35 Jahre Wiener Frauenhäuser: Selbstbestimmung stärken!

Themenschwerpunkt psychische Gewalt - "Wenn der Partner die Kontrolle übernimmt"

Wien (OTS) - Vor 35 Jahren wurde das erste Frauenhaus in Wien eröffnet. Seit damals fanden nach einer Hochrechnung 14.000 Frauen und 13.500 Kinder Schutz in den vier Häusern. Wien verfügt über 175 Plätze und erfüllt damit mehr als die Europaratsforderung, wonach pro 10.000 EinwohnerInnen ein Platz in einem Frauenhaus zur Verfügung stehen muss. Frauenstadträtin Sandra Frauenberger betont in der heutigen Pressekonferenz die Notwendigkeit dieser Einrichtung: "Noch immer ist in Österreich jede fünfte Frau von Gewalt im sozialen Nahbereich betroffen, die Frauenhäuser sind ein zentraler Bestandteil des Wiener Gewaltschutznetzes. Die Stadt Wien ist stolz auf die Erfolgsgeschichte der Frauenhäuser und sichert sie zu 100 Prozent. Mit den geschaffenen 54 Übergangswohnungsplätzen stärken wir außerdem Frauen, um nach einer Krise wieder auf den eigenen Beinen stehen zu können."

Spezielle Herausforderungen in der Gewaltschutzarbeit haben sich erst im Laufe der Zeit entwickelt, erklärt die Gemeinderätin und Vorsitzende des Vereins Wiener Frauenhäuser Martina Ludwig-Faymann:
"Die Kinder und Jugendlichen sind in den letzten Jahren sehr ins Zentrum unserer Arbeit gerückt. Da viele von ihnen selbst Gewalt erlebten oder als ZeugInnen miterleben mussten, benötigen sie unsere ganze Aufmerksamkeit." Anlässlich des Jubiläums zieht die Vorsitzende eine positive Bilanz: "Der Verein Wiener Frauenhäuser blickt stolz auf 35 Jahre erfolgreiche Arbeit gegen Gewalt an Frauen und Kinder zurück. Mit Unterstützung der Stadt Wien konnten die Angebote für misshandelte Frauen und ihre Kinder kontinuierlich sowohl quantitativ als auch qualitativ erweitert und verbessert werden."

Themenschwerpunkt psychische Gewalt - "Wenn der Partner die Kontrolle übernimmt"

Der aktuelle inhaltliche Schwerpunkt der Wiener Frauenhäuser, der auch in einer Fachtagung erarbeitet wurde, behandelt psychische Gewalt. Im Rahmen einer Studie, die von "Karmasin Motivforschung" durchgeführt wurde, wurden 55 Frauenhausbewohnerinnen nach ihren Erfahrungen mit psychischer Gewalt befragt. Ziel war es, diese persönlichen Erfahrungen zu erfassen und Ausprägungen spezifischer Formen zu benennen. Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem, dazu: "Psychische Gewalt ist zielgerichtetes, über einen längeren Zeitraum andauerndes seelisches Quälen. Sie kann beim Opfer zum Verlust der Selbstbestimmung, völliger Verunsicherung und/oder Realitätsverschiebung führen. Die Studie brachte dramatische Aussagen der Frauen zutage, die von massiver Abwertung, Bedrohung, Isolation und erschreckenden Kontrollszenarien berichten. Wir müssen psychische Gewalt vermehrt thematisieren, Betroffenen einen Ausweg zeigen und rechtliche Schutzmaßnahmen verbessern."

Psychische Gewalt ist vor allem viel unsichtbarer und kommt im gesellschaftlichen Diskurs kaum vor. Um das Thema in den Vordergrund zu bringen, hat die Agentur "DRAftFCB Partners" den Wiener Frauenhäusern kostenlos ein Sujet zu Verfügung gestellt. Das Bild stellt das unnatürliche Verhältnis zwischen PartnerInnen auf subtil alarmierende Art und Weise dar. Gezeigt wird ein Mann, der seine Partnerin wie eine Handpuppe "im Griff hat", eben manipuliert und kontrolliert. Die Mimik der beiden Personen verstärkt das beklemmende Gefühl, das bei der Betrachtung entstehen soll.

"Die Bekämpfung der Unterdrückung von Frauen muss das oberste Ziel bleiben. Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung und kein Kavaliersdelikt! Bei jeder Form der Gewalt ist die ökonomische Unabhängigkeit ein wichtiger Schutzfaktor. Finanzielle Absicherung schützt vor der Willkür des Partners, unsere Aufgabe als Politik ist es, Frauen zu stärken, damit sie selbstbestimmt leben können", so Frauenberger abschließend. (Schluss) grs

Bildmaterial zu dieser Aussendung steht in kürze unter www.wien.gv.at/pressebilder zu Verfügung.

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