Österreicher sind gut über Inflation informiert

Mehr als zwei Drittel bevorzugen eine Inflationsrate zwischen 0 und 2%

Wien (OTS) - Eine niedrige Inflation ist den Österreicherinnen und Österreichern laut einer aktuellen Umfrage sehr wichtig. Der weitaus überwiegende Teil, nämlich 68% der Befragten, hält eine jährliche Inflationsrate von nur 0-2% für erstrebenswert. Weitere 13% finden eine Teuerung zwischen 2-3% und nur mehr wenige eine noch höhere Inflation akzeptabel. Für Haushalte mit besonders niedrigem Einkommen hat eine geringere Inflationsrate einen etwas höheren Stellenwert als für Haushalte mit höherem Einkommen.

Als negative Effekte höherer Inflation sehen die Österreicher primär einen Kaufkraftverlust, Nachteile für einkommensschwache Gruppen sowie eine Entwertung der Ersparnisse. Die Effekte von Deflation können hingegen zwei Drittel - vor allem mangels Erfahrung - nicht einschätzen.

Die Ergebnisse basieren auf einer im Sommer 2013 durchgeführten repräsentativen Umfrage unter 2.000 Österreichern, die in Zusammenarbeit von OeNB und dem Meinungsforschungsinstitut IFES erfolgte. Dabei standen das Wissen und die Einschätzung der österreichischen Bevölkerung rund um die Themen Inflation, Inflationsindikatoren, Preiswahrnehmung und Preiserwartungen im Vordergrund.

Wie eine Analyse der Befragungsergebnisse durch die OeNB verdeutlicht, sind die Österreicher über diesen Themenkreis gut informiert bzw. machen weitgehend realitätsnahe Einschätzungen u.a. zur Höhe der Inflationsrate oder den inflationsbestimmenden Faktoren. Dahinter steht, dass für acht von zehn Österreichern "Inflation" ein relevanter Indikator ist. Rund zwei Drittel der Bevölkerung beobachten Inflationsentwicklungen über verschiedene Quellen (eigene Preiswahrnehmungen oder die Medien) laufend.

Bekanntester Inflationsindikator ist der Verbraucherpreisindex (74% der Bevölkerung kennen diesen). Er wird auch als überwiegend (63%) zuverlässiger Indikator eingeschätzt. Lediglich eine Minderheit von 14% übt Kritik hauptsächlich dahingehend, dass der VPI nicht das typische Konsumverhalten der Haushalte abbilde.

Betreffend das Preisstabilitätsziel des Euroraumes sind die Ergebnisse weniger positiv. Nur ein Drittel der Befragten kennt die exakte Definition des Zielwerts des Eurosystems für Preisstabilität (nahe bei, aber unter 2% jährliche Preissteigerung im Euroraum). 4% vermuten den Zielwert zwischen 0 und 1% und 19% meinen, er liege in der Bandbreite von 2-4%. Knapp weniger als die Hälfte der Befragten (45%) kann keine Angaben zum Zielwert machen.

Die aktuelle Höhe der Inflationsrate in Österreich (zum Befragungszeitpunkt zwischen Mai und Juli 2013 betrug sie etwas über 2%) orten rund 45% der Bevölkerung in der richtigen Bandbreite von 2-3%. Dabei werden sowohl die "Inflationstreibenden Produktgruppen" Lebensmittel, Treibstoffe und Strom/Gas/Heizöl als auch die "Inflationsdämpfenden Produktgruppen Bekleidung, Schuhe und Nachrichtenübermittlung von den Befragten überwiegend richtig eingeordnet.

Befragt nach der durchschnittlichen Inflationsentwicklung in Österreich seit der Eurobargeldumstellung (2002) bzw. der Periode seit der Finanz- und Wirtschaftskrise (Mitte 2008) zeigt sich hingegen ein etwas differenziertes Bild: Nur gut ein Drittel der Bevölkerung gibt die richtige Bandbreite (2-3%) an. Rechnet man den Durchschnitt aus allen Antworten, so liegt die von den Konsumenten wahrgenommene Inflationsrate für den Zeitraum seit 2002 mit 3,0% bzw. seit der Finanzkrise mit 3,3% merklich über den tatsächlichen Werten von 2,1% bzw. 2,2%. Offensichtlich werden mit den Begriffen "Bargeldumstellung" und "Finanz- und Wirtschaftskrise" automatisch höhere Inflationsraten assoziiert, auch wenn dies nicht der Realität entspricht.

Die Inflationserwartungen sind in der Bevölkerung auf einem für die Geldpolitik akzeptablen (niedrigem) Niveau gut verankert. Im Durchschnitt erwarten die Befragten, dass die Inflationsrate " in einem Jahr" 2,1% betragen wird. Die durchschnittliche Inflationserwartung für "in fünf bis zehn Jahren" liegt hingegen mit 2,8% etwas höher. Die Entwicklung der Rohstoffpreise sowie fiskalpolitische Faktoren (Steuern, Gebühren, Budget) sind die bestimmenden Einflussfaktoren der Inflationserwartungen. Etwa die Hälfte der Befragten hat ihre Inflationserwartungen in den vergangenen 12 Monaten revidiert; die meisten davon nach oben. Allerdings: Die in den letzten Monaten, also seit der Umfrage deutlich gesunkene Inflationsrate lässt vermuten, dass die Inflationserwartungen der Österreicher, würde man sie heute befragen, etwas niedriger ausfielen.

Insgesamt verdeutlichen die Befragungsergebnisse, dass die Österreicher relativ gut über die Inflation Bescheid wissen. Grund dafür ist, dass die Medien darüber berichten, die Bürger selbst die Preise beobachten und nicht zuletzt viele Institutionen, auch die OeNB, über die Themen Inflation und Finanzen fokussiert informieren.

Weitere Details finden Sie in dem soeben erschienen Beitrag
Fluch, M., F. Fritzer und F. Rumler (2013). Inflation und Preiswahrnehmung: Eine Bestandsaufnahme für Österreich. In:
Statistiken - Daten und Analysen Q4/2013. Oesterreichische Nationalbank. Wien. Siehe unter www.oenb.at -> Presse und Publikationen
(http://www.oenb.at/de/presse_pub/period_pub/statistik/statistiken/st
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