3. EPD Tagung: Nachhaltiges Bauen verlangt nach (neuen) Qualitäten der Information

Linz/Wien (OTS) - Gemeinsam mit PE INTERNATIONAL lud die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft zur 3. EPD Tagung ins Schloss Schönbrunn ein. Internationale Experten der Bau- und Immobilienwirtschaft erörterten am 29. Oktober 2013 den aktuellen Stand der Nachhaltigkeit bei Baustoffen und deren Verwendung bei Blue Buildings.

Am 29. Oktober 2013 standen Umwelt-Produktdeklarationen (Environmental Product Declaration, EPD) von Baustoffen im Mittelpunkt von Vorträgen, Diskussionen und Workshops. "Mit diesen EPDs haben wir nunmehr die Datengrundlage für die ökologische Gebäudebewertung nach den internationalen Normen (ISO 14025; ISO 14040ff) sowie der Europäischen EN 15804" so Burkhart Lehmann vom I.B.U. (Institut für Bauen und Umwelt, Berlin). Der Verein ist Vorreiter bei der Bewusstseinsbildung für die Nachhaltigkeit und hat mehr als 500 EPDs als Programmhalter veröffentlicht. In seinem Eröffnungsreferat bringt es Lehmann wie folgt auf den Punkt: "Wir haben die Methode und mit der neu gegründeten ECO-Platform sind wir auf dem Weg zu einer europäischen Harmonisierung". Die Initiative ermöglicht es Baustoff-Herstellern EPDs grenzüberschreitend zu verwenden und auf gleichen Standards aufzubauen. "Mit dieser Harmonisierung wird eine langjährige Forderung der Industrie nach verlässlichen Grundlagen erfüllt", so Mitveranstalter Adolf Merl von PE INTERNATIONAL.

"Was vor einigen Jahren noch Vision war, ist heute Realität: die Bewertung eines Gebäudes über den Lebenszyklus in ökonomischer und ökologischer Dimension ist dank der EPDs umsetzbar. Bauherren haben daher erstmals die Möglichkeit, ihre Entscheidung auch im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Umwelt zu erkennen, zu optimieren und zu steuern", so ÖGNI Gründungspräsident Philipp Kaufmann. Die heutige Realität zeigten die unterschiedlichen Beiträge:

- Die Europäische Entwicklung, insbesondere mit der Gründung der ECO-Platform, und die relevanten Normen

- Professor Oliver Englhardt (TU Graz) mit einem Plädoyer EPDs bereits bei der Tragwerksentwurf zu integrieren und somit die Forderung nach integraler Planung umzusetzen

- Aufzeigen von neuen Entwicklungen, wie Branchenlösungen oder automatisierte EPD-Erstellungen aus einer ERP Anwendun (Enterprise Ressource Planing), wie zB Zumtobel mit SAP, von Johannes Kreissig.

- Praxisberichte von Weitzer Parkett, KLH Massivholz und Brucha. Der Erste Campus zeigte auf, wie EPDs bei der Immobilienentwicklung Berücksichtigung finden, und das IBO berichtete über das wichtige Thema "Raumluft".

Österreichische Plattform: die neu gegründete Bau EPD GmbH

"Was mit dem IBU in Deutschland bereits eine Erfolgsgeschichte ist, fehlte bisher in Österreich", so Sarah Richter (Geschäftsführerin der Bau EPD GmbH). Nach intensiven Vorbereitungen ist im Oktober 2013 ein gemeinsames Unternehmen der ÖGNB sowie ÖGNI gegründet worden. "Mit dieser gemeinsamen Aktivität der beiden relevanten Player bündeln wir die Kräfte und schaffen einen Ansprechpartner für das Thema der Deklaration von Baustoffen", so ÖGNI Geschäftsführerin Ines Reiter. Die Bau EPD ist der erste erkennbare Schritt in der gemeinsamen Kooperation von ÖGNB und ÖGNI, welche im Mai 2013 abgeschlossen worden ist.

Aluminium der nachhaltigste Werkstoff?

Rolf Brunkhorst von Schüco beschäftigte sich auf Einladung von AluKönigStahl in seinem Referat mit dem Werkstoff Aluminium und seiner Bedeutung für die Immobilienwirtschaft. "Wir sind unter Berücksichtigung des Recycling-Potentials der nachhaltigste Werkstoff", zitiert Brunkhorst aus den ersten Ergebnissen einer von Schüco in Auftrag gegebenen Studie bei Drees & Sommer und PE INTERNATIONAL, welche unterschiedliche Bauweisen mit dem DGNB System vergleichbar macht. Diese Ergebnisse führten zu spannenden Diskussionen und dem Versprechen, auf der 4. EPD Tagung unterschiedlichste Werkstoffe mit ihren Stärken und Schwächen zu erörtern.

PEF und EPD - von der Produkt- zur Unternehmensnachhaltigkeit

Hannes Partl und Adolf Merl, beide PE INTERNATIONAL, erläuterten PEF (Product Environmental Footprint). Das Konzept ist von der EU ins Leben gerufen und befindet sich zur Zeit in der Erprobungsphase. "Die Ökobilanz als das state-of-the-art Instrument um Optimierungspotential im Unternehmen zu identifizieren, Ressourcenmanagement effizient zu betreiben und externe Kosten sichtbar zu machen, können mit PEF realisiert werden", so Adolf Merl und ergänzt "Hierbei geht der Trend klar zur EPD als unverzichtbarer Standardprozess im Portfolio zukunftsorientierter Unternehmen, um "Greenwashing" ohne erprobte Methodik und Aussagekraft zu vermeiden".

Zahlen, Daten und Fakten statt leerer Phrasen.

Immer mehr Unternehmen bekennen sich zu Transparenz wenn es um die Nachhaltigkeit ihrer Produkte und ihres Unternehmens geht. Der Schritt von der Produkt- zur Unternehmensnachhaltigkeit ist eine zukunftsweisende Weiterentwicklung. "Jene Vorreiter, die bereits jetzt einen ganzheitlichen Ansatz wählen, werden zukünftig einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil national als auch international genießen", begründet ÖGNI Geschäftsführerin Ines Reiter das Engagement der ÖGNI für die Nachhaltigkeit.

300. Mitglied der ÖGNI: Flughafen Wien

Im Zuge der Veranstaltung begrüßte Gründungspräsident Philipp Kaufmann das 300. Mitglied der ÖGNI. "Mit der Flughafen Wien AG freut sich die ÖGNI Familie über ein neues, starkes Mitglied", so Kaufmann. "Als in der Region gut verankertes Unternehmen hat Nachhaltigkeit für den Flughafen Wien eine sehr wichtige Bedeutung und wir setzen dazu auch im Baubereich zahlreiche Maßnahmen. Daher ist die Partnerschaft mit der ÖGNI für uns ein logischer und wichtiger Schritt", so Dr. Günther Ofner, Vorstand der Flughafen Wien AG.

Zertifikate und EPDs

Zum Abschluss und somit als Höhepunkt überreichte das IBU EPDs an folgende österreichische Unternehmen:

  • BRUCHA
  • FRITZ EGGER
  • FunderMax

Von der ÖGNI wurden folgende Leuchtturmprojekte der Nachhaltigkeit mit dem internationalen DGNB System ausgezeichnet:

  • SPAR Sulz, Vorarlberg
  • Bürogebäude STRABAG, Wiener Neustadt
  • Panoramawohnen Steinhaus in Oberösterreich

"Die österreichische Baukultur steht für Qualität und mit dem DGNB System können wir Qualitäten transparent machen", so Kaufmann, der ergänzt: "Wir haben einen Kampf um mehr Qualität begonnen und können mit dem DGNB System Qualitätsmanagement über den gesamten Lebenszyklus ermöglichen." Lehmann und Kaufmann beendeten die Veranstaltung mit der Erkenntnis, dass sich nunmehr mit EPDs und Gebäudezertifizierung ein Kreis schließt und die Branche Chancen hat, sich mit besseren Qualitäten Wettbewerbsvorteile zu erarbeiten.

Weitere Hinweise:

IBU: http://bau-umwelt.com/
ECO-Platform: http://www.eco-platform.org/
PE INTERNATIONAL: http://www.pe-international.com

Über EPDs

Mit einer EPD (Environmental Product Declaration) werden der Ressourcenverbrauch und die Emissionen in die Umwelt über den gesamten Herstellprozess (von der Wiege bis zum Werkstor), der Nutzung bis zum Ende des Lebenszyklus aufgenommen. Der resultierende Beitrag zum Treibhauseffekt, zur Überdüngung oder Versauerung von Gewässern kann mit der Ökobilanzmethodik quantifiziert und bewertet werden. Ökobilanzen liefern also eine systematische und standardisierte Datengrundlage, um im "Baukastensystem" aus Deklarationen einzelner Bauprodukte eine ökologische Bewertung eines Bauwerks zu erstellen. In einer Lebenszyklus-Analyse wird die ganze Lebensdauer des Gebäudes, die Bauphase, die Nutzungsphase mit möglichen Umnutzungen sowie Abriss und Entsorgung berücksichtigt und es kann der Beitrag der Bauprodukte zur Energieeffizienz oder zu weiteren Aspekten nachhaltiger Bewirtschaftung eines Gebäudes dargestellt werden. Die Deklaration macht Aussagen zum Energie- und Ressourceneinsatz und in welchem Ausmaß ein Produkt zu Treibhauseffekt, Versauerung, Überdüngung, Zerstörung der Ozonschicht und Smogbildung beiträgt. Außerdem werden Angaben zu technischen Eigenschaften gemacht, die für die Einschätzung der Performance des Bauproduktes im Gebäude benötigt werden, wie Lebensdauer, Wärme- und Schallisolierung oder den Einfluss auf die Qualität der Innenraumluft. Die ISO-Typ-III-Deklaration wendet sich mit diesen quantitativen Aussagen über die Umweltleistung von Bauprodukten an viele Adressaten: Planer, Architekten, Bauunternehmen, Immobiliengesellschaften, Facility Manager und natürlich an Unternehmen, die mit Herstellung und Dienstleistung an der Wertschöpfungskette von den Rohstoffen bis zum Gebäude beteiligt sind.

Über PE INTERNATIONAL

PE INTERNATIONAL ist professioneller Partner aller Unternehmenssparten, der sich durch langjähriges Know-How im Nachhaltigkeitsconsulting auszeichnet. Dabei greifen die Spezialisten auf ein breites Angebotsspektrum von der Produktlebenszyklusanalyse bis zur strategischen Unternehmensberatung zurück. Als One-Stop-Shop Anbieter der führenden Softwarelösungen SoFi und GaBi, konsistenter Datenbanken und individuell zugeschnittener Beratungsleistungen unterstützt PE INTERNATIONAL die umweltgerechte Lösung der Herausforderungen des unternehmerischen Handels unserer Zeit.

Über die ÖGNI

Die Österreichische Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) ist ein gemeinnütziger Verein, der den Paradigmenwechsel der Bau- und Immobilienwirtschaft hin zur Nachhaltigkeit ermöglicht. Als Instrument dazu dient die Umsetzung des 3-P-Ansatzes: Neben den Produkten stehen auch Prozesse und die handelnden Personen im Mittelpunkt. ÖGNI vereint alle Stakeholder, welche am Lebenszyklus einer Immobilie beteiligt sind und verschafft durch Kodices, Positionspapiere und Empfehlungen allen Akteuren neue Perspektiven der Nachhaltigkeit. Die ÖGNI bietet darüber hinaus Plattformen, um Forschungen, Entwicklungen und den aktiven Gedankenaustausch voranzutreiben. In all ihren Tätigkeiten agiert sie partnerschaftlich, nutzungsorientiert und lebenszyklusoptimiert.

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Franz Waglhuber
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