senkung der Lehrabbrüche ansetzen. Andererseits sind arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nötig, die Jugendlichen eine zweite Chance auf eine Ausbildung ermöglichen", erklärt Kalliauer. Konkret fordert die Arbeiterkammer eine bessere Qualitätssicherung in der Lehrausbildung, damit weniger Jugendliche eine Lehre abbrechen oder bei der Lehrabschlussprüfung durchfallen. Die Ausbildungsgarantie muss bis zum Alter von 24 Jahren ausgedehnt werden.

Die Betriebe müssen Jugendlichen mit geringer Bildung oder gesundheitlichen Einschränkungen eine Chance geben und sie unterstützen. In der betrieblichen Lehrstellenförderung müssen für diese Zielgruppen Schwerpunkte gesetzt werden. "Damit die Unternehmen für Lehrlinge wieder interessanter werden, müssen sie mehr für die Ausbildung tun und finanziell mehr bieten", so Kalliauer. Die Lehrlingsentschädigung sollte sich an die Entlohnung von Anlernkräften annähern. Um die finanzielle Situation aller jungen Arbeitnehmer/-innen zu verbessern und ihre Einkommen real anzuheben, ist die Erhöhung des kollektivvertraglichen Mindestlohns auf 1500 Euro bei Vollzeit in allen Branchen nötig.

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